Frau Mutters Tipps

„Kinder dürfen Designermode tragen, aber wir müssen ihnen vermitteln, dass Geld nicht auf dem Baum wächst“: Interview mit Greta und Eve von www.kidaporter.com

12. Februar 2013

kidaporterTeam

Greta und Eve sind stylishe Mamas mit chicen Kindern. Diese beiden Bloggerinnen sind maximale Fashionistas und kleiden ihre Mini-Fashionistas wie sich selbst: in hochwertiger, stylisher Kleidung, gerne in Designerlabels. Und das ist noch nicht genug. Sie betreiben ihren Blog www.kidaporter.com wie ein Unternehmen und wollen, oh mein Gott, Geld verdienen! Diese quirligen Damen aus Baden-Württemberg habe ich gefragt, wie Sie sich gegen das Vorurteil „oberflächlich“ positionieren und wie das gehen eigentlich soll mit dem bloggen und dem Geldverdienen:

KidAPorterBurberry

Greta, Du und Deine Geschäftspartnerin Eve betreibt den Blog “Kid a porter- der lifestyle fashion blog for modern mums & minis. Was kann man bei Euch finden? Was ist Euer „USP“?

Unser Blog ist quasi unser Outing in Sachen Kinder-Designermode, denn wir sind ehrlich und stehen dazu, dass wir den gleichen Style für unsere Minis wie für uns lieben: Mit hochwertigen Labels und allem Schnick-Schnack, der dazu gehört. Uns hat es angenervt, Kinder immer nur “quadratisch, praktisch, gut” und spielplatztauglich kleiden zu müssen oder weil man das eben so macht. So kam die Idee zu unserem Blog, wo wir über stylishe Kinderdesignermode schreiben, lässige Streetstyles von Mini- und Maxi-Fashionistas zeigen und natürlich Erfahrungsberichte aus dem Leben einer „working Mum“ mit Mode- und Beautytrends posten. Eben mal andere Geschichten aus dem alltäglichen Familienchaos.

Und ja, klar dürfen Kinder Designermode tragen, wieso auch nicht. Wichtig ist nur, ihnen dabei zu
vermitteln, dass Geld nicht auf dem Baum wächst, hochwertige Dinge nicht selbstverständlich sind
sondern Mama und Papa dafür arbeiten. Daher stellen wir neben Knderdesignermode regelmäßig
auch die Wertevermittlung in den Vordergrund.

Wie kam es zu dieser Geschäftsidee ? Seit wann gibt es Euch?

Unsern Blog gibt es seit fast einem Jahr, unsere Freundschaft schon seit viiiielen Jahren, genauer seit
wir 2 Jahre alt sind. Von je her waren wir der Mode und Design-Labels verfallen, haben Riesenspaß
am Aufbrezeln und laut Aussagen anderer ein ausgeprägtes Gespür für neue Trends. Da wir immer
wieder um Mode- & Stylingrat gebeten wurden, gerade auch für die Minis, war unser Blog quasi der
nächste logische Schritt.

KidAPorterTeam2

Was habt Ihr vorher beruflich gemacht?

Greta: Ich habe im Marketing für Procter & Gamble und anderen Konsumgüter-Unternehmen
gearbeitet, bevor ich meinen Traum von der Selbständigkeit realisiert habe. Das war mit meiner ersten Firma mycitysecret.com – einer online Marketing-Beratung für kleine Geschäfte, Cafes, etc. in Städten. Zwar mache ich noch einige Projekte, aber mein Hauptaugenmerk liegt nun auf kidaporter.com.

Eve: Ich habe ebenfalls einen bunten Background. Ursprünglich bin ich studierte Pädagogin, habe
dann aber in die Investmentbranche gewechselt. Dort habe ich jedoch stets dieses leidenschaftliche
Gefühl vermisst, dass ich mit Mode und Styling verbinde und somit konnte ich dank kidaporter.com
quasi meine Leidenschaft zum Beruf machen.

Ihr verfolgt ein klares Geschäftsmodell mit Eurem Blog, wollt also „Geld verdienen“.
In den USA gibt es ja zahlreiche bloggende Mamis, die teilweise sogar Haupternährer der Familie sind. Ist sowas in Deutschland möglich?

Natürlich ist das auch in Deutschland möglich, gerade hier, wo es bisher noch recht wenige
professionelle Mamablogs gibt. Dafür ist kidaporter.com ein perfektes Beispiel!
Wir haben allerdings den Eindruck, dass vielen deutschen Mamis der Mut fehlt, ihr Blog auf das
nächste Level zu heben. Es wird viel über Selbstgemachtes, – gekochtes oder den üblichen Babykram
gebloggt, was natürlich auch nett ist, aber den Mut, ein richtiges Statement zu setzen und ein
eigenes Profil zu entwickeln, haben leider die wenigsten.

Nur durch ein klareres Profil auf dem Blog schafft man sich den notwendigen Leserkreis und die
Reichweite, damit man mit Kooperationen und Werbung auch Geld verdienen kann.

Euer Blog ist ein klares Bekenntnis zu Fashion und Marken für Kinder.
Welches Feedback bekommt Ihr? Ist das in Deutschland erklärungsbedürftig?

Das Feedback ist erfreulicherweise sehr positiv, denn auch wenn wir anfangs mit mehr Kritik
gerechnet hätten, zeigte sich, dass im deutschsprachigen Raum viele andere ihre Kinder mit
hochpreisigen Designermarken kleiden, sich jedoch in der hiesigen Neidgesellschaft kaum trauen,
offen dazu zu stehen bzw. darüber zu sprechen.

