Erfahrungen

Kinder und Medienkonsum: Bildschirme ja oder nein?

19. Januar 2015

Kinder vor dem Bildschirm Frau Mutter Blog

Peter Lustig hat den Kindern in den achtziger Jahren immer am Ende der Sendung „Löwenzahn“ gesagt: „Und jetzt auszuschalten.“ Das fand ich als Kind immer ein wenig bevormundend. Meine Eltern ermahnten mich ja schon ständig, nicht so viel zu „glotzen“, also warum auch der Mann im Fernsehen? Mmmpf. Heute bin ich selbst Mutter und sage ungefähr 157. Mal „Ausschalten“ zu meinen Kindern, bis sie sich endlich von ihren Bildschirmen trennen können. Bei uns dürfen die Kinder „Bildschirme nutzen“; TV, tablet oder „Prinzessin Lillifee“ auf dem Handy. Zur Mediennutzung von Kindern gibt es im Zeitalter von social media zu recht Diskussionen und nun stelle ich Euch die Gretchenfrage: „Nun sag, wie hast Du es mit Kindern und dem Medienkonsum?“

Kinder und Medienkonsum: früher und heute

In meinem Umfeld gibt es viele Familien, die keinen Fernseher zu Hause haben oder zu mindestens Zeit vor Bildschirmen für ihre Kinder extrem einschränken, zeitlich oder thematisch. 20 Minuten täglich oder eben nur Naturfilme. Auch kenne ich einige Eltern, die mit ihren Kindern noch nie im Kino waren.

Ich habe mich bei der Entscheidung, ab wann und was meine Kinder schauen dürfen, gefragt, wie das bei mir war. Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und habe als Kind viel TV geschaut, aber mindestens genauso viel oder noch mehr gelesen. Ich habe alles gelesen, was mir unter die Hände kam und wenn es der Katalog „Die praktische Hausfrau“ von meiner Mutter war. Geschichten, in jeglicher Form, haben mich schon immer fasziniert. Natürlich gab es „damals nur fünf Programme (ja so alt bin ich schon, wir hatten ja nichts nach dem Krieg…..) und das Testbild nachmittags war auch nicht so verlockend wie heute youtube mit unzähligen Videos.

Nach der Schule bin ich Buchhändlerin geworden, habe Germanistik studiert und nun schreibe ich ein Buch. Ich lese immer noch wahnsinnig gern, aber liebe auch meine Serien und den DVD-Ausleihservice.

Tatsächlich war unser Fernsehen in den achtziger und neunziger Jahren noch „unschuldiger“ und sicherer für Kinder als das Internet heute, wenn man mal von „Tutti Frutti“ absieht. Ich schaue genau, was meine Kinder ins Suchfeld tippen, man muß auch dabei bleiben, sonst wird eben ganz schnell Quatsch angeschaut.

Schauen, was die Kinder schauen

Wenn wir nachmittags nach Arbeit, Schule und Kindergarten nach Hause kommen dürfen die Kinder nach ihrem Snack etwas anschauen. Für meine Tochter ist das „Lauras Stern“ oder „Lillifee“, für mich ist das Facebook und mein Sohn liebt gerade das Spiel „Hay Day“, bei dem er auf dem tablet einen Bauernhof zu organisieren lernt.

Aber natürlich will Sebastian gerne zwei Stunden „Star Wars, the Clone Wars“ anschauen und nie, niemals ausschalten. Bei meinen Kindern ist immer alles „gleich vorbei, ich schaue nur noch fünf Minuten.“ Das ist dann auch das Problem, welches Eltern ohne TV im Haus oder mit strengeren Regeln zur Mediennutzung nicht haben, das AUSSCHALTEN. Dabei gibt es bei uns jedes Mal Streit und Diskussionen. Besonders schwierig ist es natürlich in den Ferien oder bei schlechtem, kalten Wetter. Da lässt man die Kinder dann auch mal länger etwas schauen und das kann dann schnell einreißen. Ganz ehrlich bin ich manchmal auch faul, krank oder will gerade nicht diskutieren und lasse die Kids dann länger schauen, was natürlich nicht sein sollte.

