Frau Mutters Tipps

Urlaub im Kinderhotel oder: Die Made sagt beim Abschied leise Servus

23. Januar 2012

Urlaub im Kinderhotel
Kann es sein, dass die Ferien für Eltern mit (Klein-) Kindern die anstrengendste Zeit des Jahres ist? Ist man nicht nach dem Urlaub noch urlaubsreifer als vorher? Sehnt man sich nicht nach einem Wellnesstag im Büro? Sich ein Zielgespräch mit dem Chef wünscht, um der Aussicht auf die schreckliche 70er Jahre Deko in der Ferienwohnung zu entfliehen oder dem Stau auf der Autobahn samt dauernölenden Kindern?

All-inclusive Urlaub mit Maden

Ab sofort plädiere ich für Daheimbleiben. Nach nun fünf Jahren erfolgloser und sauteurer Erholungsversuche als Familie habe ich die Nase gestrichen voll. Wir haben alles versucht. Vermeintlich kinderfreundlicher Agritourismo in der Toskana mit einem Zweijährigen mit Gipsarm. Verregneter Bauernhof-Urlaub an der Nordsee, die ich mit Nebenhöhlenentzündung komplett im Sperrmüll-Bett verbracht habe und nun das grösste Desaster:

Ein extrem teurer Urlaub in einem Kinderhotel im Salzburger Land.

Es fing alles so gut an. Nur ein kurzer Flug von Berlin nach Salzburg mit den extrem netten Flugbegleitern von Air Berlin, die Constanzes Schnuller nach jedem Hinwerfen auskochten und ihr fröhlich das Fläschchen wärmten. Den ersten Tag im Kinderhotel habe ich dann mit meiner privaten Bergführern bei strahlendem Sonnenschein mit Schneeschuhen wandernd im schönen Heutal verbracht. Es ging “aufi” auf den Berg und als wir “obi” waren, wurde mir als unfitte Flachlandtirolerin nach zehn Minuten eine “Mannerschnitten-Rast” zwangsverordnet.

Derweil entspannte sich mein Mann bei einem all-inclusive Cappuccino, Sebastian war in seinem “Ski-Zwergerl-Kurs” mit als Disneyfiguren verkleideten Skilehrern und Constanze wurde von lieben Betreuerinnen im “Babyparadies” mit Mannerschnitten versorgt. Zuckerschock? Mir alles egal. Hauptsache Muttern kann sich endlich mal erholen.

Das rot-weisse Glück hielt aber nur zwei Tage. Und dann ging das grosse Brechen los.

Das grosse Brechen

Im Hotel grassierte seit geraumer Zeit ein nicht auszurottender Magen-Darm-Virus und als erstes wurde Constanze davon heimgesucht. Also ging es nicht mehr “aufi auf’n Berg” sondern “obi auf die Stube”. Dort haben wir dann zwei Tage lang abwechselnd Erbrochenes aufgewischt, die Astlöcher in der Zirbenholz-Wohnwand gezählt und Servus-TV geschaut. Immerhin kann ich jetzt das “Kufstein-Lied” in der Hansi-Hinterseer-Version einwandfrei und mit Tiroler Akzent singen.

Zum Glück verschrieb ein fescher Bergdoktor dem (Con)-Stanzerl super wirksame “Zapferl”, so dass sie nach zwei Tagen wieder fit war. Doch dann lag der Mann flach. Nach zwei Tagen und noch mehr Servus TV war Herr Vater wieder fit. Wahrscheinlich war es die gute Mannerschnitten-Diät, die ihn wieder so schnell genesen liess.


Sebastian wurde am Ende der Woche immerhin Goldmedaillen-Gewinner der Ski-Zwergerl und hat das gebührend mit ganz viel Cola aus dem all-inclusive Saftbrunnen gefeiert. Keine gute Idee. Den letzten Tag und Abend hiess es wieder Kufstein-Lied zur Aufmunterung singen und erbrochene Spaghetti und -genau- Mannerschnitten-Reste von der Zirbenholz-Wand wischen.

Jetzt hilft nur noch Hansi Hinterseer

Zum Ausgleich wollte ich mich dann als guter deutscher Tourist am Babybrei-Büffett gütlich halten. Das Geld muss doch wieder rein. Vielleicht ein paar Gläschen in die Hosentaschen stecken oder ein bisschen Milchpulver mitgehen lassen? Beim Öffnen der Flaschenmilchnahrung allerdings krabbelte mir dann eine vorwitzige Made entgegen. Die hatte sich wohl auf der Suche nach einer Mannerschnitte verirrt.

