Familiengeschichten

Wie man die Sommerferien mit einem Teenager übersteht. Nicht.

3. Juli 2017

Sommerferien mit einem Teenager. Das ist doch bestimmt ganz toll, oder? Die können sich doch schon so prima selbst beschäftigen und ansonsten sitzt man zusammen auf der Terrasse oder im Eiscafé und führt tiefe Gespräche von Mutter zu Kind. Vielleicht helfen sie auch ganz viel im Haushalt? Mhhh. Weiß nicht. Soweit die Theorie oder mein Wunschdenken, wenn es bei meinem Sohn (bald) soweit ist.

Heute klärt uns Gastautorin Antje auf, wie die Realität aussieht. Ein herrlich witzig geschriebener Beitrag, viel Spaß beim Lesen!

Sommerferien mit einem Teenager: Chillen und grillen bis der Arzt kommt?

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Alles easy, alles kein Problem. Meine Kinder sind aus dem Gröbsten raus, wir chillen, wir grillen, wir schwimmen, wir machen Ausflüge. So habe ich mir das zumindest damals vorgestellt, als meine drei noch klein waren. Und ich in den Ferien völlig gestresst wie ein Gefangener im Knast eine Strichliste geführt habe, wie viele Tage es noch dauert, bis der Kindergarten endlich wieder anfängt.

Wenn ich gewusst hätte, wie Sommerferien mit Teenagern ablaufen, hätte sich meine Vorfreude wohl eher in Grenzen gehalten. Frederik ist 14 und verlässt das Haus nur sehr ungern. Lust auf See? Zu nass. Bock auf ´ne Fahrradtour? Zu anstrengend. Interesse an einer Runde Risiko? Dauert zu lang. Raus in den Garten? Zu heiß.

Mit Freunden verabreden? Och nö. Den Tim sehe ich ja eh später. Ach echt? Und wo? An der Playstation. Wo mein pubertierender Sohn seine gesamten Sommerferien verbringen würde, wenn ich ihn nicht tagtäglich mit dem Einsatz meiner kompletten körperlichen und geistigen Kräfte davon abhalten würde. Nur mal kurz in den Garten gelegt und im Buch geblättert? Und schon sitzt Frederik nicht mehr phlegmatisch auf dem Sofa, isst zum vierten Mal am Tag Cornflakes mit Milch und starrt schweigsam vor sich hin, sondern dort klafft eine erschreckende Lücke. Hektisch renne ich hoch in sein Zimmer, öffne die Tür und werde von einem Geruch erschlagen, der an einen Pumakäfig erinnert.

Wer braucht schon Sonne, wenn es eine Playstation gibt?

Vorgezogene Vorhänge, Schweißfüße auf dem Tisch, Kopfhörer auf. Stimmt ja, das Treffen mit Tim. Online. Weil der ja sonst in den Ferien auch nichts zu tun hat. Also gut, ich baue mich vor ihm auf – schließlich muss ich bei einem Kerl, der mittlerweile beinahe größer ist als ich, ja noch irgendwie Respektsperson sein – und fordere ihn dazu auf, die Playsi auszumachen. Aber sofort, auf der Stelle. Okay, Respektsperson hin oder her, ein paar Minuten lasse ich mir aus der Hüfte leiern. Und schau mal kurz nach den anderen beiden.

Lächelnd öffne ich die Zimmertür meiner 12-jährigen Tochter Emma und frage sie, ob wir zur Eisdiele fahren. Ich versuche es zumindest. Denn der gellende Schrei, der mir daraufhin in den Ohren ertönt, setzt mir dann doch ziemlich zu. Oh Gott, ein Wespenstich? Atemnot? Die ersten Menstruationsbeschwerden? Nein, ich bin einfach nur in ihr musical.ly geplatzt. Gerade als Choreo und Synchronlippenbewegungen zu „So good“ von Zara Larsson perfekt saßen.