Damit das Lesen einen gleichen Stellenwert wie das Schauen behält, müssen wir heute als Eltern mehr tun. Die Konkurrenz der Bildschirme ist stärker geworden.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es ok ist, wenn die Kinder fernsehen oder das tablet benutzen, wenn sie außerdem genug in der realen Welt erleben und lernen können. Das fand ich sehr einleuchtend. Das „echte Leben“ muss immer Vorrang vor dem Leben auf dem Bildschirm haben.

Wie macht Ihr das zu Hause? Dürfen Eure Kinder Bildschirme nutzen oder seid Ihr strikt dagegen?

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15 Kommentare

  • Reply Katarina 19. Januar 2015 at 10:54 am

    Ich sehe das ähnlich wie du, und hab da auch mal was zu gebloggt (http://blogprinzessin.de/2014/10/medienerziehung-in-der-familie/)

  • Reply KinderKichern 19. Januar 2015 at 11:55 am

    Meine Große (5) hat sehr lange wenig Fernsehn geguckt. Mittlerweile hat sie ihre Lieblingssendungen (Sendung mit der Maus, Bibi und Tina,…), die sie natürlich anschauen darf. Ganz ohne geht es nun mal nicht. Auch ans Tablet darf sie ab und zu. Wir achten aber schon darauf, dass das Ganze nicht überhand nimmt.

  • Reply Martine Sinemus - van Kolfschoten 19. Januar 2015 at 12:04 pm

    In den Niederlanden hat eine Studie gerade gezeigt dass Kinder die zwei Stunden pro Tag am Bildschirm (Fernseher/Tablet, etc) verbringen am besten entwickelt und am glücklichsten sind.

    Mehr ist nicht besser aber weniger auch nicht. Es gibt auch schöne Mathespiele am Computer und Woozle-Doozle und Teletubbies finde ich auch nicht schadend. Natürlich guckt mein Sohn auch am liebsten Starwars oder so. Mit 8 Jahren darf er das auch schon mal was sehen. Ich denke man sollte da nicht zu rigide sein. Erst dann wird´s nämlich echt interessant.

    Viel viel viel schädlicher für die geistliche und körperliche Entwicklung ist das frühe Aufstehen in Deutschland. Soviele Forschungen zeigen das und es wird in Deutschland massiv ignoriert. Vielleicht input für eine neue Kolumne Frau Mutter?

    Lieve groet, Martine

  • Reply Frau Mutter 19. Januar 2015 at 12:09 pm

    Hallo Martine,
    danke für Deinen Input. In der Tat sind wir in Deutschland besonders kritisch, was mit unserer „Bildungsnation“ passiert, wenn wir alle nur noch daddeln und wischen. Interessante Studie auch. Was das frühe Aufstehen betrifft: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, haha! LG Nina

  • Reply Frau Mutter 19. Januar 2015 at 12:14 pm

    Danke, Katharina, Deinen Beitrag habe ich auch gleich mal auf FB geteilt…

  • Reply SCHAU HIN!-Team 19. Januar 2015 at 2:20 pm

    Ein schöner Artikel zu einem wohl ewig aktuellem Thema.
    Wir – als medioenpädagogische Initiative – sind da ganz bei Ihnen: Ist ist absolut ok, wenn Kinder Medien nutzen, wenn sie darüber nicht die realle Welt vernachlässigen.
    Es hängt natürlich immer stark vom Alter ab.
    Gerade Teenager nutzen das Smartphone als Kommunikationsmittel, mit dem sie Kontakte aufrecht erhalten. Mit dem sie Sportgruppen und Hausaufgaben genau so abstimmen wie sie lustige Videos versenden.
    Wichtig ist jedoch, dass Eltern interessiert bleiben, sich selbst über neue Trends informieren und mit ihrem Kind sprechen.
    Verbote helfen dabei aber oftmals wenig – lieber verstehen statt verbieten.

