Erfahrungen

Eine schöne Mama: Das große Beauty Interview mit….Patricia!

8. Juni 2015

Patricia Camarata Frau Mutter Blog

Wir kommen in allen Formen und Farben, wir Mamas. Manche von uns lieben es klassisch und “Glam”, andere haben Tattoos. Wieder andere haben Rasta-Zöpfe oder lassen nur Wasser und Seife an sich heran. Was wir alle gemeinsam haben: Wir sind Mamas, aber auch noch Frauen. Je nach Geschmack und Persönlichkeit haben wir ganz unterschiedliche Beauty-Rituale.

In meiner Interviewreihe “Eine schöne Mama” spreche ich mit echten Frauen und Mamas über ihre Auffassung von Schönheit. Sie verraten uns ihre liebsten Produkte und auch, was sie für komplett sinnlos halten.

Heute darf ich Euch Patricia vorstellen, eine sehr erfolgreiche Bloggerin der ersten Stunde. Patricia treffe ich immer wieder auf unseren „Bloggerinnen-Klassenfahrten“ zum einen oder anderen Event. Patricia ist eine kluge, in sich ruhende Frau, die viel Unabhängigkeit ausstrahlt. Zunächst relativ zurückhaltend (für eine Bloggerin) findet man sich schnell mit ihr in interessanten und tiefer gehenden Gesprächen. Das gefällt mir. Humor hat sie natürlich auch, das kennt man ja von ihrem Blog Das Nuf. Ich mag außerdem ihren weiblichen Stil mit viel Farbe, Kleidern und Röcken. Viel Spaß bei ihren witzigen und weisen Ansichten!

Hat sich Dein Verständnis von Aussehen, Schönheit verändert, seit Du Mutter bist? Ist Styling, Fertigmachen weniger wichtig geworden oder sogar besonders wichtig?

Mein Verständnis von Schönheit hat sich auf jeden Fall geändert. Bevor ich selbst Mutter geworden bin, habe ich sehr viel Geld für Kleidung, Accessoires und Stylingkram ausgegeben. Ich wollte gerne perfekt sein. Leider war ich aber auch faul. Beim Schminken und Haare machen war ich also eher pragmatisch. Dafür hab ich mir viel Gedanken gemacht welche Ohrringe zu den Schuhen passten, wie die Tasche damit harmoniert und welches das perfekte Kleid war.

Dann bin ich zum Muttertier geworden. Mir war alles egal. Meine schönen Klamotten haben ohnehin nicht mehr gepasst. Ich hab nach der Geburt hauptsächlich meine Schwangerschaftsklamotten aufgetragen und war immer besudelt mit Babykotze. War mir aber schnuppe. Andere Dinge waren mir wichtiger. Schlaf z.B.

Jetzt sind alle Kinder aus dem Baby- und Kleinkindalter raus und ich hab plötzlich wieder Zeit für mich. Deswegen bummle ich wieder im Badezimmer ohne Ende. Ich verbringe Stunden damit, mich „natürlich“ zu schminken. Am Ende sieht das wahrscheinlich niemand, aber ich fühle mich irgendwie besser. (Gerade nochmal darüber nachgedacht. Wenn ich das Handy nicht mit ins Bad nehme, bin ich relativ schnell)


Wie sieht Dein tägliches Gesichtspflege-Ritual aus?

Ich hab eine seifenlose Seife (fasziniert mich sehr, dieses Produkt), die ich morgens und abends benutze und einen Make-Up-Entferner. Ich bin in der Hinsicht sehr faul. Man hört ja bei der Kosmetikerin immer, das sei sehr, sehr wichtig und ich hatte Phasen, da hab ich Unmengen Geld und Zeit in diesen Quatsch investiert, weil ich der festen Überzeugung war, es gäbe vielleicht doch irgendein Produkt, das zaubern kann. Gibt’s aber nicht. Also spare ich mir das alles.

