Gastbeiträge

Anziehen: Warum Väter sich und ihre Kinder ankleiden können. Also doch!

24. Februar 2016

Kinder anziehen. Wir Mütter meinen ja manchmal ganz gerne, wir wüssten am besten, wie man die Kinder kleidet. Nicht nur was Farbe, Form und Stil angeht, sondern natürlich auch wann eine Mütze aufgesetzt werden muss und wann nicht. Ich hatte mich dazu schon mal ausgelassen und nun bekomme ich von Kolumnist Johnny eine Antwort darauf. Na, herzlichen Dank auch….

Wer Bart trägt, kann auch Kinder anziehen

Der wahre Titel dieser Kolumne sollte ja eigentlich lauten: Warum Väter ihre Kinder eben doch vernünftig anziehen können, sich manchmal eben nur dagegen entscheiden, weil sie keine Lust haben, mit Terroristen zu verhandeln und weil das Mütter manchmal nämlich ganz genauso machen.

Samstag. Tag 6 der Papa-Woche. Morgens. Wie glamourös es wohl sein muss, wenn man es wenigstens einmal in der Woche schlafend bis zum Weckerklingeln schafft. Statt dessen werde ich an diesem Morgen unter hysterischen Gelächter erst aus meiner Decke und dann aus dem warmen Bett geworfen. Schnell noch die Mama des Hauses verabschiedet und dann begebe ich mich auf die Suche nach einer passenden Hose für mich. Heute ist es draußen besonders windig, stelle ich ernüchtert fest. Würde es doch wenigstens nicht regnen. Berliner nennen diese dunkle, nasse Zeit, in der man am liebsten das Haus nicht mehr verlässt übrigens gerne „Winter“. So richtig Winter wird es in der Großstadt aber eigentlich nur selten. Sprühregen ist der Schnee der Großstadt, Pfützenspringen das neue Schneeballwerfen.

anziehen kind klein

Meine Tochter nimmt nur ein kurzes Frühstück und bevor ich überhaupt die Chance zum Nippen bekomme, ist mein Kaffee auch schon wieder kalt. Sehr bald schon lässt sie nämlich die drei magischen Worte erklingen:“Papa, raus, Wagen!“ Das muss er wohl sein, der Dreiklang einer fast Zweijährigen an einem regnerischen Samstagmorgen. Für mich ist es das Signal: Wer Bart trägt, kann auch das Kind anziehen! Draußen ist es kalt. Kälte ist etwas, dass meine Tochter unter gar keinen Umständen verzeiht. Mit Regen kann sie mittlerweile umgehen, aber Kälte macht ihr ohne große Umwege sofort schlechte Laune. Und dann ist wirklich alles, alles doof. Papa doof, Puppe doof, Mütze doof, Schal doof, Tür doof, alles doof.Warum sich eine fast Zweijährige bei Kälte wütend die Mütze vom Kopf reißt, habe ich bisher leider noch nicht so ganz verstehen können. Ich bin mir aber sicher, dafür wird irgendwann ein schwedischer oder amerikanischer Wissenschaftler eine ganz einleuchtende Erklärung finden und hochverdient den Nobelpreis gewinnen. Meine Stimme hat er jedenfalls jetzt schon.