Sag beim Abschied leise Servus, Made. Jetzt kann nur noch Hansi Hinterseer in der Endlos-Schleife helfen. Denn für Eltern gilt das Motto: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub

Foto: Trügerische Idylle im Schneeparadies

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18 Kommentare

  • Reply Kaddi 23. Januar 2012 at 8:59 am

    Ach Frau Mutter, das ist definitiv negativ-depressiv… vielleicht tröstet Dich unser letztjähriger komplett verregneter Dänemarkurlaub? So aus Solidarität erzähl ich das natürlich. Es gab keinen einzigen regenfreien Tag. Legoland? Total super… äh total nass, kalt… brrrr… wenigstens war es nicht ganz so voll durch die Nässe…
    Aber ich kenne solche Geschichten wie von Dir schon von Freunden und Bekannten. Aber es ist zum Glück nur eine Schlechter-Urlaub-Phase… Lieb gegrüßt von Kaddi

  • Reply Bine 23. Januar 2012 at 9:04 am

    Man könnte ja lachen wenn’s nicht so traurig wahr wäre… Uns ereilte dasselbe Schicksal, allerdings erst nach 5 Tagen Urlaub, so dass wir das Buffet noch etwas länger genießen durften…Auch die überall aufgestellten Desinfektionsmaschinen für die Hände konnten den Ausbruch des Virus nicht verhindern. Kinderhotel ist erst mal raus, zu teuer erkaufter Virus, den es im Kindergarten umsonst gibt 🙂

  • Reply fraumutter 23. Januar 2012 at 9:37 am

    @Kaddi: Danke, ich bin wirklich getröstet. Ich weiss auch keine Lösung-wahrscheinlich echt daheimbleiben….
    @Bine: Kennen wir uns aus N-O???? Danke für Deinen Kommentar!

    • Reply Bine 23. Januar 2012 at 12:18 pm

      Jawohl, das ist die rhoihessische Solidarität 🙂

      • Reply fraumutter 23. Januar 2012 at 3:26 pm

        Ei subbäh, vielen Dank und Gruss nach Hause!!

  • Reply Bina 23. Januar 2012 at 10:08 am

    Ne … schön geschrieben 😀 kommt mir auch alles irgendwie bekannt vor 😀

  • Reply fraumutter 23. Januar 2012 at 11:19 am

    danke!

  • Reply RALV 23. Januar 2012 at 9:49 pm

    Nä, ist doch nicht wahr. Du Armes. Ich hatte es noch nicht ganz so schlimm- meine Kinder boykottieren nur gerne mal die Kinderbetreuung, wenn sie irgendwo angeboten wird. Allerdings fand ich den ersten und einzigen 3-Tage-Aufenthalt im Bio-Kinderhotel im Bayrischen schon deshalb lang genug, weil die Komplettausrichtung auf die Kleinen mich doch maßlos überfordert hat. Es war alles praktisch und bunt und die Goodies für die Eltern fehlten total. Ich fänd ja mal ein Hotel nett, dass sowohl die Bdürfnisse der Eltern, als auch die der Kinder berücksichtigt. Aber, ja, da hilft wahrscheinlich nur: zu Hause bleiben.

  • Reply fraumutter 24. Januar 2012 at 6:29 am

    Ja, das stimmt diese schrillen, bunten, lebensgrossen Figuren und überall ein Bällebad lässt manchmal die Wellness für die Eltern vermissen. Und immer diese Hotel-Theme-Songs….grauslich

  • Reply Greta Berlin 24. Januar 2012 at 9:30 am

    Urlaub mit Kindern ist wie Alltag, nur woanders – aber oft noch viel schlimmer! 😉

  • Reply fraumutter 24. Januar 2012 at 11:46 am

    Genau! Das hätte ich auch als Titel für den Post verwenden können!