Welche vier Produkte im Bereich der Gesichtspflege empfiehlst Du und warum? Was hilft wirklich? 

Seifenlose Seife, soll man nehmen, wenn man fettige Haut hat. Ich nehme die Hausmarke von Rossmann. (Ist tatsächlich besser geworden seitdem ich keine Seife mehr benutze)

Augencreme von Sebamed. Hat mal ne Bestnote bei Stiftung Warentest bekommen. Daran glaube ich jetzt ganz fest.

Augenmakeupentferner von Garnier. Ist billig und tut was er soll.
Äh ein 4. Produkt fällt mir gerade nicht ein.

Das hilft alles super. Die Wimperntusche geht runter und die Haut spannt nicht mehr, was sie gerne mal tut nach dem seifenlosen Seifen.

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Schminkst Du Dich? Und wenn ja: Was benutzt Du immer und würdest auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ich schminke mich eigentlich ganz gerne. Aber nicht immer. Ich hab immer das Gefühl, ich kann ohne Schminke unsichtbar sein. Das ist super. Dann beachtet mich niemand und ich muss nicht mal am Spielplatz mit anderen Menschen sprechen. Wenn ich ins Büro gehe oder Kundentermine habe, schminke ich mich. Das heißt auf jeden Fall Wimperntusche, aber auch Lippenstift mag ich ganz gerne. Wenn ich Zeit habe ein schneller Lidstrich und Rouge.

Ich hab mal Kind 1.0 gefragt, ob es mich mit oder ohne Schminke schöner findet. Es sagte: „Eigentlich siehst du genau gleich aus. Wenn du geschminkt bist, bist du nur bunter.“Das ist sehr weise.

Übrigens noch eine Sache über die ich neulich nachgedacht habe: Ich schminke mich oft nicht, aber es würde mir nicht leicht fallen, mich eine Woche ungeschminkt zu fotografieren und das ins Netz zu stellen. Ungeschminkt sein hat für mich was Intimes. Schminken hat so was maskenmäßiges. Wenn ich unter fremde Leute gehe, habe ich immer das Gefühl, ich muss mich schützen und dabei hilft diese Farbe, die ich mir ins Gesicht pinsle. Auf eine einsame Insel würde ich übrigens Sonnencreme mitnehmen.

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Welche vier Make-Up Produkte empfiehlst Du?

Im Bereich Make-up hab ich nichts, das ich unbedingt empfehlen möchte. Bei Nagellack wäre das anders. Da würde ich sofort „Essie-Lacke“ schreien. Und den Unter- und Überlack nicht vergessen, würde ich hinterher rufen. Die Pinsel sind einfach toll. Da kann man auch mit mittelmäßiger motorischer Begabung passable Ergebnisse hinbekommen. Hält außerdem hervorragend.

Die beste Mascara für Dich ist:

Ich bin auf der Suche nach der besten Mascara. Die kann man im Laden ja nicht ausprobieren und mein Geiz verbietet es mir, mehr als 5 Euro auszugeben, wenn ich nicht weiß, dass sie was taugt. Also kaufe ich die ganze Zeit günstige Mascara und ärgere mich dann, dass sie so doof ist, verschmiert und verklebt.

Welches Beauty-Produkt ist nach Deiner Meinung völlig sinnlos?

Anti-Cellulitecreme



Benutzt Du Parfum und wenn ja, wie findet man seinen Lieblingsduft?

Nein. Ich mag kein Parfum. Ich mag überhaupt nicht, dass alles riecht. Da wird man doch verrückt. Duschgel, Haarshampoo, Cremes… alles duftet nach irgendwas und dann noch Parfum? Mich machen diese parfumeingesprühten Menschen kirre. V.a. wenn ich vor 6 Uhr morgens Zug fahren muss. Da bekomme ich Kopfschmerzen von diesen olfaktorischen Bomben.

