Erfahrungen

Mama und Papa gehen aus

26. November 2012

Eltern sollten regelmässig alleine ausgehen, um endlich wieder ein zusammenhängendes Gespräch mit ohne umgeworfenen Getränken zu führen. Wir haben das auch mal probiert. Bereits bei der Vorspeise fielen mir die Augen zu, beim Hauptgang bin ich dann in einen längeren Sekundenschlaf gefallen. Als mein Mann nach einer Stunde laut „Es gibt Dessert“ rief, bin ich wieder aufgewacht. In den letzten beiden Jahren kam unsere Tochter zur Welt und wir haben ein Haus gekauft– und saniert. Nicht sehr viel Zeit und Geld für Rendez-vous mit dem Liebsten. Unsere „date nights“ waren DVD auf der Couch gucken oder zusammen den Keller ausmisten. Es musste also mal wieder richtig auf die Kacke gehauen werden: Bundespresseball!

Mein Mann ist Journalist und ich Blogger, der Bundespresseball liegt also nahe. Obwohl, bis wir Blogger an den Tisch des Bundespräsidenten gebeten werden, schreibe ich einen Oma-Blog. Aber ejal.

Mama und Papa rocken den Bundespresseball

Zunächst hatte ich mir ein „massangefertigtes“ Kleid naiverweise irgendwo in Usbekistan über das Internet bestellt. Auf dem Foto sah es toll aus und war wirklich günstig. Ausserdem habe ich alle zwei Tage eine nette E-Mail von den Schneidern bekommen: „Don’t worry, Frau, we work on your dress 24/7. You will look like pretty princess, 100% guaranteed!“ Es kam dann zwei Grössen zu gross an und ich habe es für den Preis des Kleides nochmal ändern müssen…Nun bin also geheilt und die usbekischen Schneider haben eine Kundin weniger.

Natürlich benötigte ich auch noch eine passende Frisur und Herr Vater einen Smoking. Das war alles ganz schön viel Aufwand für eine „date night“ auf dem Bundespressball, denn der ist wirklich wie ein Weihnachtsmarkt im Warmen. Alle wollen gleichzeitig Bratwurst und Glühwein oder wahlweise Champagner und Austern und man muss erstmal überall anstehen. Alle tragen Abendgarderobe, ok. Da ist es auch praktisch, dass die Mahlzeiten eher Mini-Format haben. Der Kummerbund und die Corsage platzen also bestimmt nicht.

Das Highlight des Abends: Die Heimfahrt

Nachdem wir zirka vier Stunden „flaniert“ sind und ich diverse Menschen von meiner Schleppe herunter geschubst hatte, war es dann um 24 Uhr endlich Zeit für die Verlosung. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon mehrmals im Stehen eingeschlafen und meine Füsse taten so weh, dass ich lauthals nach meinen „Garten-Crocs“ rief. Natürlich habe ich auch wieder nicht gewonnen, da kann man ja auch nach Hause fahren. Kaum waren wir draussen, geleitete uns eine Art Bodyguard zu einer unglaublichen Limousine aus dem Schwäbischen. Bevor ich sagen wollte:“Das habe ich nicht bestellt, ich kaufe das auch nicht!“ sanken wir in tiefe Ledersitze und wurden von einem uniformierten Fahrer nach Hause chauffiert. Nach der Häfte der Fahrt- ich wollte eigentlich nie mehr zu Hause ankommen – drückte mein Mann auf einen der vielen Knöpfe. Der Sitz begann fortan, meinen Rücken zu massieren. UNGLAUBLICH! Hatte das Auto etwa einen fleissigen Stuttgarter Masseur im Kofferraum eingebaut? Heil’ges Blechle! Die können wirklich alles ausser Hochdeutsch da unten. Nach zwanzig Minuten waren wir leider zu Hause und nach vier Stunden Schlaf weckten uns die Kinder.

Das nächste Rendez-Vous mit meinem Mann plane ich in einem Autohaus mit einer dreistündigen Probefahrt. Dann spare ich mir Abendgarderobe und Frisur und habe dann in 100 Jahren ein schönes Auto zusammen gespart. Oder Frau Mutter wird jetzt ein Test-Blog für Autos….

Halllöle Herr Daimler, höret Sie mich?!

Foto: Frau Mutters Sekundenschlaf auf dem Bundespresseball, die Frisur für die S-Klasse, Thunfische konnte man auch treffen…

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5 Kommentare

  • Reply Christian 26. November 2012 at 11:51 pm

    Das mit der Müdigkeit kennen wir auch nur zu gut. Geht man endlich einmal aus und ist dann meist total platt.

    Bundespresseball Ihr kommt ja rum.

    Liebe Grüße, Christian

  • Reply Agnes 27. November 2012 at 8:22 am

    Haha,einfach zu lustig! Aber das Autos jetzt auch massieren können, das ist ja mal was. Da kann mein alter Citroën leider nicht mithalten. Wobei…wenn ich schnell genug fahre – 90km/h reichen meist – dann schaukelt alles so sehr, das könnte einer Massage gleich kommen. 😉

  • Reply fraumutter 27. November 2012 at 4:05 pm

    @christian: na, wenn schon denn schon!
    @ agnes: da hast Du wohl eine eingebaute MOTOR-Massage in Deinem Auto…

    • Reply Christian 30. November 2012 at 1:41 am

      Ihr lasst Euch wirklich nicht lumpen. 🙂

  • Reply Mama Blog Berlin: Immer diese Mütter! Und jetzt bloggen sie auch noch. 4. Januar 2013 at 1:50 am

    […] Nina schreibt als Frau Mutter einen wunderbaren Blog und über sich selbst, sie sei eine mütterliche Satirikerin und eine satirische Mutter. Und sie glaubt, dass man der Lebensaufgabe der Kinderaufzucht am besten mit Humor begegnet. Als “Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs” schreibt sie hauptsächlich ums Muttersein. Darum, wie man Mutter wird und wie man Frau bleibt. Hauptfiguren sind natürlich ihre beiden Kinder, und ihr Mann bleibt auch nicht verschont. Zu den neueren Artikeln mit erhöhtem Schmunzelfaktor gehört ganz klar “Mama und Papa gehen aus”. […]

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