Familiengeschichten

Wenn Oma und Opa babysitten kannst Du was erleben!

24. November 2016

Oma und Opa waren letztens da und haben auf unsere Kinder aufgepasst, als wir beide nicht da waren. Für Sebastian und Constanze ist es das Grösste, schon allein, weil sie soviel KRASSES dürfen. Es werden dann auch die Sachen anders „gehandhabt“, so sage ich das jetzt mal als Schwiegertochter. Opa Max ist ein Knüller, aber lives by his own rules. Leser meines Buches kennen ihn ja schon aus Kapitel 18.  Heute schreibt mein Mann darüber, wie es ist, Verantwortung an seinen Vater abzugeben und stellt sich die Frage, „ob das uns alles geschadet hat.“

Opa glaubt nicht an Sitzgurte

„Der Opa, der hat mich nicht angeschnallt“,  vor Aufregung überschlug sich Constanzes Stimme fast. „Und dann bin ich auf dem Weg zum Kindergarten am Vodersitz angestossen. Zweimal.’’ Aha, soso, das ist ja SEHR interessant. Seine Begründung, so die Tochter: „Braucht man gar nicht, auf kurzen Strecken.’’ Und als ob das nicht reichte, legte sie gleich nach, Constanze weiss eben, wie man den Spannungsbogen hält. „Und dann, dann hat Oma uns noch erlaubt, dass wir abends Nutella aufs Brot essen. Obwohl es nicht Wochenende war. Mit Erdnussbutter drauf.“
Na bravo, das sass. Kaum mal eine Nacht ausser Haus, die Großeltern übernehmen, und schon wird der Nachwuchs durch Raum und Zeit katapultiert: In meine eigene Kindheit, wo Dreipunkt-Gurte, Kindersitze, und ausgewogene Bio-Kost unbekannte Boten einer Kultur aus der Zukunft waren. Und, hat es uns geschadet?, höre ich eine innere Stimme, während ich schon zum Grossen Protestanruf bei meinen Eltern ansetzen will. Eben. Also, Hörer nochmal auflegen, und in den eigenen Erinnerungen kramen.

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History repeating: ungesundes Schuhwerk und Zuckernudeln

Ja, damals, als ich selbst zu Oma und Opa in den Urlaub fuhr, da bestand die eigentliche Freude doch darin, Dinge zu erleben, die zu Hause ganz undenkbar schienen, auch damals schon, in den „wilden“ 80er Jahren, so kurz nach dem Krieg. Mit Opa ging ich mein erstes Paar Turnschuhe kaufen. Die verdammten Salamander-Sandalen meiner Eltern hatten meinen Füssen lange genug Frischluft zugeführt, nun schrie jede Zehe förmlich danach, endlich in die stickige Garage aus Vollplastik einzufahren. Ohne Fussbett, wie meine Mutter auch sofort bemängelte. Egal. Bei Oma gab es zudem immer Eis, das herrlich knusprige Vienetta, und einmal hat sie dann eine ganz besondere Leckerei aufgetischt: Zuckernudeln. Unter die matschig gekochten Spaghetti wurde viel Butter gehoben, und das Ganze dann mit einigen Löffeln  feinstem Industriezucker bestreut, der sich in einen herrlich knirschenden Brei verwandelte. Nur was für wirkliche Kenner! Abends dann durfte ich noch ungeduscht „Tatort“ mitschauen, wo ich es doch zuhause nicht mal bis zum ersten vollen Kreis um das Auge im Vorspann schaffte, bevor ich von den Eltern hochgescheucht wurde.

Uns hat es doch auch nicht geschadet

Mein Opa bewirtschaftete damals einen Obstgarten am Stadtrand, und dort stand eine Hütte, bis oben hin voller Gerümpel, nicht kindersicher verstaut. „Gegen Landstreicher“, rechtfertigte er sich, aber ich ahnte schon damals, dass er eigentlich keine Lust hatte, auch nur irgendwas wegzuwerfen oder aufzuräumen. Herrlich, so eine verwunschene Hütte. Und so lag ich im Sommer mit meinen Geschwistern auf dem Dach des morschen Häuschens und wir liessen uns die reifen Mirabellen in den Mund purzeln. Dass wir nicht noch mit Blindgaenger-Granaten aus dem Krieg Fangen spielten, fehlte gerade noch.
Tja, und heute: Handy-Ortung, veganer Brotaufstrich, Leucht-Weste auch bei Tagesslicht, Fahrrandhelm nach DIN-Norm und alles zuckerreduziert….

Die Lässigkeit der Grosseltern

Am Wochenende, nachdem Oma und Opa wieder abgereist waren, brachte ich Sebastian auf einen Geburtstag, dabei traf ich eine andere Mutter aus seiner Klassen. „Habe die Woche mal deinen Vater kennengelernt. Ganz cooler Typ.’’ A-ha, verkehrte Welt: der Opa lässig, der Sohn die Spassbremse, der Spiesser, der Sorgenfresser. Aber so ist es dann wohl, die unbeschwerteste Zeit erlebt hat man also doch an den beiden Rändern eines Lebens, wenn fast alles noch oder schon wieder egal ist. Der lange Strang dazwischen hingegen wird zerfranst von der Suche nach dem eigenen Weg, der Abgrenzung von den Eltern.

Und so beschloss ich eben, den Protestanruf zuhause auf unbestimmte Zeit aufzuschieben, stieg ins Auto und fuhr wieder heim – nicht aber, ohne mich und die Kinder vorher ordnungsgemäss angeschnallt zu haben.

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1 Kommentar

  • Reply mamasdaily 29. November 2016 at 1:07 pm

    Da passt auch so schön… „um ein Kind zu erziehen, benötigt es das ganze Dorf“
    Genau so ist es. Ich selbst muss auch öfter den Kopf über die Dinge meiner
    Eltern schütteln, also seiner Oma. Aber im gleichen Zug befinde ich mich dann
    genau wie du, in meiner Erinnerungskiste..krame darin..stelle fest..hoppla!
    ähnlich war es doch damals.. also warum nicht auch?

    Liebe Grüße

    Yvi

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