Gastbeiträge

Kinderlosigkeit: Ohne Kinder und trotzdem glücklich, geht das?!

4. Februar 2016

Kinderlosigkeit. Für viele Frauen ein trauriges Schicksal, aber was ist, wenn das so gewollt ist? Tatsächlich kann man als Frau kinderlos sein UND glücklich. Die indiskreten Fragen aber, egal ob von Fremden oder den nächsten Verwandten gestellt, das nervt. Heute schreibt sich meine Kolumnistin mal den Ärger von der Seele.

„Und wird es nicht langsam Zeit, mit dem Kinderkriegen anzufangen?“, werde ich als bald 38-Jährige immer öfter gefragt. „Oder wollen Sie etwa nicht?“

In solchen Momenten fühle ich mich wie der Verdächtige beim Kreuzverhör im Sonntagabendkrimi, dem der Kommissar den Lichtkegel direkt ins Gesicht hält. Was soll ich also machen, außer mich schuldig zu bekennen? Nein, ich habe keinen Kinderwunsch. Auch mit fast 38 nicht. Und es kommt noch schlimmer: Ich habe nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei. Meine Kinderlosigkeit ist kein Drama für mich.

Vielmehr frage ich mich, warum ich mich dafür eigentlich rechtfertigen soll. Und das muss ich nun schon seit dem „kritischen Alter“ von Ende 20. Keine Kinder, das heißt zum Beispiel in meiner Familie: Du bist egoistisch. Du willst lieber deine eigenen Ziele verfolgen oder ähnlich Verdammenswertes, aber du willst NICHT dein Leben für die Aufzucht und Pflege des Nachwuchses – ja, der kommenden Generationen! – widmen. Eine Unverschämtheit!

Gewollte Kinderlosigkeit oder:  Meine egoistisch ungenutzte Gebärmutter

Ich habe dann irgendwann das Gerücht gestreut, ich sei lesbisch, seitdem ist es ruhiger um meine ungenutzte Gebärmutter geworden. Denn die sexuelle Phantasie meiner Verwandtschaft geht offensichtlich nicht so weit, nach einem männlichen Samenspender oder der Samenbank zu fragen. Den Samen empfängt man nämlich damals wie heute direkt vom Mann im ehelichen Bett, und wenn man schon fast 38 ist, dann gefälligst nach Terminkalender, denn die fruchtbaren Tage müssen schließlich genutzt werden!
Keinen Kinderwunsch zu haben – das kommt der Verweigerung einer sozialen Pflicht gleich. Das steht in der Liste der gesellschaftlichen Todsünden noch vor Steuerhinterziehung, aber immerhin doch hinter Mord. Da habe ich ja noch mal Glück gehabt …

Wenn nicht vorwurfsvolle Kommentare, ernte ich mitleidige Blicke: O weh! Wird sie es denn noch schaffen, einen Mann zu finden, der ihrer vernachlässigten Gebärmutter Frieden schenkt, bevor sie ihren Dienst einstellt? Na, wir drücken dir die Daumen!

Darauf folgt auch gern ein aufmunternder Seufzer, frei nach dem Motto: Es gibt Wunder, es wird auch dich noch treffen! Sei nur guten Mutes – und streng dich gefälligst ein bisschen mehr an!
Keiner fragt mich, ob eine monogame Paarbeziehung mit Kind überhaupt mein Lebensentwurf ist. Denn wenn ich anders lebe, dann doch nur, weil alles andere nicht geklappt hat, oder? Findet Frau keinen Mann und schafft sie es nicht, die Gebärmutter in ihrer gottgegebenen Form zu nutzen, bevor es zu spät ist, dann kann sie sich ja gerne einreden, dass polygame Formen des Zusammenlebens für sie besser geeignet sind. (Und du lieber Gott, dann ist es ja auch wirklich besser, wenn da kein Kind dabei ist. Was soll es denn schon lernen, wenn es eine Mama und zwei Papas hat … dass man mehr als einen Menschen gleichzeitig lieben kann? Das konnte maximal Jesus!)

Kinderlos sein oder nicht : Ist das die wichtigste Frage im Leben einer Frau?

