Erfahrungen

Mama auf Dienstreise

4. Dezember 2013

Mama auf Dienstreise Frau Mutter_Peter von Bechen_pixelio.de

Kürzlich war ich drei Tage auf Dienstreise in Franken. Würde ich ganz schrecklich meine Familie vermissen? Ehrlich gesagt: NÖ! Für mich bedeutet „Dienstreise“: Ich bin mindestens fünf Stunden im Zug! Allein! Nur ich, mein Laptop, mein smartphone und die schöne (fränggische) Landschaft. …Naja, die „BUNTE“ und eine Tüte Gummibärchen waren auch dabei… Aber jetzt mal ehrlich: Wo kann Frau und Mutter denn noch ungestört fünf Stunden alleine sein? Genau: Zugfahren ist Wellness pur! Ich hatte das schon lange nicht mehr gemacht. Zugfahren. Mal ungestört nachdenken, die Landschaft anschauen. Nur manchmal gestört von einem Schaffner, der „a weng“ sagt, was immer das heisst. Hier der innere Monolog einer Mama auf Dienstreise:

„Wir vermissen Dich jetzt schon, hatte er gesagt…..Süss..Ganz ehrlich, ich werde Euch glaube ich, nicht vermissen. Beschliesse jetzt, dass ich auch keine schlechte Mutter deswegen bin oder so..Drei Tage allein! YES! Nur für mich selbst verantwortlich sein. Brotbox eingepackt? Matschhose gewaschen? NOT MY PROBLEM!! Freiheit…Frei… sein…..Frei….“

„Im ICE muss die Freiheit wohl grenzenlos sein….alle Ängste alle Sorgen, sagt man, wären dahinter verborgen und dann…“

„Guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, bitte beachten Sie folgenden Hinweis: Unser Zug hat einen Triebwerkschaden, die Weiterfahrt verzögert sich um einige Minuten.“

„Ach ja, ist doch nicht so schlimm. Kann ja jedem mal passieren. Habe auch öfters Triebwerkschäden. Schaue ich halt aus dem Fenster. So ein schöner Wald. Und Hügel gibt es hier…irre….“

„Sehr geehrte Zuggäste, wir werden nun von einem anderen Zug abgeschleppt, der uns über den Berg zieht und in den Bahnhof Obersonnental bringt. Ob die Anschlüsse dort gehalten werden, können wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Unser Servicemitarbeiter wird in Kürze mit einem Bistrowagen mit Erfrischungen an ihrem Platz vorbei kommen.“

„Abschleppen. Aha.„Lass Dich nicht an der Hotelbar abschleppen, hat er gesagt. Und jetzt werde ich von einem Zug abgeschleppt. Merke: Werde auch nicht jünger und begehrenswerter, wenn mich jetzt schon ein Zug abschleppt…..

….Ist immer noch schön hier, der Wald, geschneit hat’s schon. Mal bisschen twittern. Mhhhh. Nun stehen wir schon seit einer Stunde am Hang.

„Da werd‘ i mi a weng bschweren bei derra Bahn“.

„Aha, die anderen Zuggäste werden langsam ungeduldig. Sind wohl keine beruftstätigen Mütter von kleinen Kindern. Leudde, wisst Ihr eichentlich, wie gut es Euch geh?. IHR HABT FREIZEIT!!!.“

„Grüss Gott, haben Sie Inderrrrresse an einer Errrrrfrischung?“

„A weng Wurrrrschtsemmel, bidde“, probiere ich mein neuerworbenes Fränkisch aus. Der Servicemitarbeiter schaut sekptisch. Er ahnt wohl, dass ich eine Preussin auf Abwegen bin.

„Und zum Tringggen?“

„Cola, die mit viel Zucker und noch eine Tüte Gummibärchen und den Schokoriegel. Die Kinder sind ja nicht da und da muss ich auch kein Vorbild sein…..“

(Wir stehen weiterhin und warten darauf abgeschleppt zu werden)

„So und jetzt denke mal über meine Altersvorsorge nach. Jetzt habe ich mal Zeit dazu und das ist ja auch wichtig“………

—-Denk —-Denk

(Denke eine Minute darüber nach, zum Juwelier zu gehen und mein Geld zu Gold zu machen. Ist sicher auch was Gutes. Bleibende Werte)

„Genug langweiliges Zeug gedacht“.

Twittere. Facebooke. Geniesse meine Cola.
„Ob das „Gola“ auf fränkisch heisst??“
Stopfe mich mit Süssigkeiten voll.

Es ruckelt. Der Zug und ich werden abgeschleppt. Ich komme mit 1,5 stündiger Verspätung. Und bin die einzige Reisende im Zug, die das so richtig genossen hat.

Freiheit!

Foto: copyright Peter von Bechen/Pixelio

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10 Kommentare

  • Reply Birte 4. Dezember 2013 at 9:48 am

    Alles genau richtig gemacht 🙂
    Herrlich so ein Ausflug!

  • Reply Iris Floimayr-Dichtl 4. Dezember 2013 at 9:56 am

    ja, du hast auf jeden fall recht, jede freie minute, egal wie sie zustandekommt genießen genießen genießen!!! 100% korrektes verhalten, welldone, sehr gut setzen frau mutter!

  • Reply Tinkaa Bella 4. Dezember 2013 at 10:01 am

    Huhu!
    Hiermit bist du für den Best-Blog-Award nominiert. Vielleicht hast du ja Lust mitzumachen? Würde mich freuen. Dann schau mal bei mir vorbei
    Lg Tinkaa <3

    http://tinkaaabell.blogspot.de/2013/12/best-blog-award.html

  • Reply Frau Mutter 4. Dezember 2013 at 10:03 am

    Danke Euch für den support!!!

  • Reply Mama notes 4. Dezember 2013 at 11:05 am

    Herrlich. Alles richtig gemacht 🙂

  • Reply Sandra 4. Dezember 2013 at 11:37 am

    Haha, sehr cool – alles richtig gemacht! 😉

    Ich darf in 2 Wochen wieder arbeiten. Ist zwar nur eine einwöchige Vertretung während meiner Elternzeit, aber ich singe jetzt auch schon was von Freiheit. Auch wenn ich beide liebe, aber so ein paar Stunden ohne wird sicher traumhaft. 😉

  • Reply Martine 4. Dezember 2013 at 11:54 am

    Super! Habe sehr gelacht darüber! 🙂

  • Reply Amélie 4. Dezember 2013 at 1:40 pm

    Herrlich! Ich fahre demnächst 4 Tage lang allein weg. 4 Tage Freizeit! Aber die „Als Mutter darf man das nicht“-Schleuder kam bereits angeflogen..die Nachbarin fragte entsetzt „Und die Kinder?!“ (werden in Kita, Schule, bei Papa und Oma höchstwahrscheinlich nicht zu Schaden kommen….grrr…).

  • Reply Mara 4. Dezember 2013 at 7:34 pm

    🙂 So ähnlich mache ich das auch. Und wenn das Seminar vorbei ist, dann nehme ich einfach einen Zug später als die anderen … (damit ich erst zuhause bin, wenn die Kleinen im Bett sind).

  • Reply Katarina 1. Mai 2015 at 8:33 am

    Würde ich nicht anders machen.

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