Familiengeschichten

Warum ich mir manchmal wie die Sekretärin meiner Kinder vorkomme

31. Januar 2017

„Mama, ich will mich mit Lina verabreden! Jetzt gleich!“ Meine Tochter strahlt mich an. Lina ist ihre neue beste Freundin aus dem Kindergarten. Ich sage meiner Tochter, dass ich das eine super Idee finde nur heute geht es nicht , morgen auch nicht und ich müsste erst mal die Nummer von Linas Mutter heraus suchen.

Wir gehen nach Hause. Fünf Minuten nachdem wir durch die Tür sind, fragt Constanze mich, ob ich schon angerufen hätte. Ich vertröste sie. Wäsche waschen, zusammenlegen, der Sohn muss Englisch Vokabeln üben. Die Verabredung ist ehrlicherweise weit unten auf meiner Liste bzw. habe ich vergessen sie überhaupt da drauf zu schreiben. Meine Post-its habe ich auch verlegt, also was tun?

Haben unsere Mütter uns früher ständig verabredet?

Wie war das eigentlich bei uns damals? Irgendwie habe ich mich ab der 2. Klasse mit meiner Schulfreundin selbst verabredet, das war immer um halb drei nachmittags, nach Mittagessen und Hausaufgaben. Verabredungen mit Kindergartenkindern, die bis 16 Uhr betreut werden und dann noch alle Hobbies haben, sind heute eine Herausforderung. Soll ich ein „playdate“ mit Lina jetzt nächsten Dienstag von 16 Uhr bis 18 Uhr in  den Terminplan eintragen? Ach nee, da haben wir ja Ballett und Lina Tennis. Außerdem sind die Kinder eigentlich zu der Zeit auch schon „durch“ und ins Malbuch malen wäre fast eine bessere Idee für alle Beteiligten.

Früher war das wirklich einfacher, oder? Aber meine Mutter war eben auch zu Hause und ich hatte ab halb drei Uhr nachmittags frei. Da war dann viel mehr Zeit und Muse, um zu spielen und es war alles spontaner. Manchmal denke ich, ich tue aber auch immer noch so als wäre ich eine Mutter in den 80ern. Die Kinder sollen alle nachmittags noch schön viele Aktivitäten machen und ihre Freundschaften pflegen. Aber es fehlen einfach gut zwei bis drei Stunden am Nachmittag. Oft verlagere ich dann Freunde-Treffen aufs Wochenende, aber das will ja alles auch Tage bzw. Wochen  vorher geplant sein.

Ist es okay, keine Lust mehr auf noch mehr Orga auf Whatsapp zu haben?

Und manchmal habe ich einfach keine Lust, noch mehr zu organisieren, als ich schon muss. „Ich habe Dir eine SMS geschickt.“ „Hast Du meine Whatsapp nicht bekommen, wir haben einen Gruppen-Chat für das Abschiedsgeschenk für die Erzieherin eingerichtet.“ Orrrr. Ist das okay, darauf auch mal keine Lust zu haben?  Ich will auch, dass meine Kinder mit ihren Freunden spielen, aber kann jemand anderes bitte die Vorzimmerdame für ihre Terminpläne sein? Andere Mütter sind so mega-organisiert darin. Ich war es anfangs auch, aber alle Termine und Orga-Sachen nahmen so derartig überhand, dass mir jetzt nicht die dollste App helfen könnte. Ich will auch gar nicht mehr erinnert werden, ich will einfach nachmittags mit den Kindern nach Hause fahren und ein Franzbrötchen essen. Geht das?

Selbst verabreden klappt, aber auch nicht immer

Bei Schulkindern könnte es einfacher sein. Sebastian hat ein Handy, aber das liegt meistens irgendwo in seinem Bett oder ist nicht aufgeladen. Es ist also manchmal schwer, ihn zu erreichen. Manche Kinder sind aber wirklich beeindruckend organisiert. Sebastians Freund Ben schickt mir SMS und ruft mich an, wenn er mit meinem Sohn spielen möchte und ihn nicht erreicht. Dann schickt er mir zum Ende des playdates nochmal eine SMS, ob Sebastian zu Fuss nach Hause gehen soll oder ich ihn abholen soll. Grossartig.

Ich glaube ich engagiere Ben als unsere Freizeit-Planungs-Sekretärin, ja das mache ich.

Wie macht Ihr das mit den Terminen Eurer Kinder? 

 

Das könnte auch interessant sein…

5 Kommentare

  • Reply Anni B. 31. Januar 2017 at 7:29 pm

    Huhu! Ist bei uns ähnlich. Die Schuli
    Kinder gehen nachmittags überwiegend in verschiedene Horte/Betreuungen und danach gehts weiter mit Sport, Musikschule etc. Da muss man unter der Woche erst mal einen Nachmittag finden wo der gewünschte Spielpartner verfügbar ist und natürlich ein Elternteil Zeit hat. Wir müssen die Verabredungen auch oft aufs Wochenende auslagern. Ich bin diesbezgl auch viel am Planen und Nachrichten schicken; sag meiner Großen aber auch mal, sie soll zum guten alten Telefon greifen und anrufen und fragen, wenn sie sich verabreden will. Früher war das besser. So wie es heute läuft mag ich es auch nicht. Aber es ist halt so. Alternativ müsste einer ab Schulschluss daheim sein und das ist für mich nicht realistisch. Also wird weiter geplant und organisiert und wenn ich keine Lust habe, lasse ich es. Einen Nachmittag in der Woche haben wir alle vier frei. Das ist der schönste Tag der ganzen Woche 🙂
    LG von Anni

    • Reply Frau Mutter 31. Januar 2017 at 10:33 pm

      hallo anni, schön, dass du es dann einfach lässt, wenn du nicht magst. ein freier nachmittag ist auch eine gute idee. lg nina

  • Reply Doreen 31. Januar 2017 at 9:36 pm

    Das kenne ich sehr gut. Finde es auch schrecklich wenn ich um 16 Uhr aus dem Büro gehetzt komme, die Kinder einsammle, einfach nur nach Hause will und dann über eventuell mögliche Verabredungen diskutieren muss… Ich habe entschieden, ich sage einfach öfter mal: NEIN, HEUTE NICHT und das ohne Wenn und Aber. Das tut so gut und es funktioniert

    • Reply Frau Mutter 31. Januar 2017 at 10:33 pm

      super, versuche ich auch ma öfters;) lg nina

  • Reply Verena 3. Februar 2017 at 10:48 am

    ich gehöre zu den Vollzeitmuddis, und ich bin diejenige, die mit den eigenen Kindern dann gleich die Spielkameraden der Kinder vom Kindergarten der Schule mit einsammelt und sie mit nach Hause nimmt. Dem geht natürlich viel e-mail und WhatsApp Kommunikation voraus. Aber ich mache damit ja auch selbst ein Geschenk, denn die Kinder sind dann wunderbar miteinander beschäftigt und ich kann ungestört meine Aufgaben erledigen. Insofern eine win-win-Situation. 🙂

  • Kommentieren