Smartphones killen den Sommer

Na gut, dann lass ich sie halt kurz und schaue nach meinem Kleinen. Oskar, 9 Jahre alt und noch so weit entfernt von diesen ganzen technischen Geräte wie… Oh, dachte ich zumindest. Als ich seine Zimmertür öffne, sitzt er mit meinem smartphone unter seinem Schreibtisch und googelt gerade das Wort „Titten“. Etwa Vorpubertät? Einmal tief durchatmen, die Rettung naht. Nur noch drei Tage, dann fahren wir für zwei Wochen nach Kroatien. In eine playstation- und handyfreie Zone. Ich trommle meine Kinder zusammen und teile ihnen mit, dass wir eine wichtige Sommerferienbeschäftigung haben: packen. Kroatien?, fragt Frederik und denkt nach. Freust Du Dich?, frage ich glücklich. Die Antwort hätte ich mir ja denken können: zu weit!

Foto: Das bin ich mit 14 Jahren in den Sommerferien mit meinem Hund. WIR waren ja gaaanz anders und haben uns nur sinnvoll beschäftigt. Nee, auch nicht.

Wie verbringen Eure Teenager die Sommerferien?

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8 Kommentare

  • Reply Maren Einfeld 3. Juli 2017 at 1:55 pm

    Toller Beitrag. Du sprichst mir mal wieder aus der Seele. Für unsere Mara gibt es in den zwei Wochen Urlaub auch nur minimales Smartphonezeiten und nach ein paar Tagen ist es wie von selbst „vergessen“.

    Viele Grüße aus dem Saarland 🙂

    Maren

  • Reply alexandra greger 3. Juli 2017 at 8:03 pm

    bei meinem sohn war es gott sei dank nicht so aber bei meiner tochter hatte ich des öfteren angst das sie sich wund liegt . sie lag den ganzen tag im bett und hat geschlafen oder irgendwelche serien auf dem pc geschaut . ich hab sie allerdings gelassen und witzigerweise war nach zwei jahren alles vorbei . von einem tag auf den anderen wurde sie aktiv hat sich einen job neben der schule gesucht und seit dem ist sie ausreichend beschäftigt selbst wenn sie mal zeit hat zum faulenzen mehr als ein tag ist nicht dann wirds ihr zu langweilig also durchhalten das wird schon
    liebe grüsse alex

    • Reply Frau Mutter 3. Juli 2017 at 8:08 pm

      „Wund liegen“. ich lach mich schlapp!!! LG nina

  • Reply Jale 3. Juli 2017 at 10:07 pm

    Habe das mit meinen Eltern anders geregelt. Ich darf so viel am PC hängen, so lange ich mit einer Apple Lieder komponiere, auf Wattpad oder OpenOffice schreibe und ab und zu etwas mit ihnen internehme. Ich muss alsp etwas einigermaßen kreatives machen, um ungestört vor der Technik hängen zu dürfen. Wenn nicht, dann lesen meine Mama und ich gemeinsam im Wald/Garten. 😉

  • Reply Ines 4. Juli 2017 at 2:40 pm

    Das könnte ich geschrieben haben.Aber 1:1

  • Reply Inga 16. August 2017 at 5:49 am

    Bei uns sieht das kaum anders aus und von anderen Familien höre ich nichts anderes. Absolut den Nagel auf dem Kopf getroffen. 😉
    Ich war froh, dass meine Tochter nochmal spontan eingeladen wurde 10 Tage mit Freunden zu vereisen (nachdem wir schon 2 Wochen Rhodos hatten).

  • Reply Melanie 16. August 2017 at 9:28 pm

    Wow ein sehr amüsanter Beitrag. Unsere 2 Töchter sind zwar erst 6 und 3, aber die haben auch auf nix Bock. Lieber mit ihren Puppen spielen statt raus in die frische Luft. Naja vielleicht bessert es sich ja irgendwann 🙂
    lg
    Melanie

  • Reply Einfach Stephie 29. August 2017 at 9:21 am

    Huch, du warst bei uns zu Hause, scheint mir! Herrlich mitten aus dem Leben geschrieben. Übrigens ist das Verhalten selbst dann nicht sooo viel anders, wenn man mit den Teenies geraume Zeit in den USA verbringt. „Walk of Fame angucken? Jooo, später! Hab gerade free Wifi…“ Waren wir auch so? JA!! Damals halt nicht Smartphone, sondern Walkman mit „Dirty Dancing Hits“ in Dauerschleife und „lasst-mich-alle-in-Ruhe-Syndrom“. Vllt sollte ich darüber auch mal was schreiben…

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