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„Kübel(n) hinterm Vorhang“: Interview mit Mama und Musical-Star Caroline Frank

7. Dezember 2015

Heute habe ich mal wieder ein besonderes Mama-Interview für Euch. Vergangene Woche durfte ich die Musical-Darstellerin und Mutter Caroline Frank interviewen, die gerade als „Velma Kelly“ im Musical „Chicago“ im Theater des Westens in Berlin gastiert. Ich habe mich vor ihrem Auftritt zwischen Show-Requisiten und Make-Up-Utensilien mit ihr unterhalten. Es wurde ein lustiges und offenes Gespräch über Schwangerschaftsübelkeit auf der Bühne, Vereinbarkeit von Familie und Künstler-Beruf und dem Körpergefühl einer Mutter und Tänzerin.

Frau Mutter und Caroline Frank

Leider habe ich feststellen müssen, dass ich das „Showsitzen“ auf Musical-Stühlen noch ein wenig üben muss. Aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht!

Nachdem sich Caroline dann in zehn Minuten (!!) in ihrer Garderobe in ihre Rolle verwandelt hat, durfte ich sie in Action sehen. WOW, sage ich nur. Eben noch war das eine offenes, freundliches Gespräch unter zwei Müttern und dann sehe ich sie als diesen männermordenden Über-Vamp auf der Bühne.

Caroline Frank Frau Mutter Blog 1

caroline frank

Du bist in Australien geboren, lebst nun aber schon lange in Wien und das hört man ja auch. Wie kam es zu diesen zwei sehr weit entfernten Aufenthaltsorten?

Meine Eltern, die beide Österreicher sind, haben sich dort kennengelernt und sind dann mit mir und meiner Schwester nach drei Jahren einfach wieder zurück nach Wien gegangen. Ich konnte damals perfekt Englisch sprechen, aber nach drei Monaten wieder in Österreich war alles weg! Wir sind jetzt alle wieder totale Wiener!

War schon immer für Dich klar, dass Du eine Karriere auf der Bühne anstrebst? War das Dein Kindheitstraum?

Ich finde ja nicht, aber meine Eltern sagen ja. (lacht) Ich bin in einem musikalischen Haushalt aufgewachsen, meine Mutter hatte Talent zum Singen. Und in der Schule musste ich immer singen, weil ich das hübsche Stimmchen g’habt hab. Ich erinnere mich aber daran, dass ich mit acht Jahren das erste Mal „Cats“ angeschaut habe. Das war prägend. Danach habe ich sofort mit meinen Freundinnen das Musical im Hobbyraum aufgeführt und ich hatte alle Hauptrollen (lacht) und alle Eltern mussten sich das auch anschauen! Aber ich war nicht von klein auf im Ballett. Aber Bewegung und Sport hat mir immer Spaß gemacht. Irgendwann habe ich gehört, dass man sogar eine Musical-Ausbildung machen kann und habe mich gleich nach der Matura beworben, nicht wissend, was der Beruf eigentlich bedeutet. Ich bin auch total blauäugig in die Prüfung gegangen und vielleicht hat mir die Lockerheit geholfen, es zu schaffen.

Meine Eltern haben mir immer gesagt: „Wir bezahlen Dir eine Ausbildung, egal was es ist.“ Ich habe dann heimlich die Aufnahmeprüfung gemacht und als ich angenommen wurde, hab ichs ihnen gesagt. Meine Eltern haben mich aber unterstützt. Ich hatte auch Glück, danach sofort zu arbeiten.

Caroline Frank Frau Mutter Blog 3

Man hat Dich auch schon im “Tatort” gesehen, aber Musical ist das Genre, in dem Du Dich am meisten aufhälst. Was fasziniert Dich am Musical?

Die Vielseitigkeit! Ich kann singen, tanzen und schauspielern gleich gut und das ist für Musicals eben praktisch. Ich bin weder die Wahnsinnsstimme wie Whitney Houston noch die absolute Tänzerin. Aber ich kann alles gleich gut und das passt dann. Und dann lerne ich auch sehr schnell!

Du spielst die Hauptrolle in “Chicago”, was gefällt Dir an der Rolle der Velma?

Ich hab angefangen zum Proben und war auf einmal so glücklich, dass hier in „Chicago“ genau diese drei Dinge- Tanzen, Singen, Schauspielern- total super zusammengekommen und ich habe einfach viele Nummern im dem Musical, die mein Herz glücklich machen. Das ist auch nicht oft so. Es gibt eben Stücke, die Dich erfüllen und manche wo man zu sich sagt: „Bist Du total irre, dass Du das machst?!“

Caroline Du bist Mutter eines vierjährigen Sohnes. War für Dich immer klar, dass Du Kinder willst, auch als Du den Beruf ergriffen hast?

