Kind und Erziehung

Gespräch über die erste Liebe

29. Mai 2012

Gespräche mit meinem Sohn laufen in der Regel so ab:
„Sebastian, wie wars denn im Kindergarten?“
„Mhh“
„Erzähl doch mal!“
„Waaas denn?“
„Wie es im Kindergarten heute so war. Hat der Leon wieder mit Sand geschmissen und braucht die Paula immer noch eine Windel? Wie heisst denn nochmal das blonde Mädchen mit…“
„Ich will Eis, kann ich ein Eis haben?“

Ich hatte die Kommunikation mit meinem Sohn schon aufgegeben. Wenn es mit einem Fünfjährigen schon so schwer ist, wie wird es dann erst mit einem 15jährigen sein? Umso mehr hat mich die gestrige Unterhaltung mit meinem Kind gefreut.

„Mama, ich erzähle Dir jetzt ein Geheimnis!“
„Oh, toll. Was denn?“ (Ich hatte mich auf eine spannende „Ich habe heimlich beim Morgenkreis gepubst-Geschichte“ eingestellt, aber es wurde richtig interessant)
„Mama, weisst Du, ich bin FAST in die Lisa verliebt.“
„Aha, was ist denn das für ein Kind, wie ist das Elternhaus, hat die was an den Füssen und überhaupt?“ Nein, habe ich nicht gesagt, habe ich nur gedacht. Das viele Elternratgeberlesen hat bei mir ein bisschen geholfen.

„Das ist ja schön, aber wieso denn nur fast?“
„Weil die anderen sagen, verliebt sein ist uncool.“
„Das ist aber Quatsch, Sebastian. Liebe ist etwas sehr Schönes und dafür muss man sich nicht schämen. Die anderen sind bestimmt alle nur neidisch.“
„Nee, das darf keiner wissen. Wenn Du meinen Freunden sagst, dass ich verliebt bin, sag ich einfach, ich bin in Babykatzen verliebt, dann merkt keiner was.“
„Ok, das ist ein guter Plan. Aber warum bist Du denn verliebt in die Lisa, findest Du sie besonders hübsch?“
„Mhh, weiss nicht.“
„Ist sie lustig?“

Angestrengtes Nachdenken.

„Ich bin in Lisa verliebt, weil sie schon ein Schulkind ist.“
„Warum das denn?“
„Die ist älter, die kann schon mehr Sachen, zum Beispiel Schleife binden und das kann ich noch nicht.“

Das ist auch eine Art der Problemlösung. Ich frage mich, wie das weitergehen soll. Ich mag die Anna, die kann so gut rechnen. Und die Matilda- die hat schon ein Auto. Und die Sophia hat so eine schöne Wohnung und Aussicht auf ein dickes Erbe. Die Luise ist auch nicht zu verachten- die hat schon einen Platz im betreuten Wohnen. Das Leben kann so einfach sein, wenn man Sebastian heisst!

Foto: Pixelio/S. Hofschlaeger

Das könnte auch interessant sein…

3 Kommentare

  • Reply Schwiegermutter inklusive 30. Mai 2012 at 6:15 am

    Herrlich!! Außerdem ist das nicht uncool, der Junge liegt voll im Trend – jüngerer Mann, ältere Frau…;-)

  • Reply Liselotte 9. Juni 2012 at 2:33 pm

    Das Leben erscheint Dir so einfach, weil Dein Sohn 5 Jahre alt ist und noch nichts weiß über die komplizierte Nuancierung der Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Und wenn er Mädels im Augenblick wegen ihrer Fähigkeiten bewundert, die durchaus (noch)bewunderungswürdig sind, so kannst Du Dich freuen, Frau Mutter. Möge er Dir noch sehr lange seine „Geheimnisse“ anvertrauen. So goldige Gespräche möchte man aufschreiben, damit man sie nicht vergißt.

  • Reply Viv 26. Juni 2012 at 6:13 pm

    herrlich! „Ich habe heimlich beim Morgenkreis gepupst…“ 🙂 kenn ich! Ich bin die, die in Berliner Kitas für den Morgenkreis und andere musikalische Ergüsse zuständig ist. Man sollte nicht meinen, wie oft Kinder beim Singen einen fahren lassen! Da muss es irgendeinen geheimnisvollen Zusammenhang geben ^^

  • Kommentieren