Frau Mutters Tipps

Von Teilzeit-Muttis und „Mompreneuren“: Interview mit Caroline Rosales und Isa Grütering

18. September 2013

Isa_Gruetering_Caroline_Rosales Teilzeit Mutter

Ich persönlich kenne nicht eine glückliche „Teilzeit-Mutti“. Woran liegt das eigentlich? Daran, dass Teilzeit oftmals faktisch Vollzeit ist, dass man keine interessanten Projekte mehr bekommt, dass Arbeiten von 9-15 Uhr gesellschaftlich nicht akzeptiert ist? „Die Rendä ist auch nischt sischä“, so viel ist schon mal klar. Was ist die Lösung für uns beruftsätige Mütter? Könnte es vielleicht die Selbständigkeit sein? Heute unterhalte ich mich mit zwei erfolgreichen, berufstätigen Müttern. Caroline Rosales, Bloggerin und Autorin und Isa Grütering, Bloggerin, Autorin und Start-Up-Unternehmerin sind mit Fug und Recht als „Mompreneurinnen“ zu bezeichnen und „machen sich die (Arbeits-) welt, wie sie ihnen gefällt.“ Sie haben ein Buch geschrieben: Mama muss die Welt retten, in dem sie viele praktische Tipps für die Selbständigkeit geben und auch ganz viele erfolgreiche, selbständige Mütter interviewt haben.

Home-Office, Vertrauensarbeitszeit…
Die Arbeitswelt hat sich für uns Mütter doch schon verbessert. Woran liegt es, dass trotzdem so viele „Teilzeit-Muttis“ unzufrieden sind?

Isa: Es ist oft die Rechnerei. Wieviel Zeit benötige ich, um zu meiner Arbeitsstelle zu kommen und wieder zurück? Wieviel Zeit habe ich dann zum Arbeiten. Kann ich mein Kind auch mal bis 17 Uhr in der Kita lassen? Flexibles Arbeiten heißt für mich, auch mal an einem Mittwoch zu sagen. Ich kann heute nicht, ich mache was ganz anderes, dafür arbeite ich ab 20 Uhr weiter.
Das geht häufig im Angestelltendasein nicht so einfach. Diese totale Flexibilität fehlt immer noch bei vielen Arbeitgebern.

Außerdem werden oft Mütter auch nicht als vollwertige Arbeitskraft anerkannt. Verlässt eine Mutter um 15 Uhr das Büro, erhält sie oft komische Blicke von den Kollegen oder wird mit „Viel Spass auf dem Spielplatz“ verabschiedet. Als Mutter weiß man aber, dass dann oft der Job beginnt, der meist viel anstrengender ist, als die Arbeit.

Caro: Für mich war es ähnlich. Ich habe nach der Elternzeit drei Tage die Woche in Teilzeit immer bis sieben Uhr abends gearbeitet und war schlicht unglücklich, obwohl ich die beste Kita und Babysitterin der Welt hatte und habe. Immer wenn mein Sohn von der Kita abgeholt wurde, war er logischerweise enttäuscht, dass seine Babysitterin an der Tür stand und nicht Mama, obwohl er sie schon lange kennt und liebt. Sicher sind das Luxusprobleme, aber mich hat das fertig gemacht. Ich habe gekündigt und verrückterweise kamen prompt zwei super Jobangebote für Home Office eingeflattert. Ich habe manchmal das Gefühl und das ist nicht esoterisch gemeint sondern ganz lebensnah: Wenn man Dinge loslässt und sich was traut, kommen neue und vielleicht bessere.

Ihr habt Beide den Sprung vom Angestellten-Verhältnis in die Selbständigkeit gewagt.
Was würdet Ihr im Rückblick anders machen bzw. wieder genauso?

Isa: Ich würde es genauso wieder machen.

Caro: Das sehe ich genauso. Ich habe immer sehr hart gearbeitet und leider war das auch nötig, gerade am Anfang. Das hätte ich leider gar nicht anders machen können.

Mamamussdie Weltretten

Ihr habt sehr spannende, selbständige Mütter in Eurem Buch vorgestellt. Was haben sie alle gemeinsam, was macht ihren Erfolg aus?

Isa: Was alle auf jeden Fall gemeinsam haben, ist der ausschließlich nach vorne gerichtete Blick. Sie fragen sich einfach nicht, was wäre wenn, sondern verfolgen ihre Ziele. Das ist sehr beeindruckend.

Caro: Sie haben alle eine Sache gemeinsam. Sie haben nicht groß Fragen gestellt, sondern einfach gemacht. Wie sie es eben gefühlt haben, obwohl ihre Entscheidungen dann doch alle sehr taff und konsequent waren. In manchen Fällen ging es auch um viel Geld, aber sie haben sich gedacht: Das muss jetzt so.

