Gastbeiträge

Schluss mit besinnlich: Mama hat keinen Bock mehr auf Advent!

12. Dezember 2016
Advent

Advent, Advent, ein Lichtleich brennt. Erst ein, dann zwei, dann….hat Mama aber bald keine Lust mehr. Alles schön zu machen, Geschenke zu besorgen und für besinnliche Stimmung zu sorgen nebst 3450 Terminen ist manchmal ….nervig. Kolumnistin Sandy hat einfach keinen Bock mehr auf Advent. (Aber sie muss auch nur noch 12 Tage aushalten). Heute ein sehr lustiger und ehrlicher Beitrag zum Thema Vorweihnachtsstress. Viel Spaß!

In der Vorweihnachtszeit erreicht unser familiäres Chaos seinen Jahreszenit. Wäre ich nicht Muttertier und wie früher um diese Jahreszeit in den österreichischen Alpen unterwegs, ich würde mich auf 2000 Metern in der Sonne aalen, an Rudis Schirmbar Vodka Feige kippen und mir die Gaudi der letzten Talabfahrt geben. Mein alltäglicher Hüttenzauber sieht mittlerweile jedoch ganz anders aus.

Schon seit Ende August soll ich mich auf Advent einstimmen

Nicht genug, dass der Lebensmitteleinzelhandel schon seit Mitte August mit Gewürzspekulatius, Oblaten, Lebkuchen und Marzipanstollen genervt nervt, lag der erste Advent dieses Jahr auch schon im November. Gerade sind die letzten Kürbis- Schnittwunden an meinen Händen verheilt (vom Kürbisschnitzen) und der Sekundenkleber vom Daumennagel entfernt (vom Laternenbasteln), da soll schon der Weihnachtsschmuck her? Ich ärgere mich über die steigende Beschleunigung unseres Alltags und beschließe, mich frühestens ab dem ersten Dezember dem Weihnachtswahnsinn zu beugen.

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High-profile Deko für den Advent

Die Quittung kommt sogleich. Wenn man nämlich nach dem ersten Advent vier Kerzen für ein Adventsgesteck kaufen möchte, kann dies problematisch wie teuer werden. Zumindest, wenn man vier identische Kerzen haben möchte. So sind in der gesamten Innenstadt am zweiten Dezember maximal noch drei Kerzen des gleichen Herstellers, in einer Größe oder in derselben Farbe zu finden. Ich muss mich von meiner weihnachtserprobten Mutter belehren lassen: „Bei Adventskerzen musst Du wählerisch sein! Durch Fehlinvestitionen in Billigkerzen läufst Du Gefahr, dass nach einmaligem Anzünden der Docht verglüht und Wachs auf der Tischdecke klebt. Schlimmer noch: Sie brennen nicht gleichmäßig runter und der Kranz fängt Feuer!“

Ich folge ihrem Rat und entscheide mich für sündhaft teure Kerzen im Spezialgeschäft. Jetzt haben wir einen Adventskranz im Wert eines komplett geschmückten Weihnachtsbaumes UND einen Feuerlöscher in Reichweite, man weiß ja nie, mit Mann und Kindern im Haus…

Romantik pur: Adventskalender von der Stange

Leider sind mit den VIP-Kerzen auf Tannengrün noch lange nicht alle gegenwärtigen Probleme behoben. In diesen Tagen haben befreundete Mütter keine Zeit für einen Kaffeeklatsch, weil sie emsig Adventskalender für Mann und Kind(er) basteln oder „Himmlische Plätzchen“ Rezepte von „Meine Familie & ich“ backen. Während auch ich im letzten Jahr noch alles per Hand fertigte, kaufe ich diesmal Keksgroßpackungen für den bunten Teller bei IKEA und einen Milka-Adventskalender für meinen Mann.

Nicht besonders kreativ, zugegeben, aber mein Mann freut sich mittlerweile ja über die kleinen Dinge, also auch die lila-weiße Pappschachtel auf seinem Schreibtisch. Nicht, dass meine Erwartungen nach zehn Jahren Beziehung inkl. Kinder hoch gesteckt wären, aber als am Tag darauf eine identische lila-weiße Pappschachtel auf meinem Schreibtisch steht, bin ich doch etwas enttäuscht: Er schenkt mir tatsächlich den selben Milka-Adventskalender, wie ich ihm mit den Worten: „Freust Du Dich? Das ist halt der leckerste Kalender von allen!“

Die Mariah Carey Christmas-CD kommt nochmal wo her?

Als ich nun resigniert die Kiste mit Weihnachstdeko aus dem Keller krame und die darin befindliche Mariah Carey Christmas-CD auflege, frage ich mich folgendes: „Wo um Himmels Willen kommt diese CD her?“ und „Wo sind eigentlich die vergangenen zwölf Monate geblieben?“ Die Zeit rennt und wird immer kostbarer, besonders mit Kind. Da ärgert es mich umso mehr, dass nach 30 Minuten Montage im Sprühregen unsere Außen-Lichterkette nicht funktioniert. Mariah schmettert unerschütterlich „Santa Claus Is Comin` To Town“ (Song Nummer acht), während ich zwischen Kunstschnee und Kindern im Lametta-Chaos mein Handy suche.

Der Mann wird in den Baumarkt geschickt und das Schoko-Monster schlägt zu

Dann delegiere ich meinen verdutzen Mann: „Du musst sofort Feierabend machen und einen Elektrofachhandel aufsuchen. Eine von den 120 in Reihe geschalteten Glühbirnen ist kaputt!“ Er tut sein bestes, aber wir haben die riesige Auswahl an Ersatzglühlämpchen unterschätzt. Am Abend bleibt unser Balkon dunkel und mein Mann berichtet ausführlich von seinen Leidensgenossen, den verzweifelten Tausenden von Männern, die gegenwärtig nach Ersatzglühlampen für „billigproduzierte Schrott-Lichterketten aus China“ suchen.

Ich frage mich geistesabwesend, ob der Vorweihnachtsstress das zusätzliche Streitpotential zwischen Eltern wirklich wert ist. Plötzlich, es läuft gerade „O Holy Night!“ (Song Nummer sechs), fällt mein Blick auf den Lila-Kuh-Adventskalender. Ich schließe mich ins Klo ein und vernasche hemmungslos und zum ersten Mal in meinem Leben alle 24 Schokotäfelchen auf einmal. „Joy to the World!“

Text: Sandy Bossier-Steuerwald

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1 Kommentar

  • Reply Felicitas 15. Dezember 2016 at 7:03 pm

    Ich mach meinen Kinder jeden Tag etwas neues in ihren Adventskalender. Aber solangsam schlaucht mich das auch und es ist mir zu blöd aber was tut man nicht alles für seine Kinder

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