Im Marketing nennt man das, was mit Frauen gemacht wird, die auf die 40 zugehen, „das Prinzip der Verknappung“. Je weniger Zeit man hat, um das Angebot zu ergattern, und je weniger der tollen Produkte vorhanden sind, umso mehr will man es unbedingt haben. Frauen Ende 30 wird deshalb permanent suggeriert: JETZT ODER NIE! Du wirst es IMMER und EWIGLICH bereuen, wenn du JETZT nicht noch SCHNELL die Gelegenheit nutzt! Tue es, solange deine Gebärmutter noch frisch und munter ist! JETZT!

Aber mal ehrlich: Kinderlosigkeit oder Elternschaft – das kann doch nicht die EINZIGE Frage im Leben einer Frau sein. Und doch ist es oft das Einzige, wonach man mit Ende 30 gefragt wird. Dabei gibt es so viel anderes zu tun, zu erleben, zu verwirklichen.

Wenn ich irgendwann nicht mehr Mutter werden kann, was soll’s? Vieles kann ich auch jetzt schon nicht mehr werden. Balletttänzerin zum Beispiel. Davon trennen mich nicht nur gefühlte 40 kg Körpergewicht, sondern auch 20 Jahre Training. Oder Opernsängerin. Das wird mangels Musikalität auch nichts mehr. Und bei meiner bald beginnenden Demenz würde selbst ein spätes Medizinstudium schwierig werden. Na und?
Die Frage ist doch nicht, was ich nicht mehr tun kann, sondern was ich noch tun will. Und wie ich erreiche, dass es Realität wird.

Manchmal denke ich, wir Frauen könnten wirklich die Welt verändern, wenn wir unsere Energie nicht mehr in das stecken, was Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für uns als Lebensziel definieren, sondern in das, was uns wirklich am Herzen liegt. Vielleicht ist es das Kinderkriegen! Vielleicht ist es aber auch die Umwelt. Veganismus. Bessere Orgasmen. Was auch immer.

Und ich mag Kinder. Wirklich. Aber ich fühle mich einfach nicht zur Mutter berufen. Ich gestehe es, Herr Hauptkommissar! Meine Gebärmutter bleibt ein leerer Raum, aber mein Kopf ist voller neuer Ideen. Darf ich jetzt einfach eine glückliche, kinderlose Frau Ende 30 sein? Oder muss ich mich noch ein bisschen rechtfertigen?

kinderlosigkeit und glücklich

 

Frau Vanderwitz  aka Saskia schreibt hier auf dem Blog aus der Perspektive einer kinderlosen Frau. Als Katzenmama und begeisterte Tante nimmt sie die Welt der Familien witzig-ironisch unter die Lupe. Saskia schrieb bereits für mehrere Kabarettgruppen, ist poetry slammerin und Autorin. Mit Frau Mutter verbindet sie eine glorreiche studentische Vergangenheit im Fachbereich “irgendwas mit Medien”.

Titelbild: Verena Berk/Pixelio

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12 Kommentare

  • Reply helen 5. Februar 2016 at 8:13 pm

    Also wenn du auf dem Foto schon Ende 30 bist dann hält wohl doch das NICHT-Kinderkriegen jung 😉

  • Reply Julia 6. Februar 2016 at 10:43 am

    Für die eine Frau ist es eben das A und O sich fortzupflanzen und für die andere Frau sind andere Dinge eben wichtiger.

    Eine gute Freundin von mir zieht ebenfalls die letzte Möglichkeit vor. Sie musste sich aus dem Familien- und Freundeskreis auch so einiges anhören. Ich sage mir immer: Jedem das Seine!

    Ich selbst möchte gerne Mutter sein, doch leider hat es bis jetzt noch nicht geklappt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Reply Sonja 10. Februar 2016 at 8:23 pm

    Sehr interessanter Artikel! Ich persönlich möchte später einmal auf jeden Fall Mutter werden, deswegen fand ich es sehr interessant die Meinung einer Frau zu hören (oder besser gesagt zu lesen), die lieber kinderlos bleiben möchte. Ich respektiere deine Entscheidung voll und ganz und ich hoffe, dass sich mit der Zeit deine Familie und Verwandten ebenfalls mit deinem Entschluss “anfreunden” können 🙂

    Liebe Grüße

  • Reply Kinderlosigkeit: Ohne Kinder und trotzdem glücklich, geht das?! | Nachrichten aktuelle 17. Februar 2016 at 4:53 pm

    […] Beitrag erschien ursprünglich auf dem Blog Frau Mutter. Auch auf […]