Ihr sprecht die amerikanische „work-at-home-mom-revolution“ an. Was ist das genau und wäre das auch ein Konzept für deutsche Mütter?

Caro: Sicher! Und das Buch erklärt ganz genau wie. Wie man zum Beispiel mit Bloggen Geld verdient, mit einer Online-Boutique, als Personal Trainerin, sprich quasi von Zuhause oder eben durch ein Studium, das perspektivisch einen super Job bringt. In Deutschland
werden es gerade mehr und mehr…

Viele Mütter wagen die Selbständigkeit bestimmt auch nicht aus Sicherheitserwägungen. „Ich habe doch jetzt endlich einen sozialversicherungspflichtigen, unbefristeten Job mit einem Mini-Bonus, soll ich das alles aufgeben?“
Was antwortet Ihr und welchen Rat könnt Ihr geben?

Isa: Man sollte sich vielleicht ganz pragmatisch fragen: Kann ich auch eine zeitlang mit weniger Geld leben? Kann ich alleine arbeiten? Oder gefällt mir mein momentanes berufliches Leben so ganz gut? Mit Hätte, Wenn und Aber kommt man da nicht weit.

Caro: Sicher, ist das eine Überlegung und auch sicher die Wesentliche. Da muss man halt drauf los. Es gibt auch immer die Möglichkeit, seine Selbstständigkeit, seine Geschäftsidee als Hobby zu betreiben und dann, wenn man merkt, dass da mehr Potenzial drin steckt und vor allem Geld, dann zu kündigen.

Fotos: Stefanie Luberichs

Heute verlose ich zwei Exemplare von „Mama muss die Welt retten“

Bitte kommentiert den Post und erzählt uns, „wie Ihr Euch die Arbeitwelt macht, wie sie Euch gefällt!“

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16 Kommentare

  • Reply Katharina 18. September 2013 at 6:54 am

    Sehr spannend und genau auf meine Situation treffend. Ich hab mich mit drei Kindern auch mehr oder minder bewußt gegen einen Teilzeitjob entschieden. Allerdings würde ich meine Arbeit (Blog, kunsthandwerkliches Gewerbe) nicht gerade als Karriere bezeichnen. Es macht mir Spaß, es paßt in unsere Familiensituation, aber davon leben oder mal Rente bekommen? Eher nicht… Vielleicht kann mir das Buch da noch mehr Inspirationen geben? Bin gespannt!
    Viele Grüße!
    Katharina

  • Reply tina m aus k 18. September 2013 at 6:56 am

    mir gefällt euere ansicht sehr. ich hatte gerade den job gekündigt wegen drohendem burn out in einer agentur (schöne neue medienwelt) als ich 4 wochen nach kündigung merkte ich bin schwanger. und das mit 39. soweit sogut. babykam,mit ihm das eltern jahr, soweit so gut. 2011 selbständig gemacht, teilzeit als online redakteurin -lief super. dann kam 2012… mit ihm: entfernung zwischen mann und mir, jobs wurden weniger, neue finden härter -ich kämpfte.
    ende 2012 wagte ich mich trotz selbständigkeit mich von meinem mann zu trennen – und verlor im mai meinen hauptkunden- seit dem arbeitslos, auf der suche nach teilzeit job, viele gesprche .. und nie eine zusage. langsam vergeht mir die kraft, ich bin alle und habe nur noch ein halbes jahr bis ich kein geld mehr bekomme… euer buch wäre vllt hilfreich? einen blog habe ich gerade begonnen über mein dasein – als frustraus-torzurwelt…

  • Reply fraumutter 18. September 2013 at 7:05 am

    Liebe Katahrina,
    der Spass ist aber auf mancher Ebene auch eine „sichere Bank“….
    Liebe Tina, mensch, danke, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und neue Kunden!!!! Ein Blog ist immer eine gute Idee!!! Eure Nina

    • Reply tina m aus k 18. September 2013 at 7:08 am

      @nina: ja danke – ich habe schon gute erfahrungen mit meinem twitter account gemacht. ich kann mir nicht vorstellen, so einen job zu finden, der mich und meinen sohn ernährt, daher auch teilzeit fester job suche… aber humor hilft vllt. den habe ich ganz sicher bald wieder.. morgen – nur heute grad nicht ;-)…aufs und abs gehören wohl dazu…euch alles gute!