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Stichwort Haare:
Nimmst Du Dir Zeit, sie zu stylen oder eher nur waschen, trocknen und raus aus dem Haus? 

Letzteres. Aber das finde ich schade. Mein Leben träume ich davon, dass ich mir selbst schöne Hochsteck- und Flechtfrisuren machen kann. Schaffe ich motorisch aber nicht. Dann hatte ich ganz lange Hoffnung, ich könnte eines Tages einen Mann kennenlernen, der das übernimmt. Ich komme morgens aus dem Bad und er sagt: „Komm Patricia, ich mach dir heute einen Fischgrätzopf!“ Das wäre toll! Irgendwie hab ich den aber nicht gefunden. Jetzt hoffe ich, dass eines der Kinder bald seine Leidenschaft für Frisuren entdeckt.

Hast Du “Deine” Frisur gefunden oder bist Du noch auf der Suche?

Meine Frisur heißt lange Haare zum Dings aus dem Gesicht gezwirbelt. Manchmal frage ich mich, ob man das in meinem Alter noch machen kann oder ob man jetzt mal ne ordentliche Frisur braucht. Was seriöses.

Dein Lieblingsprodukt im Bereich Haare:

Bürste.

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Ist Dir Mode wichtiger oder ein ganz persönlicher Style?

Aus dem Modealter bin ich ja voll raus. Außerdem ist „Mode“ oft ziemlich albern. Manchmal denke ich, das steht vielleicht Frauen, die den Idealmaßen entsprechen. Aber dann sehe ich Schaufensterpuppen, die auch doof aussehen in der aktuellen Mode und dann denke ich, wahrscheinlich ist Mode v.a. für die Modedesigner gut, weil die daran verdienen, dass man sich einreden lässt, dass man diesen Sommer neonfarben trägt oder 7/8 Hosen oder sonstigen Quatsch.

Mein Style ist Jekyll und Hyde. Ich liebe Schlumpihosen und weite Shirts und genauso liebe ich bunte Kleider.

Dein Tipp, um im Alltag mit Kindern einfach chic auszusehen?

Mein Tipp wäre eher: es ist voll egal chic auszusehen. Chic aussehen bedeutet immer: ich kann nicht aufs Klettergerüst, ich kann nicht mitrennen, ich möchte mich nicht schmutzig machen.

Absätze oder flache Schuhe?

Beides. Je nachdem, ob ich Jekyll und Hyde bin.

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Wann fühlst Du Dich schön?

Das ist eine sehr witzige Sache. Solange ich nicht in einen Spiegel schaue, fühle ich mich schön. Also so richtig fies schön. So: Oh, ich fühle mich voll wohl. Alles passt. Wunderbar.

Wenn ich dann in einer Umkleide mit Spiegel stehe, denke ich: OMG OMG ich muss 10 kg abnehmen und 3 x die Woche Sport machen und diese Falten! Ich glaube, ich muss mal über Schönheits-OPs nachdenken. Wenn man das machen kann, warum eigentlich nicht?Also vermeide ich Spiegel und Umkleiden.

Ich schreibe das mal bewusst. Ist ja eigentlich ein Tabu, dass man darüber spricht, seltsame Komplexe zu haben. Würde ich vor meinen Kindern auch nie machen. Aber ich finde es wichtig, mir das bewusst zu machen. Die Frage ist nämlich: Wo kommen die her? Woher hab ich die Vorstellung, dass ich nur ganz dünn und jung schön sein kann? Wenn ich dann beim Frisör sitze und in Frauenmagazinen rumblättere, dann merke ich ganz schnell, woher ich das hab. Ähnlich geht es mir, wenn ich fernsehe. Also mache ich das alles nicht mehr und es geht mir viel besser damit.