  • Reply Sabine 19. Januar 2015 at 4:52 pm

    Ich empfinde es als meine Aufgabe, meinen Sohn (4) so gut wie möglich in das Leben in unserer Welt einzuführen. Ein normaler Umgang mit verschiedenen Medien gehört für mich da genauso dazu, wie das Toben im Freien, das Lesen und vieles andere mehr. Mein Kleiner hat schon mit knapp zwei das Tablet bedienen können und sich mit Vorliebe unsere Urlaubsfotos darauf angesehen und darf auch täglich ein oder zwei Folgen seiner Lieblingsserie oder mal was auf Youtube anschauen. Computer, Fernseher und Radio gehören zu unserem Leben und damit natürlich auch zu seinem. Es komplett zu verbieten, fände ich ähnlich weltfremd, wie Süßigkeiten zu verbieten. Die Menge macht das Gift 😉 Drum: Alles zu seiner Zeit und in verträglichen Dosen.

  • Reply Frau Mutter 19. Januar 2015 at 4:58 pm

    Hallo Sabine, ja der Vergleich mit den Süßigkeiten stimmt genau. Da kann man auch so schlecht aufhören….Gruß Nina

  • Reply Sven 21. Januar 2015 at 9:07 am

    Hallo NIna

    ein interessanter Artikel und Denkanstoß. Ich hatte mal an einer Blogparade zum Thema mit meinem Beitrag teilgenommen http://bit.ly/1tNnfiz – es ist sicher der Wandel der Zeit. An tragbare Bildschirme war in unserer Kindheit nicht zu denken – wir klebten aber dann doch bei Biene Maja oder Captain Future vor dem Fernseher. Früher war es der Rock’n Roll, dann die Schallplatte, die CD etc.
    Es kommt, wie überall, auf das gewisse und richtige Maß an – interessant finde ich dazu das Buch „Wie Kinder heute wachsen“ – http://bit.ly/wiekinderheutewachsen – ich bin froh, dass unsere Jungs es derzeit noch selbst merken, dass es auch ohne Bildschirm mal geht 😉

  • Reply Frau Mutter 21. Januar 2015 at 11:22 am

    Hallo Sven, danke für den Buchtipp. Werde ich mir gleich mal anschauen.
    Viele Grüße Nina

  • Reply bettyblue 23. Januar 2015 at 12:04 am

    Als unser Sohn zur Welt kam hatte ich eigentlich den Vorsatz die ersten zwei, drei Jahre sieht er keine bewegten Bilder. Irgendwie kam dann alles ganz anders. Am Ende durfte unser Sohn mit zwei auch an den Computer, Spiele von der Sendung mit der Maus waren immer sehr beliebt. Er liebt es TV zu schauen, spielt online Spiele und zum letzten Geburtstag gab es das erste PC Spiel. Wir haben es eigentlich immer auf eine Stunde am Tag begrenzt, ich stelle jedoch immer wieder fest das er Phasen hat in denen er diese ganzen Bildschirme komplett vergisst. Aktuell ist unsere einzige Konstante das KikaKino am Freitagabend. Er selber hatte letztes Wochenende sogar die Idee mal eine Woche auszusetzten, mit dem online spielen.
    Ich bin der Meinung es zu verbieten macht es nur interessanter, in seiner Welt ist es wichtig mit all diesen Dingen umgehen zu können, und ja es ist im Grunde wie mit Süßigkeiten. Eben alles in Maßen und jaaa ich war auch schon bequem und habe meinen Sohn im Wartezimmer oder im Auto mein Handy in die Hand gedrückt um das Warten zu versüßen.