  • Reply Nancy von KoBoldtDesign 18. September 2013 at 7:33 am

    Nach der Geburt meines ersten Kindes wusste ich das ich mich verwirklichen will. Egal wie Hart es wird ich will flexível arbeiten. Meinen Kleinen Mann nicht ganztags in die Kita stecken. So saß er die erste Zeit unterm Nähtisch und sortierte die Stoffreste. Durch ihn habe ich angefangen Kinderkleidung und Spielzeug zu fertigen. Klar ist es schwer sich durchzusetzen Aber nun Auch mit Kind Nr 2 hin ich flexibler und muss mich nicht rechtfertigen. Wenn der kleine Herr mal nicht in die Kita will ist das dann so. Ich mache dann einen Haushaltstag. Also wer auch mal mit wenig Geld glücklich sein kann dafür Aber mehr Lebensqualität schätzt soll es einfach wagen. Den Schritt in die Selbstständigkeit.

  • Reply tigerente22 18. September 2013 at 7:55 am

    Nicht so einfach, sich die Arbeitswelt so zu machen wie sie einem gefaellt – ich arbeite daran, aber im Ende ist Vollzeitjob und Kind immer ein grosser Jonglierakt, der irgendwie vollzogen werden muss… Was hilft, in einem Buero zu arbeiten, in dem viele Kollegen Kinder im gleichen Alter haben.

  • Reply AM78 18. September 2013 at 9:05 am

    Es ist immer ein Kraftakt weil man nie überall 100% geben kann , immer ein schlechtes Gewissen und fehlende Anerkennung hat. Ich gehe gern arbeiten, möchte aber meine Kinder nicht vollzeitbetreuen lassen, also Teilzeit und immer überall sein.

  • Reply Katrin 18. September 2013 at 2:11 pm

    Ohjee, das leidige Thema… Ich kann nach einem Jahr Elternzeit beim zweiten Kind wahrscheinlich nicht zurück in meinen Job. Weil mir keine Möglichkeit zur Teilzeit gegeben wird. Ich würde mich gern selbständig machen! Noch fehlt mir der Mut … Vielleicht hilft mir das Buch!?

  • Reply TheSwissMiss 18. September 2013 at 2:53 pm

    Da ich mit zwei Kindern alleinerziehend bin kann ich mir im Moment nicht viel Risiko leisten. Deshalb behalte ich momentan meine Jobs und arbeite spät abend wenn die Kimder schlafen an meiner Selbständigkeit. Das ist zwar manchmal frustrierend weil die Zeit fehlt alle Ideen umzusetzen aber für mich die beste Lösung momentan. Das wichtigste ist das es Spass macht und es sich für mich nicht wie Arbeit anfühlt:) ich hätte das Buch sehr gerne um von anderen Frauen zu lernen und mich zu motivieren. LG heidi

  • Reply Anne 18. September 2013 at 5:04 pm

    Hallo,
    ich habe vor kurzem wieder angefangen zu arbeiten. In Teilzeit, im Schichtdienst (im Rahmen von 6 bis 20 uhr) und es ist so naja. Nichts halbes und nichts ganzes und ein Planungsaufwand, wie für ein Großevent. Aber ich versuche das Beste draus zu machen und hoffe, dass sich Kind Nummer 2 bald ankündigt. Danach will ich mich neu orientieren… mal schauen.

  • Reply Mamagie 18. September 2013 at 5:29 pm

    Dann bin ich wohl jenes einzige Exemplar einer teilzeitarbeitenden Mama, die tatsächlich mit ihrem Job rundherum glücklich ist. Ich hatte super Glück, denn ich habe mit Kleinkind einen neuen Job in meinem Wunschbereich gefunden, der mir viel Flexiblität gibt, die ich auch brauche. Denn ich habe hier kein familiäres Netz, das die „Kind krank“-Tage etc. abfängt. Dafür bin ich aber auch gerne bereit, mal abends oder am Wochenende noch etwas zu machen, wenn es brennt. Da nun aber ein Umzug ansteht, ist das Thema Selbständigkeit für mich auch eines. Es zeichnet sich zwar bereits eine Möglichkeit ab, aber auch die gilt es zu organisieren.

    Liebe Grüße Karin

  • Reply Kerstin 18. September 2013 at 6:55 pm

    Alles hat seine zwei Seiten – ich habe 9 Jahre Teilzeit gearbeitet, das hat mich aber total aufgerieben, als ich nach Kind 2 wieder arbeiten ging (hatte an die 200 Ü-Stunden). Seit einem Jahr bin ich selbstständig und arbeite sogar mehr, aber in den von mir ausgesuchten Zeiten und Themen. Meine Beratungstermine lege ich in den Vormittag, konzeptionelle Arbeit mache ich abends, wenn die Zwerge im Bett sind und sitze dann mitunter in Hausschuhen am Schreibtisch! Es fehlt die Sicherheit des regelmäßigen Geldeingangs, aber für mich ist die Selbstständigkeit mein persönlicher Karriereschritt: Endlich das machen zu können, wofür ich jahrelang studiert und gearbeitet habe. Und: Ich muss mich nicht mehr entschuldigen, wenn ich nach einer KrankesKindNacht total müde bin oder kurzfristig wegen Krankheit des Kindes nicht in die Firma kommen kann. Das Geldverdienen ist nicht einfacher geworden, aber es macht mir viel mehr Spaß! Ich würde es immer wieder so machen!

