Familiengeschichten

„Und jetzt Botox oder was?“ Gedanken über das Älterwerden

3. November 2016

Vor ein paar Tagen wurde ich 24. Ein Glück habe ich eine ausgeprägte Rechenschwäche. So kann man sich das Älterwerden nämlich auch schön reden. Irgendwann ab Anfang 40 kann man sich trotzdem nichts mehr vormachen. Die Jugend ist irgendwie, was „voll menno“ ist, vorbei. Endgültig, was eigentlich das Schlimmste ist. Das kränkt mich. Wieso denn bloß? Warum das denn nun?

Ungerechterweise trifft dieses voll unfaire Verhalten der Natur mir gegenüber auf eine jetzt sehr glückliche Frau. Mit 24 (ich muss das gebetsmühlenartig wiederholen, sorry, liebe Leser) ist man endlich bei sich angekommen. Man hat sich schon in so vielen Situationen kennengelernt und weiß, wie man auf den Menschen oder diese Situation reagiert. Ich weiß wirklich, wo meine Stärken liegen, welche Talente ich immer abrufen kann, auch bei Krankheit und Unglück. Ich weiß aber auch, wo ich schwach bin, was ich nicht kann und nie können werde, wo ich einfach unzureichend bin.

Älterwerden mit einem aufgeräumten Inneren

Das große Glück für mich mit Anfang vierzig aka 20 (okay, das war das letze Mal) ist ja, dass ich mich nun echt mag. Ich bin richtig freundlich zu mir geworden und nachsichtig, wie mir das sonst nur mit meinen engen Freunden gelingt. Tatsächlich bin ich eine richtig gute Freundin von mir geworden.

Ich sage viel seltener zu mir:

„Sei doch nicht so x..y…z!“
„Jetzt reg‘ Dich mal nicht so über den, die, da auf!“
„Und warum hast Du heute wieder keinen Sport gemacht, hä?“

Viel öfters sage ich jetzt zu mir:

„Ja, Nina, das kennen wir ja schon von uns. Biste wieder wie ein Pawlow’scher Hund in die Situation gerannt, jajaja. Alles schon da gewesen. Ist nicht so schlimm. Jetzt hast Du halt dieses oder jenes Gefühl. Morgen ist auch noch ein Tag. Vielleicht wirst Du jetzt mal lernen daraus oder erst beim übernächsten Mal. Oder nie. Weil Du so halt bist. Jetzt iss erst mal Schokolade.“

Und dann esse ich meistens eine Krokantkugel. Und noch eine.

via GIPHY

Ich freue mich ehrlich, dass meine gute Freundin, also moi, so nett zu mir ist. Und dann……

Schaue ich in meinen Pass, weil der weiß ja, wie alt ich bin und in den Spiegel. Obwohl ich eigentlich zufrieden mit mir bin, sehe ich plötzlich „Baustellen“, die ich vor fünf Jahren noch nicht gesehen habe.

Über Optimierung nachdenken- und es wieder lassen

Und dann denke ich über Optimierung nach. Ich habe in letzter so intensiv über Optimierung nachgedacht, dass ich tatsächlich einen Arzt aufgesucht habe. Einen Kieferorthopäden.

„Sie haben diese Möglichkeit, wir könnten das machen- und sie könnten es einfach auch so lassen.“

Ein großer A-ha-Moment.Das ist ja wohl ein echt guter Arzt, wenn er mir von einer Behandlung abrät, bei der er an meiner Eitelkeit Geld verdienen könnte, was? Nina, Du kannst die Optimierung auch LASSEN.

Das machte mich nachdenklich. Vielleicht ist es gar nicht besonders freundlich zu mir, dass ich mir viel zu oft darüber Gedanken mache, was alles nicht mehr soo toll ist. So würde ich ja auch nie mit einer guten Freundin reden, ganz einfach, weil ich alle meine Freunde super schön finde mit all ihren Ecken und Kanten.

Schönheits-OPs sind trotzdem voll okay

Vielleicht müssen wir, wenn das Älterwerden um die Ecke lugt, einfach nur viel wertschätzender mit uns selbst sein oder endlich werden. Bringt uns diese oder jene Behandlung wirklich ein besseres Selbstwertgefühl oder eigentlich eher das Gegenteil?

Das Älterwerden ist keine einfache Sache. Und ich bin die letzte, die Eitelkeit verdammen würde. Jede Frau soll und darf das selbst entscheiden und ich würde das nie verurteilen wollen. Wenn man unter etwas stark leidet und eine Schönheits-OP verbessert das Selbstwertgefühl, super!

