Familiengeschichten

Von der Wichtigkeit albern zu bleiben oder: Inseln im Alltag

3. Mai 2016

Manchmal scheint mich der Alltag zu erdrücken. Alles ist so furchtbar seriös geworden. Die Post ist vom Finanzamt oder vom Polizeipräsidenten von Berlin, die Gespräche auf Parties kreisen um die Notwendigkeit von Thermomixen. Oder ist richtige Plural hier Thermomixer? Keine Ahnung. Die „Rush Hour des Lebens“ ist anstrengend. Aber warum eigentlich? Und muss das so sein? An manchen Tagen fühle ich mich so gefesselt im Erwachsensein und allem was dazu gehört, dann möchte ich mir doch einen Thermomix bestellen. Und heimlich mit ihm wegfliegen. Weil der kann das ja, oder? All die Verantwortung, die wir in unserem Alter gerade tragen, das kann schon erdrückend sein.

Zwei volle Jobs, Kinder, mit denen man gerne und viel Zeit verbringt, Erziehung, die man ernst nimmt, einen Pflegefall in der Familie und eine Paarbeziehung, in der auch nicht immer Alltag sein soll. Ganz zu schweigen von der Mühe, mir diese grünen Smoothies reinzuzwingen. Detoxen muss doch auch sein! Früher war irgendwie mehr Zeit zum Spielen, oder? Unbeschwertheit, Unvernunft, unendliche Möglichkeiten….

Und dann soll „angrillen“ die maximale Form von Spaß sein? Nä, oder? (Nicht zu vergessen, die Dip-Sauce, die man mit dem, ja genau, Thermomix, zubereitet hat)

Jahaaaa, ich habe mir dieses Leben ausgesucht. Ich bin auch gerne häuslich und kann auch sehr emotional werden, wenn es um Haushaltsgeräte geht. To-Do-Listen-Abarbeitung und geschmeidige Alltags-Orga kann ich mittlerweile auch sehr gut. Aber wohl bleibt denn das Unverhoffte, das….Leichte? Muss das denn für immer weg sein?

Ich sage: NEIN. Beim heiligen Thermomix, NOOOOO!

Man muss diese albernen Momente, die uns aus dem Alltag herausheben und für eine Minute durchatmen lassen, suchen und zelebrieren. Ich freue mich über jede Begegnung mit einem Erwachsenen, der mir zeigt, dass noch ein Kind in ihm wohnt und kein Weber-Grill-Roboter. Echtes Interesse, Überraschung, Begeisterungsfähigkeit, wie selten ist das geworden? Überhaupt auch die Fähigkeit, sich noch auf neue Leute einzulassen. Wer mir einen albernen, nicht korrekten Witz erzählt, den mag ich sofort. Aber es ist schwer geworden, das zu finden.

Ein Glück habe ich ja einen total unseriösen Beruf. „Du schreibst also einen Mamablog im Internet, noch dazu persönliche Dinge und verdienst damit Geld? Wie albern! Etwa wie diese You-Tuber?

„Ja, manchmal drehe ich auch ironische Werbevideos, in denen ich mich als Schwangere verkleide! Und dann ziehe ich mir auch noch grell pinke Sachen mit sinnlosen Aufdrucken an.“

„Und was machst Du dann in fünf Jahren?“

In fünf Jahren darf ich hoffentlich immer noch albern sein. Dann habe ich eben die Rolle der komischen Alten. „Jugendliche Liebhaberin“ ist eh passé. Kürzlich drehte ich zusammen mit meiner lieben Blogger-Kollegin Béa von Tollabéa ein albernes Video. Plötzlich hatten wir eine Eingebung!

„Wir sind ja wie die zwei alten Opas aus der „Muppets Show“, nur in weiblich und (geringfügig) jünger.“

„Du, damit können wir alt werden im Internet.“ Ein herrlich alberner und unseriöser Plan. Ich hoffe, wie setzen ihn in die Tat um oder machen später zumindest das Altersheim gemeinsam unsicher.

Seit ich mir regelmässig und unverblümt das Recht nehme albern zu sein, geht es mir viel besser. Ich rede auch nicht mehr so viel mit meinen Haushaltsgeräten, die waren ja schon echt genervt von mir….

Wie schafft Ihr Euch Inseln im Alltag?

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5 Kommentare

  • Reply Desiree Tietz 3. Mai 2016 at 7:28 pm

    Der Artikel ist einfach nur toll
    Liebe Grüße
    Desiree

  • Reply Frau Mutter 3. Mai 2016 at 7:53 pm

    Vielen Dank, liebe Desiree!

  • Reply Sarah 3. Mai 2016 at 8:24 pm

    Du sprichst mir aus dem Herzen, liebe Nina! Frau wird ja wohl noch albern sein dürfen! Und diese Me-Momente zelebrieren, was auch immer man/Frau tut…

  • Reply Kathrin 9. Mai 2016 at 5:24 pm

    Was für ein schöner Beitrag. Ja, genau so ist es! Man darf das alberne, verrückte Huhn in einem nicht verkümmern lassen. Aber manchmal ist es schwer diese albernen Inseln im Alltag zu finden, weil ja um einen herum alles seriöser wird 😉

  • Reply Sandra 11. Mai 2016 at 10:21 am

    Toller Beitrag, spricht mir aus der Seele. Das Erwachsenenleben kann soooo ernst und langweilig sein… Das ist nur mit Humor und einer gehörigen Portion Albernheit zu ertragen… 😉

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