    • Reply Sofie Rebholz 19. Februar 2016 at 11:35 am

      zu allen, wirklich zu allen Zeiten gab es Frauen, die keine Kinder bekamen oder keine wollten – was soll also dieser Artikel über eine ganz selbstverständliche Sache?
      Ich denke mir: der Unterschied zu früheren Frauen-Generationen ist der, dass Frau Vanderwitz ihre Kinderlosigkeit unbedingt in die Welt hinausposaunen will, obwohl das ja wirklich nichts Interessantes, geschweige denn etwas Wichtiges ist, was sie da zu sagen hat. Ich nehme ihr im übrigen nicht ab, dass sie dauernd auf ihre Kinderlosigkeit angesprochen wird, schon gar nicht auf die von ihr dargestellte Weise. Es stellt sich die Frage, ob dieser Artikel etwa jene “andere wichtige Tätigkeit” für sie als Frau sein soll, die sie statt Kindern-bekommen so herbeischreibt?

      • Reply Ina 15. Juli 2016 at 9:32 pm

        Ich finde schon, dass es wichtig ist, dass jemand so was sagt. Mir ist es auch wichtig, so was zu lesen oder sagen zu dürfen. Ich gebe dir damit Recht, dass es immer Frauen gab, die keine Kinder bekommen haben und es eine selbstverständliche Sache ist, auch diese Entscheidung selbst treffen zu dürfen. Aber ich bin auch eine von den Frauen, die sich so einiges anhören muss. Und das sind definitiv keine schönen Dinge. Gerade mit Anfang 30 wo die biologische Uhr schon längst tickt und alle meinen, dass es Zeit wird. Vor allem meinen alle, über mich und meinen Körper entscheiden zu dürfen und mir nachsagen, ich wäre als Frau nichts Wert ohne Kinder oder sogar, dass ich egoistisch wäre und nichts für die Gesellschaft oder die Zukunft anderer mache. So was kann belastend sein. Also, ich glaube nicht, dass sie einfach nur so, so was schreibt.

  • Reply Eine ganz normale Frage und du stehst voll im Fettnapf – Jutta Marx, Freising 21. Februar 2016 at 2:17 pm

    […] Vor kurzem wurde ich auf einen Artikel aufmerksam, den eine Frau geschrieben hat, die sich auch über diese Fragerei ärgert. Saskia sieht sich nicht in der Mutterrolle und ich fand es sehr interessant, zu erfahren, dass auch für sie diese Fragen und das ständige rechtfertigen ein Ärgernis sind. Hier geht es zum Artikel: http://frau-mutter.com/2016/02/04/kinderlosigkeit/ […]

  • Reply Linktipps #2 – Meine Blogfunde im Februar 2016 | Mama geht online 29. Februar 2016 at 9:24 am

    […] Leben ohne Kinder. Ja, das geht. Und sehr gut sogar, wie die Gastschreiberin auf dem Blog von Frau Mutter eindrucksvoll schildert. Diese Lebensart kann ich verstehen, für mich […]

  • Reply 10 Bloggerinnen, 10 Meinungen: Leben Kinderlose und Eltern in 2 Welten? | Mamablog 9. Mai 2016 at 7:35 am

    […] die Frage gestellt bekommen, wieso weshalb warum und ob sie nicht doch noch Mama werden möchte. Hier der ganze […]

  • Reply Markus 14. Februar 2017 at 4:43 pm

    Natürlich sind Kinder mehr als ein Wunder und Geschenk, trotzdem kann man auch auf andere Art und Weise Kinder bekommen sowie z.B.: Künstlicher befruchtung, Adoption oder einer Leihmutter. Wenn es auf diesen Wegen nicht klappt muss man sich damit abfinden und seine Beziehung bzw. Ehe aufrecht erhalten.

