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Eva und Peter Imhof: „Man kann uns beim Scheitern zuschauen“

19. März 2017
eva und peter imhof

Eva und Peter Imhof, beide Moderatoren und Eltern der Zwillinge Lilli und Luisa, kennen wir schon lange aus dem Fernsehen. Auf YouTube haben beide einen wirklich sehr charmanten Kanal „Die Imhofs„, in dem sie ihr nicht immer perfektes Familienleben zeigen. Gerade ist ihr neues Buch „Bei uns läuft’s kacka- Scheitern als Eltern aber richtig“ herausgekommen, das ich Euch wirklich empfehlen kann.

Ich mag meine Social-Media-Mama-Kollegin Eva sehr gerne, so natürlich und offen, wie sie im Fernsehen wirkt, so ist sie auch in „real life“. Auch das Buch ist herrlich entwaffnend ehrlich. In Eva und Peters Familienalltag geht nichts nach Plan und vieles schief-so wie bei uns allen.

Mehrmals habe ich beim Lesen gedacht: „Endlich gibt’s mal jemand zu.“ Eva erzählt offen von ihren Problemen mit dem Stillen und verrät uns außerdem, dass sie gerne mal im Auto (und vor den Kindern) flucht. Die dann der Mutter nachsprechen: „Ey, Du Wixxä.“

Jaja, der Anspruch, den man als Mutter an sich selbst hat, geht dann öfters mal im Familienalltag und Berliner Straßenverkehr flöten…..Auch in meinem Buch kann man ja der Erzählerin (also moi) beim Scheitern zuschauen.

Ich freue mich so, dass Scheitern und Humor nun offenbar zum guten Ton gehören. Viel zu lange ( und immer noch zu oft) rennen gerade Mütter einem Ideal hinterher, anstatt sich öfters zu sagen: Hey, es hat heute nicht viel geklappt, aber alle sind gesund und lieben sich.“

Somit eignet sich das Buch auch perfekt als Geschenk für alle Neu-Eltern, die nach der Lektüre zur wohltuenden Erkenntnis gelangen: „Mir geht es nicht alleine so.“

Eva und Peter Imhof

Interview mit Eva und Peter Imhof zum Thema „Scheitern und Perfektionismus“ im Familienalltag

Peter und Eva, Ihr seid beide „Prominente“ bzw. Personen des öffentlichen Lebens. Warum habt Ihr Euch entschlossen, so offen und ehrlich über das tägliche Scheitern im Familienalltag zu schreiben?

Wir haben gemerkt, dass es gewissen Themen gibt, über die Eltern nur sehr ungern sprechen. Zum Beispiel, dass die Kinder längst durchschlafen müssten, es aber nicht tun oder immer nur dasselbe Essen wollen etc. Sobald man anfängt selbst mal offen darüber zu reden, was nicht so toll läuft, merkt man erstmal, dass jeder die gleichen Probleme hat. Das hat eine sehr befreiende Wirkung! Außerdem haben wir auf unserem Youtube-Kanal sehr viele Rückmeldungen bekommen, wie gut es anderen tut, uns beim „Scheitern“ zuzusehen. Und ist es nicht sowieso sehr erleichternd, wenn man im Flugzeug sitzt und es sind nicht die eigenen Kinder, die rumschreien? Mit unserem Buch wollen wir allen Eltern so ein bisschen den Druck von den Schultern nehmen. Wer das liest, fühlt sich danach garantiert ein bisschen leichter und hat das Gefühl nicht alles falsch zu machen.

Was denkt Ihr: Woher kommt eigentlich der Druck, den wir moderne Eltern uns machen?

Das hängt vielleicht mit unserer Leistungsgesellschaft zusammen. In unserer Gesellschaft werden Menschen danach beurteilt, was sie bereits geleistet haben im Leben und wenn sie sich möglichst viel abhetzen und im Beruf erfolgreich sind, wird ihnen eben gerne auf die Schulter geklopft. Und somit erscheint vielleicht auch ein Kind, was schon mit zwei Jahren den Freischwimmer hat und Geige spielen kann als ein tolles Kind. Aber warum ist das eigentlich so? Wenn wir in Italien bei unseren Freunden zu Gast sind sehen wir einen großen Unterschied zu Deutschland: dort erfreuen sich einfach alle nur am Dasein der Kinder. Alle sind glücklich, wenn sie zusammen eine große Pizza-Party feiern können und möglichst viel zusammen lachen. Dieser Spaß und die Leichtigkeit am Leben mit Kindern vermissen wir ein wenig in Deutschland.

