Erfahrungen

Vereinbarkeit Familie und Beruf – wie weit sind wir?

3. September 2014

Vereinbarkeit Familie Beruf frau mutter blog

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Sind wir schon am Ziel? Wenigstens auf dem richtigen Weg? Homeoffice, Projektarbeit, Vertrauensarbeitszeit hilft alles nichts, wenn das deutsche Arbeitsleben immer noch von einer grossen Präsenzkultur geprägt ist. Sicher, für manche Projekte ist es unabdingbar, im Büro zu sein. Viele Berufe können einfach auch nicht komplett aus dem homeoffice erledigt werden. Selbständigkeit kann ein Segen sein, wegen der besseren Flexibilität. Aber natürlich gibt es auch viel mehr Unsicherheiten. Es ist auch nicht der goldene Weg für jede Mutter. Wir haben so viele Gesetze für mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für die ich auch dankbar bin. Aber manchmal habe ich das Gefühl, die Gesellschaft bzw. das Arbeitsleben hinkt noch arg hinterher.

Mütter, die arbeiten wollen, müssen sich teilweise noch rechtfertigen, damit fängt es schon an. Was, Du arbeitest Vollzeit? Was, Du arbeitest „nur“ Teilzeit? Warum hast Du Kinder, wenn Du arbeiten gehen willst? Dauernd muss man was erklären…Immerhin gibt es vom Bundesfamilienministerium gesammelte Best Practice-Beispiele, wie Unternehmen und Betreuungsstätten das gut regeln können.

Trotzdem sehen gerade Mütter noch Verbesserungsbedarf, was die Vereinbarkeit Familie Beruf anbelangt. Das verwundert nicht, oder?

Klimaveränderung: mal positiv

Ich durfte mit Familie und (damals) Baby einige Jahre in Schweden leben. Und nicht umsonst schielen wir Mütter im Rest von Europa sehnsüchtig nach Skandinavien: Dort machen Mütter und Väter selbstverständlich regelmäßig um 16 Uhr oder sogar noch früher Feierabend – ohne sich heimlich oder unter fadenscheinigen Vorwänden aus dem Büro zu schleichen. Es gehört einfach zum guten Ton, seine Kinder pünktlich aus der Kita abzuholen. Danach ist noch ausreichend Zeit für gemeinsame Aktivitäten, wie sie sich auch 72 Prozent der deutschen Eltern deutlich öfter wünschen würden.

Zum familienfreundlichen Arbeitsklima in Nordeuropa trägt außerdem bei, dass Väter, die Elternzeit nehmen möchten, aktiv von ihren Arbeitgebern unterstützt werden. Zum Beispiel stocken viele Firmen das Elterngeld freiwillig auf 100 Prozent auf, weil sie wissen, dass diese Männer nach ihrer „Baby-Pause“ besonders motiviert zurückkehren und sich stärker mit ihrem Unternehmen identifizieren. Für Mütter liegt der Vorteil eines solchen Arrangements darin, dass diese Väter ausreichend „Familienluft“ schnuppern konnten und sich vielleicht auch zukünftig deutlich mehr in Haushalt und Kindererziehung einbringen werden. Aber: alle schwedischen Frauen, die ich getroffen habe, arbeiten in Vollzeit. Für beide Partner gelten hier gleiche Rechte und Pflichten, im Beruf und in der Familie.

Vereinbarkeit Familie und Beruf – die Herausforderungen des Alltags

Mütter, deren Kinder eine betriebliche Kinderbetreuung besuchen, sind klar im Vorteil: Sie müssen nicht frühmorgens und nachmittags zusätzliche Wege während der Rushhour absolvieren. Zudem sind die Öffnungszeiten dieser Kitas meist optimal auf die Arbeitszeiten der Eltern abgestimmt. Besuchen die Kinder einen öffentlichen Kindergarten oder Hort, stehen häufig längere Betreuungszeiten sowie weniger Schließtage auf dem Wunschzettel berufstätiger Eltern. Wenn Eltern im Schichtdienst arbeiten, stellt sie das vor besondere Herausforderungen.

68 Prozent aller Mütter und Väter bezeichnen sich laut einer aktuellen Flexibilitätsstudie als „eher flexibel“. Überrascht hat mich dieses Ergebnis – wie auch die Feststellung, dass 72 Prozent der berufstätigen Mütter gerne mehr Zeit für sich hätten – nicht wirklich …

Denn echt stressig wird´s, wenn es morgens aus dem Kinderzimmer „Ich hab Halsweh“ oder „Mama, mir ist so schlecht“ tönt. Glücklich, wer jetzt die am Ort lebende Oma anrufen kann! Kann jedoch auch keine liebe Freundin oder hilfsbereite Nachbarin spontan einspringen, so heißt es: Zähne zusammenbeißen und sich – nach Vorlage eines Attests – vom Arbeitgeber freistellen lassen. Fünf bezahlte beziehungsweise 10 unbezahlte Tage stehen zu. Und hoffen und beten, dass man sich nicht selbst ansteckt…..

Foto: © Jürgen Jotzo/Pixelio

Das könnte auch interessant sein…

1 Kommentar

  • Reply Die Vereinbarkeitsfalle - Der MUnti BlogDer MUnti Blog 16. Mai 2015 at 8:36 am

    […] Frau Mutter: Vereinbarkeit Familie und Beruf – Wie weit sind wir? […]

  • Kommentieren