Gastbeiträge

Das Kind in mir will nie erwachsen werden

31. Mai 2016

Das Kind in uns versteckt sich manchmal. Als Erwachsene muss man ja ständig seriös und ernstzunehmend sein. Albernheiten sind uns fast nicht mehr erlaubt. Schrecklich, oder? Meine Gastautorin Frau Vanderwitz beschreibt heute, wie regelmässig das Kind in ihr erweckt wird, wenn sie mit ihrer kleinen Nichte zusammen ist. Ich nehme mir das auf jeden Fall zum Vorbild!

Kennt Ihr das? Du siehst auf der Straße einen Hund und dann wandert Dein Blick die Leine entlang nach oben – sieht der Mensch genauso aus wie der Hund! Der aufgepudelte Pudel zur Omi mit der 50er-Jahre-Tolle und dem lila Farbstich? Der untersetzte, grimmig schauende Boxer mit dem Typen in Turnschuhen, Jogginghose und bauschiger Jacke, die den Brustkorb größer darstellen soll, als er ist? Und der ältere Herr mit dem grau-schwarzen Schnauzbart, der einen Riesenschnauzer mit sich führt, und der hat dann gleich auch dieselbe Farbe wie der Bart von Herrchen?

Wenn man das so beobachtet, muss man sich doch fragen, warum eigentlich Eltern ihren Kindern nicht ähnlicher werden. Dieser Anpassungsprozess müsste doch eigentlich nicht nur bei Haustieren funktionieren? Tut er aber nicht. Bis auf wenige Muttis, die sich mit Mitte/Ende 40 die Kinderleggings aus dem KiK kaufen und die Haare zu zwei Zöpfen flechten, in die sie Schmetterlingsclips stecken – aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel.

Kind sein ist toll oder: „Für mich den Biene-Maja-Teller!“

Da die Eltern sich schon nicht äußerlich ihren Kindern anpassen, warum dann nicht wenigstens in ihrem Verhalten? Bei mir ist das jedenfalls so. Wenn ich nämlich mit meiner Nichte unterwegs bin, werde ich jedes Mal zum größten Kindergartenkind, das der Spielplatz je gesehen hat. Ich bin so begeistert mit dabei, dass ich beispielsweise völlig ausblende, dass mein Hintern nicht mehr in die Rutsche passt. Das merke ich erst dann, wenn die anderen 3-Jährigen versuchen, mich daraus zu befreien (was ungefähr so aussieht, als würden Koala-Bären versuchen, einen Elefanten wegzuschieben).

Zum Glück konnte ich mich bisher aus solchen Situationen mit Hilfe der anwesenden Eltern anderer Kinder befreien. Peinlich, wenn die Feuerwehr mich hätte herausschweißen müssen. Obwohl die 3-Jährigen das sicher spannend gefunden hätten …
Ich vergesse beim Spielen mit meiner Nichte regelmäßig, dass ich der erwachsene anwesende Part bin. Wenn sie mich mal wieder beim Memory besiegt (kein Wunder bei meinem beginnenden Alzheimer), renne ich zu ihrer Oma (meiner Mama) und flenne erst mal fürchterlich: „Die mogelt!!!“ RIESENSCHLUCHZ!!!

„Du musst lernen, auch mal zu verlieren“, sagt ihre Oma (meine Mama) dann ganz pädagogisch. Meine Nichte, die dann lauschend im Flur steht, kichert dann gerne laut.

Mein kindliches Verhalten bringt mir aber auch Vorteile. In der Eisdiele bekomme ich jetzt immer den Teller mit der Biene Maja. Das sind zwei Bällchen Eis mit Smarties und Soßen. Erst war der Eisdielenbesitzer der Ansicht, dass Erwachsene sich einen anständigen Eisbecher, wie Bananensplit, bestellen sollten. Aber nach einer halben Stunde Beobachtung seiner Gäste schob er meiner Nichte das große Bananensplit zu und mir – kopfschüttelnd – die Biene Maja. Für ihn lohnt sich das Geschäft natürlich auch. Denn die kleine Portion reicht mir ja nicht. Ich esse also immer zwei.

Meine Tendenz, mich in Anwesenheit von Kindern ebenso zu verhalten, geht aber manchmal auch wirklich zu weit. Das gebe ich zu. Als ich letztens versucht habe, auf dem Bobby Car meiner Nichte durch den Feierabendverkehr zu kommen, wurde ich von der Polizei aus dem Verkehr gezogen. MENNO!

Frau vanderwitz mit Katze

Saskia aka Frau Vanderwitz schreibt hier auf dem Blog aus der Perspektive einer kinderlosen Frau. Als Katzenmama und begeisterte Tante nimmt sie die Welt der Familien witzig-ironisch unter die Lupe. Saskia schrieb bereits für mehrere Kabarettgruppen, ist poetry slammerin und Autorin. Mit Frau Mutter verbindet sie eine glorreiche studentische Vergangenheit im Fachbereich “irgendwas mit Medien”.

 

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