Also wann fühle ich mich schön: Wenn ich mich gesund und glücklich fühle, wenn ich ausgeschlafen bin und wenn ich nicht in den Spiegel schaue, keine Frauenmagazine lese und das Frauenbild in den Mainstreammedien weitgehend ignoriere. Wenn ich auf instagram das 609060-Hashtag anschaue und all die tollen Frauen in ihrer Vielfalt sehe.

Was willst Du Deinen Kindern in Bezug auf Aussehen und Schönheit mit auf den Weg geben?

Das Aussehen so ziemlich das Letzte ist, um das man sich Gedanken machen sollte. Der Körper ist ein Werkzeug, fertig. Es gibt ein sehr schönes Lied von Regina Spektor dazu, in dem singt sie:

I got a perfect body
But sometimes I forget
I got a perfect body
 cause my eyelashes catch my sweat

Das ist so wahr. Der Körper ist ein Wunderwerk. Eine irre Maschine. Schönheit ist egal. Überhaupt, was ist das eigentlich? Ich empfehle dazu den Freisprecher-Beitrag mit Katrin Rönicke

Ich frage mich manchmal wie das wäre, wenn ich in meiner Pubertät ständig gedacht hätte: Mann, ich muss noch mehr lernen. Ich hab noch zu wenig Wissen! Ich hab noch gar nichts über Gebirge gelernt und kenne zu wenig afrikanische Hauptstädte. Ich weiß so wenig über Plasma und eigentlich sollte ich dringend noch was über Michel Foucault lesen.

Stattdessen hab ich gefühlte 40% meiner Gedanken verschwendet auf: Oh, ich muss abnehmen. Wie doof. Wie kann ich das schaffen? Oh, meine Haare sehen nicht perfekt aus. Ich glaube, ich muss sie färben.

Ich hätte als Mutter wirklich viel erreicht, wenn meine Kinder sich solche Gedanken nicht machen. Sondern sich fragen: Was tut mir gut? Was macht mir Spaß? Was will ich erreichen? Wie mache ich anderen eine Freude?

Liebe Patricia, ich danke Dir sehr für diese erhellenden Antworten!

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7 Kommentare

  • Reply Mama notes 8. Juni 2015 at 9:21 am

    Das Nuf ist eine weise tolle Frau. Und tatsächlich ist es so, dass sie meine Beauty Beraterin in Sachen Nagellack ist. Seit sie damals darüber bloggte, nehme ich Unter- und Überlack, und den farbigen Lack natürlich und es hält deutlich länger als ohne.
    Und der letzte Satz ist einfach sooo <3! Und ich wünsche mir das auch für meine Kinder.

  • Reply Vivi 8. Juni 2015 at 1:18 pm

    Wunderbare Antworten! Da ist sie einem direkt noch sympathischer als eh schon von ihrem Blog 😉

  • Reply Katarina 8. Juni 2015 at 2:46 pm

    Recht hat sie!

  • Reply Leseempfehlung vom 9. June 2015 | off the record 9. Juni 2015 at 4:02 pm

    […] Eine schöne Mama: Das große Beauty Interview mit….Patricia! Frau Mutter Blog […]

  • Reply Anderswo, eine Sammlung der letzten Wochen | Das Nuf Advanced 13. Juli 2015 at 7:44 pm

    […] Frau Mutter habe ich was zum Thema Schönheit erzählt. Ich mag die Serie „Eine schöne Mama: Das große Beauty Interview mit….!“ sehr […]

  • Reply Nickel 13. Juli 2015 at 9:20 pm

    Sehr schöne Antworten („Bürste“ :D) und sehr tolle Interviewreihe! Ich fühle mich wirklich angesprochen.
    Danke für das tolle Interview!

  • Reply Alice 15. Juli 2015 at 10:50 pm

    Gerade habe ich diese Doku (The Illusionists von Elena Rossini (siehe http://theillusionists.org)) gesehen. Er passt gut zu manchen Aspekten des Interviews und so möchte ich ihn hier gerne weiter empfehlen.

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