Familiengeschichten

Und plötzlich sind Deine Kinder für DICH da…

25. Oktober 2016

Unsere Kinder sind schon der Wahnsinn. Da rede ich mir Jahr um Jahr, Tag um Tag den Mund fusselig. „Deck doch mal den Tisch, räum jetzt mal Dein Zimmer auf, muss ich Dir denn ALLES hinterhertragen?“ Und ja, auch der All-Time-Classic: „Ich bin doch nicht Deine Dienstmagd!“ ist in meinem Mama-Talk-Repertoire. Ach, wie nervig ist diese kaputte Schallplatte, die ich mir ja auch selbst immer wieder anhören muss.

Hilfsbreitschaft, auch mal mit anpacken, das wollen wir unseren Kindern mitgeben. Es ist aber im Alltag nicht so einfach zu „vermitteln“, wenn man gerade so schön Minecraft spielt oder in ein Einhorn-Spiel vertieft ist.

Und dann…..geht es doch!

Letzte Woche ging bei mir so gar nichts mehr. Magen-Darm-Virus oder war es die Mini-Pizza, für 1,50 Euro, die ich mir „gegönnt“ hatte? Ich schaffte es gerade noch, die Tochter vom Kindergarten abzuholen und zu sagen: „Mir ist ganz schlecht, Constanze, ich muss glaube ich br….“

Die folgenden drei Tage will ich gerne aus meinem Gedächtnis streichen. Aber an eine Erfahrung werde ich mich immer gerne erinnern: Wie sich meine Kinder um mich kümmerten.

Als ich kaum ansprechbar auf der Couch hing, holte meine 5jährige Tochter meine Lieblingsdecke, kuschelte mich so richtig bis zum Kinn ein und strich mir über die Stirn.

„Du armer Schatz, morgen ist es wieder gut“, flüsterte mir Constanze zärtlich ins Ohr.
Ich konnte nur noch stöhnen und mir den Bauch halten.

„Magst Du vielleicht ein kleines Video auf Deinem Handy schauen?“ Sie holte mir meine Handtasche und stellte mir den Kanal von „Lauras Stern“ ein.

„Das ist sehr nett Schatz, aber das schaust Du Dir lieber selbst an“, brachte ich gerade noch hervor. „Lauras Stern-Beschallung“ würde mir noch extra auf den Magen schlagen, befürchtete ich.

Die folgenden zwei Stunden wich meine Tochter mir nicht von der Seite, gab mir ihren Teddybär zum Kuscheln, sprach mir aufmunternd zu und umsorgte mich, wie eine kleine Mutter! Nebenher malte sie mir noch ein Bild, wie ich mit mega-langen Wimpern und tiefrotem Mund wieder die Treppe herauf gehen kann. Constanze wird bestimmt mal später erfolgreicher Motivations-Coach!

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Wenn Deine Kinder für Dich da sind

Dann kam mein Sohn nach Hause und holte mir sofort das Kirschkernkissen heraus, wärmte es, legte es mir auf den Bauch und hielt meine Hand. Und trotz meiner extremen Übelkeit wurde es mir sooo warm ums Herz. Ich fühlte mich umsorgt, geliebt, geborgen von meinen Kindern. Einfach nur glücklich, obwohl es mir ja eigentlich total dreckig ging.

Kann es vielleicht einfach sein, dass wir gar nicht so viel reden müssen? Tu dies, tu das, warum machst Du nicht einfach…? Reicht es vielleicht einfach, so zu sein wie man ist? Ha, vielleicht bin ich ja gar kein so schlechtes Vorbild für meine Kinder? Wenn Sebastian und Constanze krank sind, tröste ich sie, kümmere mich, versuche Erleichterung zu verschaffen. Das was jede Mutter tut und selbstverständlich ist.

Weniger herum meckern, besseres Vorbild sein

In unserem mütterlichen oder väterlichen Verhalten sind wir Vorbild für unsere Kinder, sie lernen das (gute) Verhalten, das sie von uns sehen. Ohne, dass wir darum bitten müssen. Einfach aus Liebe und Fürsorge füreinander. Ich habe mir vorgenommen, weniger an  ihnen „herum zu erziehen“ und mehr Vertrauen zu haben. Sie werden es schon richtig machen, sofern sie es von uns richtig sehen..

Ich muss sagen, Magen-Darm kann so schön sein, wenn man so liebevolle Krankenpfleger hat…..

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4 Kommentare

  • Reply Angela 25. Oktober 2016 at 8:30 am

    ….und keine Hand kann so trösten wie die weiche, patschige Hand meiner 5-jährigen Tochter. *hach* Schön geschrieben! Und weiterhin gute Besserung 🙂

  • Reply JesS von feierSun.de 26. Oktober 2016 at 9:35 am

    Oh ich sehe das momentan auch – vor allem sehe ich es wenn ich einen Schmerzschub habe. Da ist meine kleine dann plötzlich so groß…. Manchmal tut es mir dann in der Seele weh das sie schon so groß sein muss an diesen Tagen – aber dann gewinnt der Stolz über diese wunderbare Maus und darüber, das sie so emphatisch ist…..

    Danke das Du das hier aufgeschrieben hast!

    Drück Dich
    JesS

  • Reply Sandra 30. Oktober 2016 at 5:03 pm

    Schöner Text und ja, auch Mütter dürfen die Liebe der Kinder mal annehmen. Das ist das größte Danke, dass einer Mutter zuteil werden kann. Und mal ehrlich, dafür machen wir den Job doch so gerne 😉

  • Reply NeLuMum 2. November 2016 at 12:57 pm

    Ohjaaaa, das kenne ich zu gut. Da redet man sich den Mund fusselig und denkt sich oft: „Wie wird das noch werden?“ Plötzlich überraschen sie einen mit so viel Liebe und Aufmerksamkeit.
    Ich denke auch, dass wir mehr auf unsere Vorbildfunktion vertrauen sollten. Allerdings fällt es mir im Alltag doch immer wieder schwer…und dann wird doch die alte Schallplatte abgespielt mit den Standardsprüchen, die ich noch von meinen Eltern kenne 😉

    Schön, dass es dir wieder besser geht.

    LG 🙂

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