  • Reply JustJoolez 18. September 2013 at 8:23 pm

    Ui, das klingt wirklich wahnsinnig interessant. Ich bin auch als Übersetzerin selbständig tätig und bekomme das mit Kind überraschend gut unter einen Hut. Die meiste Arbeit erledige ich abends zwischen 7 und 11 und tagsüber betreue ich das Kind. Manchmal geht mir da zwar die Puste aus, aber dafür ist auch mal wieder ein Wochenende ohne Kind oder Arbeit drin. Ich würde es nicht ändern wollen, auch wenn es anstrengend ist.
    Den ein oder anderen Tip geben die Mütter in dem Buch aber sicher, wie man es sich als Mompreneur leichter macht.

    liebe Grüße
    Joolez

  • Reply mela 18. September 2013 at 9:22 pm

    Hallo 🙂
    Ich bin alleinerziehende Mutti und arbeite seit einem Jahr wieder Teilzeit. Nach einem Jahr Elternzeit war ich teils wieder froh zu arbeiten und wieder einen Ausgleich zum Alltag zu haben. Mittlerweile muss ich sagen das es nicht mehr wie früher ist. Vieles hat sich verändert, man hat nicht mehr die gleiche Verantwortung wie früher und ist eigentlich andauernd gestresst. Leider habe ich auch nicht den bestbezahltesten Job, Teilzeit wie Vollzeit. Das heißt ich muss nebenbei auch noch etwas dazu verdienen. Alles in einem – unzufrieden.
    Ich habe einen Beruf erlernt der mir Spaß macht und den ich Liebe. Mein Ziel ist die Selbstständigkeit – um wieder glücklich & flexibler zu sein und ohne schlechtes Gewissen für mein Kind da zu sein wenn es mal krank ist. Ich hoffe ich werde diesen Schritt bald gehen können, denn finanziell wird es ohne Unterstützung nicht klappen. Aber wer weiß, vielleicht finde ich in dem Buch noch Ideen wie ich es trotzdem umsetzen kann. Ich bin gespannt 🙂

  • Reply Lorelai 19. September 2013 at 8:31 pm

    Ich habe bald nach der Geburt meines ersten Kindes meine Arbeit als freischaffende Journalistin wieder aufgenommen (zuvor angestellt). Das war und ist sehr gut vereinbar mit Kindern nur leider darf man sich auf diese Einnahmen nicht verlassen, denn es kann sein, dass man mal lange keine Aufträge hat… schwierig also, v.a. wenn man Kita bezahlen muss…

  • Reply Janina E. 24. September 2013 at 1:29 pm

    Ein super spannendes Thema! Ich habe mich Anfang des Jahres damit befasst, nachdem meine Elternzeit vorbei war. Zurück in den alten Job von 9-14h (das Angebot gab es) oder zu Hause bleiben und gar nichts tun? Ich bin tatsächlich erst einmal zu Hause geblieben, habe mich aber dann an meine eigene Mutter erinnert, die Zeit ihres Lebens darunter litt, dass sie damals ihren Job für uns Kinder aufgegeben hat und Hausfrau + mutter wurde.. Als mir das klar wurde, wusste ich, dass ich eine Beschäftigung brauchte.
    Mein Schwager hat mir dann bei einem Gespräch angeboten von zu Hause für Ihn zu arbeiten. Letztenendes brauchte ich nur eine software, die er mir installiert hat (er hat eine Immobilienverwaltungsfirma) und ein Telefon. So konnte ich Bürozeiten angeben, die mit meiner „kinderfreien“ Zeit übereinstimmten. Das läuft seit Anfang Juni sehr gut, gibt mir ein Gefühl der Unabhängigkeit, ohne das schlechte Gewissen zu haben, von dem mir so viele arbeitende Mütter berichten. Von daher ist die Selbstständigkeit in dem Moment der beste Schritt gewesen, den ich machen konnte..
    Ich versuche viele Bekannte dazu ermutigen und werde das Buch bestimmt lesen, nicht zuletzt für die eigene Erfahrung.. vielen Dank!
    Janina

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