  • Reply Mette 26. Januar 2012 at 8:39 pm

    Kööööstlich!!!
    Wie Du das immer so triffst – all meine Vorurteile und Befürchtungen, hier 100% auf den Punkt gebracht.
    Fehlt nicht noch etwas – das beschwerliche Packen, die beschwerliche Anreise (auch wenn es ein kurzer Flug war, drumherum ist es dann doch viel Zeit und Mühe, oder? Von Haus zu Haus unterwegs inkl. Auspacken=12 Stunden?). Und die beschwerliche Abreise, das Wäschechaos daheim, bis heute noch nicht alles erledigt?
    Das, was Du über Kinderhotels berichtest, waren meine Befürchtungen. Sie haben sich bestätigt und ich habe 2.650 Euro damit gespart. Oder so. Du rettest mich. So hat dieser schlimme Urlaub wenigstens einen Sinn gehabt gemäß „Wenn durch mich nur ein Mensch glücklicher geworden ist, so hat das Ganze einen Sinn gehabt.“
    Was war denn mit „vermeintlich kinderfreundlicher Agritourismo in der Toskana“? War das so etwas wie „V…s“-Reisen (ich will den Namen nicht nennen? Auch damit habe ich geliebäugelt. Dann erschien es mir eine zu teure Enklave zu sein.
    Mein Fazit: Urlaub ist für mich ein freier Tag und die Kinder morgens im Kindergarten. Oder eine Woche bei den Großeltern – leider wohnen sie recht weit entfernt. Oder Taschen packen und eine Woche an der Ostsee mit einer anderen Familie (2 h Fahrzeit). Alles andere viel zu weit weg.
    Gute Nacht
    Mette

  • Reply fraumutter 26. Januar 2012 at 8:44 pm

    Liebe Mette, wie recht Du hast und ich freue mich wenn ich „Verbraucherschützerin“ für Dich sein konnte. Ich bin auch geheilt von „viel (Geld) hilft viel“. Der Agritourismo war nicht von V…., womit eine Freundin übrigens auch nicht so tolle Erfahrungen gemacht hat. Den Rest des Jahres bleiben wir in Balkonien und dann geht es auch an die Ostsee, aber hallo!

  • Reply desperateworkingmum 30. Januar 2012 at 8:01 pm

    So toll hätte ich es nicht beschreiben können, aber für mich war mit kleinen Kindern der Urlaub auch Alltag unter erschwerten Bedingungen. Nach einem Desaster auf Kreta (Kind 1 hat während des gesamten Hinflugs gebrüllt, Kind 2 während des Rückflugs, vor Ort hat Kind 1 eine Schere verlang, um sich das All-Inclusive-Band abzuschneiden – „ich will ja nach Hause“ und das sonst so pflegeleichte Kind 2 wurde krank) haben wir beschlossen, frühestens wieder auf Urlaub zu fahren, wenn beide Kinder in der Schule sind. Jetzt ist das Verreisen zwar einigermaßen easy, aber trotzdem immer wieder eine schwer zu bewältigende Herausforderung, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Neuester Vorwurf der mittlerweile pubertierenden Tochter an die tapetenwechselliebenden Eltern: „Warum müssen wir überhaupt immer auf Urlaub fahren, können wir nicht auch mal zu Hause bleiben wie andere Leute?“ Das Ergebnis ist nachzulesen unter http://desperateworkingmum.wordpress.com/2011/08/12/urlaub/ und den folgenden 20 Posts.

  • Reply fraumutter 30. Januar 2012 at 9:13 pm

    Das „all-inclusive-Band“ wollte ich mir dann auch abschneiden….danke für Deine Erfahrungen

  • Reply Bücherwurm 23. Februar 2012 at 8:04 pm

    am besten man hat in Spanien lebenden Großeltern, die man praktisch in den Urlaub besuchen kann. Man spart sich das Hotel und der Babysitter, die Großeltern und die Enkeln freuen sich sehr auf einander, dass man endlich mal Zeit für sich selbst hat. Kochen muss man auch nicht und putzen auch nicht, nur etwas aushelfen. Das nenne ich Urlaub 🙂

  • Reply Lisa 22. März 2017 at 10:32 am

    Richtig toller Beitrag. Ich finde auch, dass wenn man in den Urlaub mit Familie fährt, das Hotel stimmen muss. Nichts geht über ein tolles Familienhotel mit allem drum und dran was das Kinderherz begehrt. Wenn es den Kindern in und ums Hotel gefällt, hat man schonmal die halbe Miete. Ich persönlich werde nächstes Jahr meinen Urlaub hier verbringen: http://www.hotel-kindl.at/de/uq8/familienurlaub.html

  • Reply Selina 8. Juni 2017 at 8:46 am

    Ich denke man darf von einem Urlaub einfach auch nicht zu viel erwarten.
    Und ich denke, wenn die Kinder denn dann älter werden und verstehen, was es denn überhaupt bedeutet sich erholen zu wollen, dann wird das auch besser.
    Wir möchten dieses Jahr Urlaub am Bauernhof machen. Wie du schreibst, hast du das auch schon hinter dir. Aber ich denke, das wird schon. Alles nicht zu eng sehen.

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