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Eine schöne Mama: Das Beauty Interview mit Sonja

13. Februar 2018

In der Interviewreihe „Eine schöne Mama“ hier auf dem Blog stelle ich Euch tolle Frauen vor, die auch Mütter sind. Super toll! Wir reden über Mode, Aussehen und veränderte (oder unveränderte) Schönheitsideale, wenn man Mutter geworden ist. Außerdem gibt eine Menge Tipps und Tricks und auch Warnungen vor unnötigem Schnickschnack. Heute rede ich mit Sonja, die Bereiberin des wirklich großartigen Blogs Little Travel Society ist. Fernweh garantiert!

Ich rede mit Ihr über die Kraft der blauen Creme-Dose, warum auch runde Bäuche schön sind und warum es toll ist, second hand zu kaufen. Viel Spaß!

Hat sich Dein Verständnis von Aussehen und Schönheit verändert, seit Du Mutter bist?

Aber wie! Schwangersein war für mich körpergefühlsmäßig erst mal ein Schock. Da stand ich in der Umziehkabine mit einem Anita-Still-BH – in Körbchengröße F – und habe geheult. Der nächste Schock war, als das Kind zwar raus, aber von den 20 Kilo mehr nur 5 weg waren. Ich bin zwar dann wieder auf das normale Sonja-ich zurückgeschrumpft, aber jedes Kind – es sind ja 3 an der Zahl – haben meinem Körper natürlich ein Souvenir hinterlassen. Das empfinde ich nicht mehr als Makel.

Heute finde ich es schade, dass man als junges Ding oft so auf Schlanksein fixiert ist und gar nicht realisiert, dass Kurven ja eigenlich der Inbegriff des Weiblichen sind. Ein Bauch ist nicht nur flach schön, sondern vor allem, wenn gegen die pralle Kugel von innen ein kleiner Mensch boxt. Wir Frauen sollten uns da nichts von der Werbung einreden lassen. Unser Körper ist ein Wunder – egal ob groß oder klein, dick oder dünn. So sehe ich das heute … und zähle trotzdem heimlich die neuen Falten im Spiegel… Ganz können wir dann doch nicht aus unserer Haut raus;-)

Werden wir mit zunehmendem Alter eigentlich netter zu uns und anderen Frauen?

Definitiv. Und ich denke, dass das auch irgendwo mit der #metoo-Debatte zusammenhängt. Als junge Frau habe ich mein Leben im Privaten und vor allem im Beruflichen häufig als Spießrutenlauf empfunden. Einfach weil ich als junge, große, schlanke Frau in das „Beuteschema“ vieler Männer gepasst habe. Anzügliche Komplimente in Meetings und unpassende Avancen im Freundeskreis waren da oft an der Tagesordnung. Und ich muss zugeben – ich hatte oft gar nicht den Mut, mich dagegen zu wehren und habe diese Situationen dann lieber „weggekichert“.

Andere Frauen – auch Chefinnen – haben mir das Leben in diesem Zusammenhang dann oft leider eher schwerer als leichter gemacht. Heute denke ich, dass sie mich auch als Bedrohung empfunden haben und sich über die viele Aufmerksamkeit geärgert haben, die ich ungerechterweise bekommen habe. Darunter habe ich sehr gelitten. Die #metoo-Debatte gibt mir aber Hoffnung, weil Männer und Frauen offener mit diesen Grenzüberschreitungen bei jungen Frauen umgehen.

Meine Hoffnung ist, dass daraus nicht nur eine Ächtung des Verhaltens manchner Männer entsteht, sondern auch die Solidarität unter uns Frauen größer wird. Erfahrene alte „Häsinnen“ wie wir sollten jüngere Frauen schützen und fördern. Denn heute mit 43 ist mein Leben viel einfacher! Je älter wir werden, desto stärker werden wir Frauen doch als Mensch mit Kompetenzen wahrgenommen und nicht nur als Körper mit Kurven.

Auch unser Selbstbild ändert sich dadurch natürlich – wir werden selbstbewußter. Heute ziehe ich ein Kleidungsstück an, weil es mir gefällt, nicht weil es schlank macht. Frauenfreundschaften sind plötzlich so viel einfacher und ich kenne so viele schöne, selbstbewusste Frauen, die in früheren Jahren nicht so eine tolle Ausstrahlung hatten wie mit Mitte 40. Deswegen finde ich Deine Interviewfrage sehr schön. Lasst uns netter zueinander sein – gerade zu den jungen Frauen!

Wie sieht Dein tägliches Gesichtspflege-Ritual aus?

Da meine Oma – nur mit Nivea – bis ins hohe Alter kaum Falten hatte und ich an den ganzen Marketing-Schnick-Schnack-Tübchen-Kram nicht glaube, mache ich nicht viel: Wasser und Toleriane-Gesichtscreme von Roche Posay ohne Parfum. Seit 30 Jahren. Ich hoffe, damit in die Fußstapfen meiner Oma zu treten.

Welche Make-Up Produkte empfiehlst Du?