Beim Anziehen wichtig: Farbe, Form und natürlich die ‚big five‘

Das Kind und ich mäandern zwischen Flur und Kinderzimmer hin und her und ich versuche währenddessen, das Kind so gut wie möglich in irgendwelche textilen Stoffe zu hüllen. Hierzu habe ich eine ausgeklügelte Taktik: ich kombiniere ganz streng immer nur den erstbesten Body mit dem zweitbesten Oberteil. Das eine baut auf das andere auf. Dabei zehenspitze ich mich immer ganz knapp an den Grundsätzen der Farblehre vorbei. Am liebsten kleide ich meine Tochter ja in Komplementärkontraste. Oder wie es der Volksmund nennt: in Clownskostüme. Solange es eben kein rosa ist. Doch es sind nicht bloß Farben, sondern auch auf Tiere, Muster und Formen kommt es an. Wer, bitte, möchte schon Ringelstrumpfhosen zu Pünktchenbody tragen? Gummistiefel mit Fussballmotiv zu pinken Einhornhosen geht hingegen wunderbar. Tigermuster mit Leopardenmuster? Nein, das ist ein absolutes no-go. Außer für Großmutter vielleicht. Die kombiniert zielsicher ihre Leopardenleggins mit dem Löwenpulli. Es geht das Gerücht um, dass sie in Wirklichkeit das geheime sechste Element der so genannten „big five“ wäre. Wie viel meine Tochter oder ich von meiner Großmutter geerbt haben, ist noch nicht abschließend geklärt.

Ich ziehe das Kind also an: Langarmbody mit Vogelmotiv, Langarm-Ringelshirt, Fleecejacke,Strumpfhose, Jeans, Regenhose, dicke Socken, Gummistiefel, Mütze, Schal, Handschuhe und dann erst zum Schluss die Winterjacke. Schließlich ist es kalt draußen.

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Chuck Norris hätte schon beim Vogelmotiv aufgegeben. Natürlich klingt das jetzt etwas schrulliger als es in Wirklichkeit ist. Das hoffe ich wenigstens. Ich bin auch keineswegs entspannter als meine Freundin diesbezüglich. Das Gegenteil ist wohl eher der Fall. „Trägt sie noch was drunter?“ ist eine, meiner Standardfragen, wenn meine Freundin morgens mit Tochter auf dem Arm aus dem Kinderzimmer kommt. Im Zweifel ziehe ich das Kind wärmer an, als es vielleicht sein müsste. Also manchmal jedenfalls. Besonders, als es für einige Tage plötzlich deutlich kälter draußen wurde und das Thermometer irgendwo bei zehn Grad unter Null stehen blieb.

Kind Handtuch

Anziehen und Diskutieren, Diskutieren und Anziehen

Einerseits bin ich keineswegs entspannter, als es meine Freundin im Hinblick auf die Kleidung des Kindes ist. Andererseits muss ich auch nicht jede Diskussion mit meiner Tochter führen. So manchen Macht- und Entscheidungskampf erspare ich mir und meiner Kleinen. Mit Kleinkindern und Terroristen sollte man ohnehin nicht verhandeln. Das ist doch reine Zeitverschwendung. Das bedeutet nicht, dass ich meiner Freundin indirekt vorwerfen will, dass sie vielleicht zu viel mit meiner Tochter diskutiert oder ihr gar zu viel durchgehen lässt. Zum Beispiel, wenn meine Tochter unbedingt den rosafarbenen Rock über Strumpfhose und Jeans und unter der grauen Matschhose anziehen möchte. Rein anziehlogistisch betrachtet ein Himmelfahrtskommando bei dem ich unkontrolliert mit dem Kopf schütteln muss.

Allerdings weiß ich, dass meine Tochter mit ihrer Mama ganz anders diskutiert und „kämpft“ als mit mir. Unsere „Diskussionskultur“ ist manchmal ein gänzlich gegensätzliche. Was bei uns beiden völlig reibungslos funktioniert, kann bei ihrer Mutter zur größten Katastrophe werden – und umgekehrt. Vergleichen kann man das also nicht miteinander. Aber: Wenn meine Tochter plötzlich auf die Idee kommt, sie müsse in der Wohnung zum Kleid unbedingt Gummistiefel tragen? Oder sie sich nur noch im Handtuch von A nach B bewegen möchte? Ach, warum nicht, sage ich dann. Wer drei Hosen und ein Rock tragen kann, der soll meinetwegen auch in einem Handtuch vor die Tür gehen dürfen. Wohlgemerkt, sie ist nicht ausschließlich mit einem Handtuch bekleidet vor die Tür gegangen…

Mehr von Johnny könnt Ihr auf seinem Blog Weddinger Berg lesen.

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