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Muss ich das haben?! Papas Filmkritik zu „Bibi und Tina Tohuwabohu Total“

27. Februar 2017

„Bibi und Tina Tohuwabohu Total“- heute gibt es hier eine Filmkritik und zwar von meinem Mann, der sich am Wochenende den Film zusammen mit einem befreundeten Vater und vier anderen „Bibi und Tina“-Fans im Alter von 5-43 Jahren herein gezogen hat. Ich war glücklicherweise im Bett mit einer Erkältung und „Magic Mike“ (psssst).  Wir sind eigentlich alle eingefleischte „Bibianer“. Alle Filme, alle Songs können wir sozusagen auswendig. Aber hält auch der neueste Bibi-Steifen, was er verspricht? Wie dem Mann und Kindern der neue Film „Bibi und Tina Tohuwabohu Total“ gefallen hat, lest Ihr heute. Viel Spaß!

Sich im Kinosessel winden und fröhliche Klischees anschauen

Der erste Lacher stellt sich bei mir eher spät im Filmverlauf ein: ‚Die Uhr ist von Dolce & Gabbana‘, meint der eine. Darauf sein eher dumpfer osteuropäischer Bekannter: ‚Deutsche und Albaner?‘ Bis zu diesem Bonmot haben ich mich bereits eine gute Stunde in meinem Kinositz gewunden, vor mir auf der Leinwand jagt ein Klischee das nächste schneller als die „Dolce“-Albaner ihre entlaufene Cousine. Kein Witz zu flach, kein Handlungsstrang zu irrlichternd, kein Dialog zu hölzern.

Die ersten drei Filme aus der Pferden-Narrenreihe hatte ich noch halbwegs wohlwollend mit angesehen – fetzige Lieder, lustige Dialoge, die Wendungen halbwegs nachvollziehbar. Dieses Mal allerdings ergießt sich ein schwer verdaulicher Brei von der Leinwand: Zwangsehe, minderjährige Flüchtlinge, höhnisch grinsende Osteuropäer, Rasseln schwingende Musiker aus Mali, krude Analogien an amerikanische Baulöwen — wirklich für jede ist Schublade etwas dabei.

Bibi und Tina Tohuwabohu Total: Für die Kinder ist alles dufte!

Die Kinder neben mir aber: begeistert. Mit dem Nachwuchs ins Kino zu gehen ist eben auch ein Lehrstück in Sachen Entertainment. Ein Film wird hier nicht als Gesamtkunstwerk begriffen, vielmehr erfreuen sich die Kinder an Fragmenten, die bei ihnen hängen bleiben. Handlung, Dialoge, Spannungsbögen? Vollkommen egal. Hauptsache es gibt einen deftigen Pups-Witz, dann hat es sich bereits gelohnt. Besonders gut kommt bei meiner Tochter der Rap der Fieslinge an mit dem Titel ‚Muss ich haben‘, in dem Unterschichten-Hedonismus (3D-Flatscreen, Pommes satt, Sneaker) gehuldigt wird. Deichkind für Arme, moniert der abgeklärte Vater, aber eigentlich doch leider ganz geil.

Und plötzlich bin ich dem tanzenden Trio auf der Leinwand in Gedanken ganz nah. Wollen wir Eltern nicht auch alle alles, aber bekommen es eben nicht mehr? Und wer ist Schuld daran? Genau, ein kurzer Blick nach rechts und links in der Kinoreihe liefert die Antwort.

Ein Aha-Moment im Kinosaal: Muss ich auch alles nicht mehr haben!

Das Leben der Eltern: eine lange Aneinanderreihung der Wünsche und Entbehrungen: Bibi & Tina Filme? Muss ich nicht haben. Ausschlafen am Wochenende? Darf ich nicht haben! Ferien in coolen Designhotels in hippen Innenstädten? Sollte ich besser nicht haben wollen! Ungestörte Zweisamkeit mit der Gattin? Kann ich nicht haben! Krümelfreie Autos. Werde ich niemals mehr haben!

Es soll ja nicht wenige Eltern geben, die sich insgeheim so richtig auf den Montag freuen, endlich wieder Büro, Biotop des Erwachsenenseins. Zwar sind wir der ganz harten Phase der Kleinkind-Phase entwachsen, aber aus dem Klammergriff der Kinder löst man sich wohl das ganze Leben nicht mehr. Können und Wollen wir das überhaupt noch, frage ich mich. Bibi und Tina machen mich so philosophisch….

Jetzt noch bitte Fast Food und Zucker!


Nach überstandenem Kinofilm kehren wir noch um die Ecke bei Pizza-Hut ein, auch so eine kulinarische Eltern-Kind Sollbruchstelle. Die Pizza fettig und fluffig, der Laden laut und bunt, die Fanta riesig und radioaktiv grell. Aber: alle haben Spass, es gibt noch was zu Malen, die Bedienung verteilt unaufgefordert Lollis zum Abschied. Hier wird eben noch nicht angstvoll um die Erlaubnis zuckerhysterischer Eltern gebeten, sondern einfach Fakten geschaffen. Hat auch irgendwie was Erfrischendes.

Und so fahren wir nach einem erfolgreichen Nachmittag in der Stadt alle wieder heim, die Kinder satt, und ich um die Erfahrung reicher, dass Entbehrung auch seine positiven Seiten hat. Man muss eben nicht immer alles haben – die verkopften Kinofilme genauso wenig wie das grosse kulinarische Erlebnis. Manchmal reichen auch Pferde, Popcorn und Pizza zum vollkommenen Glück. Und ohne Kinder würde man diese Erkenntnis eben auch nicht machen.

 

 

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1 Kommentar

  • Reply Ines 27. Februar 2017 at 9:10 am

    Klingt ja nicht ermutigend – Ich habe es noch vor mir und selbst meine 9 Jährige ist skeptisch ob der Streifen hält was er verspricht 😉

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