Ich benutze schon seit Langem fast nur MAC-Produkte. Vor meiner Hochzeit hat mich im Münchner Beck mal eine Dame probe-geschminkt (kann ich sehr empfehlen!) und seitdem halte ich mich strikt an ihre Anweisungen… Und was ich bis vor Kurzem mein absolutes Markenzeichen war (weil ich immer 10 Stück dabei hatte und sie mir überall aus der Tasche gefallen sind): Blistex Liptone.

Ich mag auch im Alltag gern ein bisschen dezente Farbe auf den Lippen. Furchtbar, als sie den aus dem Programm genommen haben! Wer das selbe Problem hat: Nach verzweifelten und erfolglosen Testreihen habe ich jetzt ein Ersatzprodukt gefunden. Burt´s Bee getönter Lippenbalsam. Davon gibt es super schöne Farben und die Burt´s Bees Produkte sind allesamt sogar Naturkosmetik.

Welches Beauty-Produkt ist nach Deiner Meinung völlig sinnlos?

Alle, die behaupten, etwas an uns dauerhaft zu verändern. Cellulite-Cremes, Antifaltencremes, Mehr-Haare-Tinkturen. Reiner Marketing-Quatsch. Wenn das so einfach wäre – dann sähen wir alle anders aus im Badeanzug.

Hast Du “Deine” Frisur gefunden oder bist Du noch auf der Suche?

Ich habe nicht den Luxus, mir eine Frisur auszusuchen, meine Haare diktieren MIR den Schnitt. Ich hatte schon immer Schnittlauchflusen. Kurz und gut geschnitten ist in diesem Fall die einzige Lösung. Nachdem ich das aber endlich verstanden habe, fühle ich mich sehr wohl damit und mag meine Haare sogar.

Dünne Haare sind eben auch viel weicher und glänzen oft schöner. Ein gutes Selbstbewusstsein braucht man in dieser Familie aber auch – wenn die drei Töchter zum Beispiel mitleidig meinen: „Ach, Du Arme! Du bist die Einzige in der Familie, die nicht wirklich Haare hat.“ (Anm.: Meine Töchter haben alle 3 das afghanische Walle-Haar vom Vater geerbt).

Ist Dir Mode wichtiger oder ein ganz persönlicher Style?

Mode ist ein schlimmes Diktat, das nur dazu dient, dass wir immer schneller immer mehr Billig-Kleidung konsumieren, die von Kindern in Bangladesch genäht werden. Ich kaufe fast ausschließlich in meinen zwei Liebings-Secondhand-Läden in der Schellingstraße in München ein (Marietta Maier-Spitzbarth, die den Laden seit 30 Jahren betreibt, und der Laden ihrer Tochter Frauke gleich daneben).

Das ist viel nachhaltiger und macht so viel mehr Spaß als das ganze 08/15-Zeug in den Läden! Ich habe ganz viele Lieblingsstücke, zu denen ich immer wieder gefragt werde, woher ich sie habe. Mir machen besondere Kleidungsstücke schon viel Spaß, ich kaufe aber lieber weniger und gute Kleidungsstücke. Auch aus ethischen Gründen.

Dein Tipp, um im Alltag mit Kindern einfach chic auszusehen?

Gemütliche Wohlfühlkleidung kaufen, die aber eine paar kleine Rafinessen hat. Zum Beispiel einen etwas schrägen Schnitt, eine bunte Schnalle oder dramatische Trompetenärmel. Bei mir passen die meisten Farben irgendwie zusammen und ich habe ein paar Standard-Kombis im Kopf, die immer gehen – auch im Halbschlaf wenn die Nacht kurz war.

Dazu trage ich auch gern auffällige Ketten und Armbänder oder auch mal eine Blume im Haar. Das reißt dann auch das einfachste Outfit wieder raus (geht aber nicht mit Babys – die strangulieren einen gern damit oder rupfen alles aus den Haaren).

Wann fühlst Du Dich am schönsten?

Im Urlaub. Da sind die Gesichtszüge plötzlich so weich und entspannt…

Was willst Du Deinen Kindern in Bezug auf Schönheit mitgeben?

Bei drei Töchtern spielt das Thema Schönheit nun mal eine große Rolle. Leider fangen ja schon in der 3. Klasse die Mädchen plötzlich an, sich zu wiegen und zu vergleichen. Und es ist ja auch so, dass das man selbst und das Umfeld dazu tendiert, Jungs für ihre Kraft und Klugheit zu loben und Mädchen für ihre Schönheit. „Ach, Du siehst aber hübsch aus!“ – das sagt man ja eher zu einem Mädchen im Kleidchen als zu einem Jungen.

Wir sagen daher unseren Töchtern immer wieder ganz bewußt, dass sie kluge, tolle und mutige Mädchen sind. Dass das ihre Schönheit ausmacht. Lustig ist, dass sie daher alle drei ein Mega-Selbstbewusstsein haben. Sie finden sich alle total schön und sagen das auch oft. Ich hoffe, sie retten sich dieses Gefühl über die Pubertät hinweg!

Liebe Sonja, das sind ganz wunderbare Ansichten. Danke für die vielen tollen Tipps!

Fotos: Anna McMaster

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1 Kommentar

  • Reply Ida 13. Februar 2018 at 9:14 pm

    Ein sehr schönes Interview 🙂

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