  • Reply Frau Mutter 23. Januar 2015 at 8:57 am

    Hallo Bettyblue,
    wow, das ist toll, dass Dein Sohn von alleine ausschalten will. So muß es sein! Und das ist richtig, im Wartezimmer, Zug oder im Restaurant ist ein Handy manchmal sehr hilfreich. Gruß Nina

  • Reply Mama³ 23. Januar 2015 at 10:31 am

    Unsere Kinder dürfen fernsehen und an PC / Tablet, allerdings zeitlich begrenzt und je nach Alter. Beim ersten Kind waren wir da noch strikter, er begann mitk napp 3 überhaupt erst fernzusehen, bei den nachfolgenden Kindern ist das natürlich etwas anders, einfach weil sie größere Geschwister haben und man sie ja nicht gänzlich ausschließen kann 😉

    NAtürlich wollen die Kinder trotzdem meist mehr Zeit mit Tablet und TV verbringen, und je nach Situation wird das dann auch entschieden.

    Deinen Abschlusssatz finde ich sehr gut: Das echte Leben ist und bleibt das wichtigste und das versuchen wir so zu vermitteln und es mögllichst spannend zu gestalten 🙂

    Was bei uns immer interessanter wird ist auch die Sicherheit im Internet /am Handy – wie kann man Kidner vor nicht kindgerechten Inhalten und vor anderen „bösartigen“ Usern schützen? Schwieriges Thema,d ass schon sehr früh beginnt relevant zu werden.
    Habe dazu auch mal was auf meinem Blog veröffentlicht:
    http://mamahochdrei.de/2015/01/08/gedachtes-sicherheit-fuer-kinder-im-internet/

    Liebe Grüße
    Stephi

  • Reply Testtante Manu 23. Januar 2015 at 5:36 pm

    Hallo Nina,

    jaja, der liebe Medienkonsum. Da scheiden sich wirklich die Geister 🙂

    Bei uns ist das so geregelt, dass meine beiden Söhne (6 und 9 Jahre) abends zwischen 18 und 19 Uhr Kika schauen dürfen. Das hat sich vor 4 Jahren so eingebürgert. Sie durftn auch vorher schon zu der Zeit fern sehen, aber damals noch kürzer. Nachdem ich mich dann von meinem Mann getrennt habe habe ich die Zeit ausgedehnt, denn in dieser einen Stunde kann ich mich mal schnell duschen und das Abendessen kochen. Einige werden nun vielleicht sagen dass das viel zu lange ist, aber ich finde das ist in Ordnung so. Sie schauen auch nicht täglich. Vor allem im Sommer sind wir viel unterwegs und da gibt es schon einmal eine Woche in der die Jungs nur an ein oder 2 Tagen ihre Sendungen gucken dürfen.
    Mir ist jedoch besonders wichtig zu wissen was sie schauen. Ich möchte nicht dass sie sich irgendwelche Sendungen anschauen die nicht für Kinder geeignet sind. Da meine Kinder diese Regelung inzwischen verinnerlicht haben muss ich auch gar nicht mehr sagen dass sie ausschalten müssen. Sie wissen, dass der Fernseher nach dem Sandmännchen ausgeschalten wird und das Essen fertig auf dem Tisch steht. Das klappt bei uns sehr gut.
    Natürlich ist der Fernsehr nicht der einzige Bildschirm der magisch anzieht. Da wären noch das Smartphone von Mama, das Tablet, der Computer und ganz wichtig die Wii.
    Diese Medien dürfen sie nur hin und wieder nutzen und auch da will ich wissen was sie machen.
    Wie du schon sagtest gibt es immer Ausnahmeregelungen. So schauen meine meistens im Winter auch etwas mehr auf irgendwelche Bildschirme. Dafür aber im Sommer manchmal 3 Tage hintereinander gar nicht. Ich denke die gesunde Mischung macht es.
    Du hast deine eigene Kindheit erwähnt. Da finde ich immer besonders lustig, dass meine Kinder bei meinen Eltern viel mehr fern sehen als ich es je durfte und mir wird auch immer gesagt ich soll da nicht so streng sein. Wie sich die Ansichten doch ändern können 😉

    Viele Grüße
    Manu

  • Reply Frau Mutter 24. Januar 2015 at 9:28 am

    Hallo Manu, danke für Deinen Kommentar. In Deiner Situation finde ich es absolut verständlich, dass die Kinder auch mal mehr schauen dürfen. Man muß sich ja auch mal duschen und etwas essen…Gruß Nina

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