Andere Länder sind weniger Neid-geprägt als Deutschland und man gönnt anderen ihre
Lebenseinstellung. Unser Blog ist international ausgerichtet und somit bekommen wir sehr viel Lob
und erfrischendes Feedback. Aber auch deutsche Mamis geben uns tolles Feedback und beschweren
sich nicht nur über Dinge, die sie nicht haben.
Ich würde mir wünschen, dass wir da in Deutschland auch eines Tages hinkommen. Statt dem
ewigen „Neiden“ lieber andere Lebenseinstellungen zu respektieren, als Inspiration zu sehen und
schlicht weg mal gönnen zu können.

Greta und Eve, vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: www.kidaporter.com

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6 Kommentare

  • Reply Agnes 12. Februar 2013 at 3:36 pm

    kidaporter.com ist ein sehr schön aufgemachter Blog mit gut gemachten Inhalten. Ohne den Artikel hier hätte ich den aber garnicht gefunden. 😀 Hab auch noch nie über das Thema Designer-Kleidung für Kids nachgedacht, aber warum eigentlich nicht?!
    Bemerkenswert an diesem Interview finde ich die Aussage zum Bloggen, dem kann ich voll und ganz zustimmen. Ich lese auch am liebsten die Blogs von Autoren, welche „Mut [haben], ein richtiges Statement zu setzen und ein eigenes Profil zu entwickeln“. Gerade das macht es doch spannend, oder?

  • Reply Robin Urban 12. Februar 2013 at 6:06 pm

    Es ist schon bezeichnend, dass bei solchen Diskussionen oft reflexartig das Neid-Argument kommt.

    Ich würde meine Kinder niemals in Designerkleidung stecken, aber nicht, weil ich neidisch bin. Es ist schlicht und ergreifend nicht kindgerecht. Und der schöne Hinweis auf den Wert des Geldes mag vom Kerngedanken her verständlich sein, führt aber letztendlich nur dazu, dass die Kinder sich überhaupt nicht mehr getrauen, so richtig zu toben. Das edle Stöffchen könnte ja ein Fleckchen bekommen.

    Kinderkleidung muss genau drei Kriterien erfüllen: Funktionalität, Gesundheit (also keine Stoffe, die die empfindliche Haut reizen könnten), Fröhlichkeit (schöne Farben und lustige Motive, die den Kindern gefallen – nicht das edle, aber stinklangweilige Anthrazit oder Weiß… oder BRAUN).

    Erinnert mich auch gerade an einen Vorfall aus meiner Schulzeit. Einem Sechsklässler ist da seine Jacke für 400 Euro abhanden gekommen. Das Urteil der 17jährigen Robin: „Selbst Schuld, wer seinem Kind so was teures kauft.“

    Nee, hier gehe ich nicht konform. Was für manche Mütter Luxus ist, ist für mich eher Dekadenz.

  • Reply sib 14. Februar 2013 at 8:52 am

    Ich bin sowas von froh, dass der ganze Markenkram an der Schule meines Sohnes keine Rolle spielt. Ob die Klamotten vom Flohmarkt, von H&M oder gar aus der Schulkollektion sind, ganz egal, es zählt, ob du ein guter Kumpel bist.

  • Reply Nadine 18. Februar 2013 at 7:57 pm

    Oje, ich kann diesen Designerkram für Kinder nicht nachvollziehen. Ich liebe es meine Kinder nach dem Spielen im Wald in ihren schmutzigen Jogginghosen zu sehen, die glänzende Abenteuerlust in den Augen. Das entspricht für mich eher einer fröhlichen Kindheit, als die Modepüppi, die sich nicht schmutzig machen darf. Das interessiert mich: Wie halten es die Ladys von Kidaporter mit dem Herumtoben im Designerkleidchen? Wie funktioniert eine Kindheit im Edelzwirn. Wie geht ihr um, mit Farbkästen, Tomatensoße, Pfützen, Grasflecken, Sandkasten, Kakao?

  • Reply Greta 25. Februar 2013 at 9:11 pm

    Liebe Nadine,
    danke für Dein Feedback 🙂 Niedlich, dass es scheinbar den Eindruck erweckt, unsere Kids „dürften“ nur in Edelstöffchen rumflitzen. Es gibt doch nicht nur extreme und wir essen auch nicht jeden Tag Filetsteak.
    Zum Thema „wie geht ihr mit Herumtoben in Designerkleidchen um“ stimme ich Dir voll und ganz zu: Kinder sollen das Recht dazu haben, sich so richtig einzuschmuddeln und zu toben und dafür gibts auch bei uns normale Kleider.
    Wir haben ehrlich gesagt auch nirgendswo geschrieben, dass es NUR das eine gibt 🙂

  • Reply Emilia 6. März 2013 at 7:05 am

    Man kann nur hoffen, dass es Greta und Eve gelingt, ihren Blog besser zu verkaufen als sich selbst hier in diesem Interview. Das Sich-über-andere-Stellen („Neidfaktor“, „Babykram“) führt, zumindest in meinem Fall, nicht wirklich dazu, dass ich umgehend Facebook-Likes oder Momblog-Herzchen verteilen möchte.
    Nee, da geh‘ ich mal nicht auf’s nächste „Level“, setze kein Statement über die Klamotten meiner Kinder (sondern lasse sie anziehen, was sie wollen) und lese weiter voller Freude die ollen Mamiblogs vom Level darunter…

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