Gastbeiträge

Haustiere für Kinder: dann eben ein Fisch!

18. Februar 2016

Haustiere und die lieben Kleinen? Bei uns gibt es da ja regelmässig Diskussionen. Die Kinder wünschen sich täglich neue tierische Freunde und ich will eigentlich nicht. Ich habe ja sogar schon eine sehr hartnäckige Goldfisch-Allergie entwickelt. Diesem „Problem“ habe ich auch ein ganzes Kapitel in meinem Buch gewidmet. Gastautorin Sandy erzählt heute, wie die „Hund-Katze-Goldhamster-Diskussion“ in ihrer Familie so abläuft und warum es am Ende Fische geworden sind. Viel Spaß!

Bis vor kurzem war ich der Meinung, Menschen mit Aquarium seien entweder Spießer oder Senioren. Heute weiß ich, Fische als Haustiere sind ein Kompromiss. Der kleinste gemeinsame Nenner. Aber von vorne…

Als Anfang des Jahres eine Mutter mit Hundewelpen auf dem Arm in unsere Kita kam, fragte ich: „Wie süß, wem gehört er denn?“ Davon ausgehend, dass er unserer Erzieherin (kinderlos) gehören musste. Stattdessen hatte sich die dreifache Mutter einen weiteren Mitbewohner ins Haus geholt (freiwillig).

Ein Haustier? Ich habe doch schon genug zu tun!

Ich (selbst Mutter von Dreien) kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen, habe ich doch bereits alle Hände voll zu tun: Ich putze vier Personen zweimal täglich die Zähne, schneide 40 Finger- und 40 Fußnägel pro Woche. Ich verbringe 10 Stunden beim Kinderarzt im Monat (wenn’s gut läuft) und richte drei Kindergeburtstage im Jahr aus (Mottoparties versteht sich). Ich wasche knapp eine Million Haare pro Woche, das führt zu weit. Der Punkt ist jedoch: Wieso sollte ich mir noch einen Hund anschaffen, der Auslauf braucht (gleichzeitig auf Kinderspielplätzen verboten ist), 500 Haare am Tag verliert und regelmäßig Impftermine hat (Tierärzte verdienen gut)?

Ich sehne dem Tag entgegen, wenn die Jüngste endlich windelfrei ist, mein Nervengerüst hält kein Welpenpipi auf Dielenböden aus. Natürlich kämpfte ich mit dieser Haltung innerfamiliär gegen Windmühlen. Bitte Mama, wenigstens ein Meerschwein (sonst waren die Kinder nie einer Meinung)! Ein Hase könnte draußen seinen Stall haben (mein Mann fiel mir in den Rücken)! Schließlich ließ ich mich in der Vorweihnachtszeit breit schlagen (unvorhergesehene Nostalgie). Als Kind hatte ich mir vergeblich ein Haustier gewünscht (Tierhaarallergie meiner Mutter, fadenscheinig). Also einigten wir uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner (Fische).

Haustiere für Kinder

Haustiere für Kinder: Fische, der kleinste gemeinsame Nenner

Zwei Adventssamstage verbrachten wir zu Fünft im Baumarkt, Abteilung Aquaristik. Seit wir nun also das Aquarium haben, verändert sich die Zahl unserer Familienmitglieder täglich. Zunächst hatten wir zwei Guppys, drei Platys, zwei rote Zwergfadenfische und fünf Neonsammler. Jetzt erwartet uns jeden Morgen um 6.30 Uhr eine neue Überraschung, wenn die LED Aquarium Beleuchtung anspringt (Zeitschaltuhr, spießig?).

Vergangenen Dienstag  stellte unser Sechsjähriger schluchzend fest: „Ein Neonsammler ist verschwunden!“ Ich, hauptverantwortlich für die Fische seit Jahresbeginn, weil mein Mann drei Tage und Nächte pro Woche pendelt, konnte nicht tatenlos bleiben. Ich entdeckte den Neonsammler in der Wasserpumpe. Sein rot strahlender Bauch, schimmerte noch matt durch das Plastikbehältnis. Nachdem ich unsere aufgelösten Kinder ins Bett gebracht hatte (nur nichts anmerken lassen), schrie ich meinen Mann am Telefon an (hysterisch): „ICH DACHTE ES SEI EIN SCHERZ, DASS EIN FISCH IN DIE PUMPE GELANGEN KÖNNE?!“ ( ich erinnere mich dunkel an den Film „Findet Nemo“) Ich hatte keine Wahl. Wollte ich vermeiden, dass der eingesogene Neonsammler uns anstarrte, bis mein Mann wieder kam, musste ich handeln. Ich baute die Pumpe aus und trug sie zum Klo. Bereit, den Neonsammler runter zu spülen, zappelte dieser plötzlich. Zurück im Aquarium schwamm er noch 18 Stunden mit dem Bauch nach unten.

Haustiere oder: Die kannibalistische Welt der Aquaristik

Mein Mann sagt, er habe mich noch nie so hysterisch, wie an jenem Abend erlebt. Ich sage, die Bedingung, das Aquarium anzuschaffen war, dass ich mit den Fischen nichts zu tun habe. Mein Mann erwidert: Schreib einen Text, um die kannibalistische Welt der Aquaristik zu verarbeiten. Unsere Platys hatten Nachwuchs (plus 15, süß), dann fraßen sie über Nacht ihre Babys (minus acht, grausam). Eins kann ich sagen, eine BBC Dokumentation über die russische Taiga ist ein Streichelzoo gegen das, was sich in unserem Aquarium abspielt.

Dennoch lautet mein Fazit in puncto Haustiere: Kauft Fische! Auch sie werden Zeit und Geld kosten, haben aber kein Fell zu pflegen oder Krallen zu schneiden. Fische sind ein Kompromiss. Der kleinste gemeinsame Nenner -zumindest in meiner Familie.

Text und Fotos: Sandy Bossier-Steuerwald

Das könnte auch interessant sein…

1 Kommentar

  • Reply 7 geheime Superkräfte, die jeder Familienhund hat - aber kaum einer kennt - Heimspiel Bonn 22. Februar 2016 at 7:59 pm

    […] Blogpost ist eine Replik auf den Gastbeitrag „Dann eben ein Fisch!“ bei Frau Mutter. Ich glaube nämlich nicht nur, das die Autorin den zusätzlichen Arbeitsaufwand überschätzt […]

  • Kommentieren