Ich hab mir nie in Kombination mit dem Job die Kinderfrage gestellt. Ich glaub‘ ich mach mir einfach zu wenig Gedanken (lacht). Ich wusste ja gar nicht, was auf mich zukam, als ich den Job ergriffen habe. Ich bin bisher 22 Mal umgezogen in meinem Leben. Man weiß auch nicht bis kurz vorher, wo oder was der nächste Job ist. Jahrelang habe ich mein Hab und Gut in zwei Ikea-Taschen gehabt. Die Schwangerschaft war auch eine Überraschung für uns.

velma und frau mutter

Erzähle mal wie das ist, als Musical-Darstellerin schwanger zu sein. Du hast ja bestimmt nicht bis zum 7. Monat die Beine auf der Bühne hoch geworfen, oder?

Doch! Das war super! Ich habe damals im Stück „Ich war noch niemals in New York“ bis zur Mitte des sechsten Monats getanzt. Ich hatte aber einfach keinen großen Bauch bis zum siebten Monat. Die Kostüme wurden halt immer ein wenig weiter….

Aber natürlich hatte ich mit Übelkeit zu kämpfen! Das war sehr lustig. Mir war ständig schlecht und die Feuerwehrmänner haben mir immer hinterm Vorhang immer gesagt, wo der Kübel für mich steht. Ich hatte tatsächlich einmal schon Perücke und Mikro an und hab mir das dann nochmal schnell herunter gerissen, um zu brechen. Und danach war’s gut und los ging’s!

Aber ansonsten ist es mir gut gegangen und ich habe auf der Bühne immer total „abgeshaked“ und hab einfach gespürt, dass mir das total taugt und es hat sich richtig angefühlt auch für meinen Sohn im Bauch.

Und an einem Abend wusste ich aber dann: „Jetzt ist es genug“, dann war mein Bühnen-Ego auch weg und ich wollte einfach nur noch „Nest bauen.“

tdw Collage

Du bist als Schauspielerin und Sängerin nicht immer am selben Ort. Für uns Nicht-Künstler ist Vereinbarkeit von Familie und Beruf ja schon schwer. Wie bringst Du das unter einen Hut? Wie regelst Du das gerade hier in Berlin?

Es ist ja sowieso immer schwierig, einen Kindergartenplatz auch für eine kurze Zeit zu finden und dann leben wir gerade im Prenzlauer Berg und da ist ja eh alles voll, aber wir haben dann einen Platz in einem privaten, zweisprachigen Kindergarten gefunden. Wir erziehen nicht zweisprachig, weil ich zwar gut Englisch spreche, aber nicht „native“ genug bin, sondern total österreichisch. Aber immer wenn er hier im Theater dabei ist hört er mich mit den Kollegen Englisch sprechen und dann ist das für ihn gut, Englisch spielerisch zu lernen.

Jeden Tag ist die Vereinbarkeit natürlich eine Herausforderung. Vor allem abends ( meine Hauptarbeitszeit) war es am Anfang nicht einfach für uns beide. Diese Abendzeit, die intime Zeit für Mama und Kind, ist eben wichtig.

Andere Kollegen sind auf Engagements weg und sehen ihr Kind nur alle paar Wochen, aber das wollte ich nie und das bedeutet dann auch häufigere Wechsel der Kindergärten. Aber ich kann nicht so lange von ihm weg sein. Aber mein Sohn ist okay mit Ortsveränderungen und neuen Menschen, das ist super gut für mich. Er braucht einen Plan, muss wissen, was passiert, aber dann ist er flexibel.

Mein Mann und ich sind beide selbständig und man ist halt flexibler, aber wir brauchen auch viele Babysitter. Später, wenn er in die Schule geht, möchte ich ihn aber nicht mehr dauernd aus der Schule nehmen. Deswegen mache ich jetzt noch alle spannenden Jobs, die mir angeboten werden. Aber es wird immer etwas Spannendes kommen, wer weiß was kommt, da bin ich auch ganz offen!

Viele Mütter hadern mit ihrem After-Baby-Body und wollen schnell wieder fit sein. Für Dich ist Dein Körper/Deine Fitness ja tatsächlich Werkzeug für den Beruf. Wie hast Du das erlebt? Warst Du schnell wieder in der alten Form?

Ich hab drei Monate nach der Geburt wieder gespielt, in kleineren Produktionen. Lustigerweise war ich schnell wieder schlank, ich habe nur 13 Kilo in der Schwangerschaft zugenommen. Aber bis ich wieder zu meiner alten Kraft kam, das war länger. Das hat zweieinhalb Jahre gedauert, bis „der Saft“ wieder da war und man sich wieder richtig gespürt hat.

Für meine tägliche Fitness mache ich ein Zirkel-Training, das heisst „Kayla Itsines“. Das ist immer nur eine halbe Stunde dreimal die Woche zu Hause. Es muss sich halt ausgehen mit einem kleinen Kind. Ich hab da wirklich ein Six-pack bekommen!

Liebe Caroline, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Ich liebe ja Musicals und Shows jeglicher Art und habe hier wirklich jede Minute genossen. Bei „Chicago“ gibt es großartige Sänger und Tänzer nicht nur in den Hauptrollen und eine freche, auch oft lustige Handlung. Noch bis zum 17. Januar kann man das Musical und Caroline als Velma Kelly in Berlin im Theater des Westens sehen.

Hier noch einmal meine Interviewpartnerin auf der Bühne im Opening Act von „Chicago“ bei ihrer Nummer „All that Jazz“:

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