  • Reply Eine ganz normale Frage und du stehst voll im Fettnapf ~ Herzensthema Kinderwunsch 18. Januar 2018 at 5:39 pm

    […] Vor kurzem wurde ich auf einen Artikel aufmerksam, den eine Frau geschrieben hat, die sich auch über diese Fragerei ärgert. Saskia sieht sich nicht in der Mutterrolle und ich fand es sehr interessant, zu erfahren, dass auch für sie diese Fragen und das ständige rechtfertigen ein Ärgernis sind. Hier geht es zum Artikel: http://frau-mutter.com/2016/02/04/kinderlosigkeit/ […]

  • Reply Annabelle 24. April 2018 at 1:47 pm

    Wenn das Umfeld so nervt mit dem Thema, wundert es mich nicht, wenn die betroffenen Frauen einfach nur genervt sind. Wenn es kein anderes Thema gibt, wenn sich niemand für etwas Anderes an einem interessiert als für die Fähigkeit, eine Gebärmuttermaschine zu sein, dann sollte man aber zuerst das Umfeld wechseln. Denn in so einem Umfeld kann kein unabhängiger, kein selbständiger Kinderwunsch entstehen. Zugang zu diesem Teil von sich zu finden braucht Zeit, Reife und Ruhe. Es gibt auch Frauen, die sich trotz Zeit, Reife und Ruhe kein Kind wünschen, das ist gut so. Wieder andere wollen nie etwas anderes, und dann gibt es Frauen, die eben durchs Leben gehen mussten, um festzustellen, dass für sie persönlich nichts anderes Sinn macht, welches Glück es bedeutet, Leben schenken zu können. Und das kein berufliches Engagement, kein Erfolg, keine Aufgabe so viel Wert hat wie dieses. Das muss man spüren und zulassen. Das wird aber nur sehr wenig gewürdigt, denn in den letzten Jahrzehnten haben Frauen und Gesellschaft vor allem dafür gekämpft, keine Kinder bekommen zu müssen. Der Druck, aus traditionellen Rollen herauszutreten, der Druck, dass Arbeit glücklich macht, dass Frau nicht ohne sein darf oder sollte, auch dass die Männer eine neue männliche Identität finden müssen, all das hat den Blick fokussiert auf das Nicht-Kinder-Kriegen. Emanzipationsfalle trifft es ganz gut, ja und Armutsrisiko Kind ist auch nicht toll. Freiheit ist toll, Selbstentfaltung super spannend. Bis man merkt, wofür und wem das dient. Sich selbst? Das ist mir persönlich viel zu wenig. Das brauche ich nicht – wenn ich es je brauchte, dann nicht mehr. Ich bedaure sehr, dass in diesem Land älteren im Sinne von gereiften Frauen und alleinstehenden Frauen nicht mehr geholfen wird, ein Kind zu bekommen. Das gilt umso mehr, als dass ganz unabhängig von der persönlichen Entwicklung und Selbstfindung auch der berufliche Weg viel Zeit und für Frauen sehr kostbare Zeit kostet. Ganz besonders dann, wenn die Ausbildungswege lang sind und es braucht, bis man sich in stabile Beschäftigungsverhältnisse gekämpft, vielleicht sogar noch das Glück hat, einen Vorgesetzten zu haben, der das mitträgt anstatt einen schwanger rauszumobben. Erst wenn die eine oder andere Frau durch all das durch ist, können diese Frauen die Frage nach Kindern wirklich unabhängig von allen Einflüssen und Normen beantworten. Weil sie sich auch zu sich selbst durchgekämpft haben. Hoffentlich ist dann auch ein Mann da, der bereit ist, Vater zu werden und bereit ist zu der Beziehung zu stehen., ein Mann, mit dem es einer Frau auch als Mensch gut geht. Es ist ein Jammer, wenn dann wieder andere Normen, Wertvorstellungen und Gesetze greifen, um zu verhindern, dass ein Leben zu geben keine Perspektive mehr sein darf. Wenn wir wirklich tolerant sein wollen, dann bitte auch an jener Stelle: erst dann sind Frauen wirklich frei! Erst dann sind Frauen wirklich selbstbestimmt! Und für das Kind? Was bedeutet das für das Kind? Dass es von einer Frau umsorgt wird, die weiß, warum sie genau da ist, wo sie ist. Die sich frei geschaufelt hat, die lieben kann um der Liebe willen, nicht weil es irgendjemand von ihr verlangt oder nicht verlangt. Kindern kann nichts Besseres passieren als das, nicht weil jüngere Mütter schlechtere Mütter wären, das ist nicht meine Debatte, sondern dass es nur darum geht, einem Kind -gut geht, wenn es aus tiefster Seele geliebt wird und das erleben darf. Dann ist das Alter und die Vorgeschichte einer Frau vollkommen egal. Ich wünsche mir, dass diese Wege, Entwicklungen und Entscheidungen mitten unter uns ihren Platz haben dürfen. Genauso wie so viele andere menschliche wichtige Bedürfnisse.

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