Wann habt Ihr entdeckt: Wir können dem Ideal der perfekten Eltern nicht mehr nacheifern?

Das ging schon am Tag der Geburt los. Die Assistenzärztin ist in Ohnmacht gefallen, das Nähen hat länger gedauert, die Narkose hat aufgehört zu wirken und dann war der Anfang mit der Muttermilch auch alles andere als ein Spaziergang. Wir haben recht schnell gemerkt, dass unsere Vorstellungen vom Elternsein mit der Realität nicht viel zu tun haben. Wir haben es dann einfach mit Humor genommen und unsere eigenen Strategien entwickelt, die nicht unbedingt in Ratgebern wieder zu finden sind.

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht, wenn man auch mal Fehler und Überforderung zugibt?

Ausschließlich positive. Uns erreichen jeden Tag Emails und Nachrichten – vor allem von Müttern – die alle den gleichen Tenor haben, und zwar so was wie: „es ist wie bei uns zu hause!“ oder „Ihr sprecht mir aus der Seele!“ oder sowas wie „endlich spricht es mal jemand aus“. Wichtig ist uns dabei festzuhalten, dass jeder seinen eigenen Weg finden sollte – mehr auf die Intuition hören und das Herz – und weniger auf Ratgeber. Denn jedes Kind ist individuell und alle Eltern sind es auch. Ratgeber sind oft eine große Hilfe, aber manchmal ist es dann auch gut, sie einfach mal wegzupacken und auf die eigene, innere Stimme zu hören. Vor allem aber nicht auf uns 😉

Warum glaubst Du, Eva, dass Mütter perfekt sein wollen oder so erscheinen?

Das hat sicherlich auch mit einem veränderten Rollenverständnis zu tun. Früher war die Mutti zu hause und hat sich um die Familie gekümmert – basta! Zum Glück können wir Frauen mittlerweile alles anstreben, was wir wollen, aber ich habe schon das Gefühl, dass in unserer nach Leistungsoptimierung strebenden Gesellschaft eine Mutter am besten ihr Kind ohne PDA natürlich zur Welt bringt, dann ein Jahr lang voll stillt, aber bitte auch gleichzeitig wieder erfolgreich in den Job einsteigt und am besten auf High Heels und mit frisch geföhnten Wallehaaren und dem Kind auf dem Arm zum Nachmittags-Mutter-Baby-Kind-Yoga rennt.

Und eine glückliche Ehefrau soll sie dazu auch noch sein. Dass das nicht alles miteinander funktioniert, ist eigentlich logisch. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass viele Frauen Schuldgefühle haben, wenn sie das eine oder andere nicht auf die Reihe kriegen. Und auch ich habe mich gefragt: bin ich eine schlechte Mutter, weil ich meine Kinder per Kaiserschnitt bekommen habe, das mit dem Stillen nicht so funktioniert hat und ich froh war, als ich wieder zur Arbeit gehen konnte und damit dem heimischen Trubel entfliehen durfte?

Aber schließlich habe ich für alle meine Herausforderungen Lösungen gefunden – auch wenn diese Lösungen teilweise alles andere als politisch korrekt sind 😉 Trotzdem fühle ich mich wahnsinnig erleichtert bei dem Gedanken nicht alles perfekt machen zu müssen und trotzdem eine gute Mutter sein zu können.

Vielen Dank, Eva und Peter und alles Gute für Eure Famile und Euer Buch!

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1 Kommentar

  • Reply Birthe Holst 19. März 2017 at 10:01 am

    Moin, Moin!

    Tja, wenn man nicht als Familie erkennt, dass das Stehen zu Schwächen eigentlich eine Stärke ist, dann hat man die typische Bullerby-Familie! Kindern vorzuleben, dass Scheitern oder Negatives auch zum Leben gehört, ist eine wichtige Lektion, die ich als Eltern mitgeben kann! Zusätzlich vermittel ich meinem Kind auch, dass manchmal um ein Ziel gekämpft werden muss und man sich manchmal durchbeißen muss!

    Die Tatsache, dass es Familien gibt, die ihren Schein von heiler Welt aufrecht erhalten, erschreckt mich! Kinder und man selbst bekommt ein falsches Selbstbild und leidet an Realitätsverlust!

    Tolles Thema und sympathisches Paar!
    Liebe Grüsse , Birthe

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