Familiengeschichten

Warum wir einen Elternführerschein

 brauchen

15. Juni 2017
elternführerschein

Wie wäre es eigentlich mal mit einem Elternführerschein? Sind wir eigentlich alle ausreichend qualifiziert für diesen Job? Ich googele ja ständig nach „Zusatzqualifikation Vorpubertät für Mütter“, aber irgendwie will mir das Internet da noch nicht mal einen Volkshochschulkurs ausspucken. Heute schreibt mein Mann über dieses Thema. Er vertritt die steile These: alle anderen Eltern sollten mal zum Idiotentest. Mhhh. Das Gleiche kann sich ja man auch für die Erziehungsberechtigten in unserer Familie wünschen, meine ich….

Für alles gibt es Zertifikate- warum nicht auch für Eltern?

Kürzlich kauften wir einen Schulranzen für Constanze. Einfache Sache, sollte man meinen. Aber dann: Mooooooment! Hat die Tochter denn auch den Ranzenführerschein? Nein? Also bitte, Fragen beantworten, Foto machen, Ausweis erhalten. Wir Deutschen lieben ja Ausweise, Zertifikate, Diplome, Zeugnisse. Aber beim Elternwerden lässt man uns „einfach so ran“. Wer begutachtet denn eigentlich mal die Erziehungsberechtigten? Eltern werden kann man ja bekanntlich ganz ohne staatliches Prüfsiegel, ein kurzer unachtsamer Moment im geschlechtsfähigen Alter reicht da schon und man hat bestanden. Je öfter man sich aber anderen Eltern ausgesetzt sieht, umso mehr stellt man sich zwangsläufig die Frage: Sollten die nicht eigentlich lieber mal zum Idiotentest?

Es fängt schon in den ersten Stunden des Elterndaseins an. Kindern werden lustige Namen wie etwas Schaklyn, Chanel, oder Legolas übergestülpt, weil die Eltern leider zwischen RTL II-Vorabendprogramm, TKMaxx-Überschussware oder Fantasy-Rollenspielen irrlichtern. Früher, ja früher, da hiessen die Kinder noch Stefan/Stefanie, Andreas/Andrea oder schlicht Markus. Klare Ansage, wenig Spielraum für Spinnereien. Als Boris Becker seinen ersten Sohn Noah Gabriel nannte, damals, da ging noch ein kollektives Raunen durch die erschrockene Republik. Heute würde so ein Namen nur grosse Verwirrung auf den Vollholz-Spielplätzen des Prenzlauer Berges verursachen, weil wirklich ALLE so heissen.

Der Elternführerschein: Sollen die das alles dürfen?

Oder beim Essen. Menschen, die Fleisch essen trifft sowieso der sofortige Bannstrahl der Heiliger-Als-Du -Fraktion. Aber trotz allen Food-Lifestyles: wirklich kochen kann heute kaum noch jemand bei den jungen, hippen Eltern. Hefeteig? Fehlanzeige. Deftiger Sonntagsbraten, das volle Programm, morgens um sieben aufstehen damit das alles auch fertig wird. Keine Ahnung! Sauce Hollandaise? Nächste Frage, bitte. Aber die überteuerten Grünkernbratlinge aus der Reformhausfertigpackung. Total konform. Als Kind wohnte ich neben Leuten, die regelmässig schlachteten. Kein schöner Anblick, wenn so 200 Kilo Schwein im Hof umkippen und ausbluten, aber doch konnte man den Blick nicht abwenden. Und die Wurst kommt eben doch nicht aus der Glasvitrine, lernte man da nebenbei.

Trial and Error im Familienalltag

Wobei sich Eltern aber ständig als Geisterfahrer fühlen, ist bei der alltäglichen Erziehung, und wie man das richtige Maß findet. Die lieben Kleinen unter der Woche nicht bis Mitternacht fernsehen lassen, leuchtet noch den meisten Erwachsenen ein. Aber die alltäglichen Konflikte entfachen sich doch an viel einfacheren Dingen. Trödelnde Kinder, obwohl es kurz vor acht ist, nörgelnder Nachwuchs, weil die selbstgemachte Pizza einfach nicht so toll schmeckt wie die aus dem Tiefkühlregal. Genervte Kids, weil man am Wochenende einfach mal durchsacken will, sie aber das All-Inclusive-Paket gebucht haben, bestehend aus Pfannkuchen, Badesee, Indoor-Spielplatz, Kino, mindestens drei Verabredungen mit langer Anfahrt, extra-lang wachbleiben und Flatrate-Cola. Ist das etwa zu viel verlangt? Oma und Opa, die doch auch mal gerne das Steuer übernehmen könnten: viele hundert Kilometer weit weg, wahnsinnig hilfreich alles.

Warum gibt es dafür nicht mal einen Führerschein für das Meistern des ganz banalen Familienalltags. Muss man sich alles selber beibringen und ewiger Laie bleiben? Ich hätte gerne tägliche Handreichungen per App oder so. Und als Beifahrer ist man auch nicht besser dran: ‚Jetzt sag Du doch auch mal was, immer bin ich der/die Doofe!!‘ Eben. 

Und so möchte man sich selbst, oder den Eltern um sich herum, doch ab und an eine Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr lösen. Schön mal die anderen ran lassen, sich kutschieren lassen, vorne den Busfahrer machen lassen. Um dann gerne abends wieder zuhause sein, bei Legolas und Schaklyn.

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