Aber müssen wir nicht eigentlich wirklich viel eher auf unsere Gedanken über uns selbst achten, als auf unsere Faltentiefe? Gerade, wenn wir älter werden? Auch was das Äußere betrifft. Spätestens ab 40 müssen wir lernen, unsere Vorzüge zu feiern. Natürlich sollte man auch nie vergessen, dass Älterwerden ja nun auch ein Privileg ist, das nicht viele haben. Wir duften bereits länger leben als viele andere, wenn wir alt werden, was, hallo, ein Geschenk ist.

Freundlicher zu sich selbst werden- und gerne weiter Cremes kaufen

All die schönen Seren und Cremes machen natürlich trotzdem Spaß, aber ich freue mich heute viel öfters als früher, dass meine Mutter, mein Vater und meine Großeltern mir das beste Anti-Aging mitgegeben haben. Das sind auch äußerliche Vorzüge, aber auch die Fähigkeit zu Humor, das Leben zu geniessen, sich zu belohnen,  sich zu verzeihen und tiefe Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Das habe ich aber alles noch nicht mit 24 gewusst! Aber mit dieser Erkenntnis kann man doch getrost irgendwann schlank und faltenfrei ins Gras beissen, finde ich.

Blogs für LeserInnen ab 24 (oder so) gibt es auch zwei tolle: Life40up und 40something, schaut mal rein bei den Kolleginnen!

Ich freue mich wie immer über Eure Kommentare!

Foto: Malina Ebert

Das könnte auch interessant sein…

7 Kommentare

  • Reply Ulrike Syha 3. November 2016 at 7:27 pm

    Ich werde gerne älter. Ich mag es, auf einmal Lehrende sein zu können und nicht Lernende. Persönlich schmerzt mich nur die Tatsache zu wissen, dass es nun de facto zu spät für Kinder ist und leider wohl einfach nicht sein sollte mit Familie – das ist meine einzige Altersangst. Das ist endgültig und tut unfassbar weh. Um meine „Schönheit“ ist’s mir nicht leid, ich hab mich eh nie als schön empfunden und genieße eher, dass das im Berufsalltag endlich keine Rolle mehr spielt, weil die Menschen mich jetzt wirklich nach dem beurteilen, was ich in den vergangenen 20 Jahren gemacht habe und nicht den Job doch der Frau mit der besseren Figur und der schöneren Haut geben. Das finde ich WIRKLICH gut und es ist auch eine Art Wertschätzung – und wenn ich im Alter mal so aussehe wie die alte Anna Seghers und als Künstlerin nur ein Prozent so viel geleistet habe, wäre ich ziemlich stolz. Deshalb werde ich nie meine Haare abschneiden, damit ich mit 80 auch so einen stolzen Dutt haben kann, im Falle des Falles. Aber ich habe auch recht wenig Ahnung von Mode, muss ich zugeben. Herzlich, Ulrike
    http://www.tierradenadie.de/archivo/literatura/seghers/seghersmexico.htm

  • Reply Frau Mutter 3. November 2016 at 9:12 pm

    Hallo Ulrike, danke für Deinen Kommentar und Deine Offenheit. Eine gute Sichtweise. Das mit der beruflichen Wertschätzung stimmt sicher. Anna Seghers finde ich persönlich aber sehr charismatisch, auch äußerlich. Ein gutes Stilvorbild. LG Nina

  • Reply Heike 4. November 2016 at 11:54 am

    Hallo . Ich habe das Glück mit 41 Jahren doch noch Mutter geworden zu sein . Und seitdem bin ich eigentlich auch irgendwie von dem Ganzen äußerlichen Rumgeeiere weg. Gott sei Dank. Ich habe in den letzten 4 Jahren gelernt , dass es Wichtigeres gibt als immer perfekt und faltenfrei durch die Welt zu gehen.Wenn ich ganz ehrlich bin : Mir sind ganz andere Werte wichtiger geworden.Innere Werte. Mir sind autentische Menschen lieber als schöne, perfekt frisierte mit langen Fingernägeln, die mir dafür nur Smalltalk aufs Auge drücken udn mich von oben herunter mustern. Ich bin froh nicht mehr Mitte 20 sein zu müssen, mir Gedanken machen zu müssen, wie ich wohl im Moment grade auf die Anderen wirke und das obwohl mich meine Tochter gerade erfolgreich eingesaut hat. Ich bin gelassener im Umgang mit meinem Kind, wie ich es mit 25 nie hätte sein können. Ich habe alles gelebt was ich leben wollte und habe nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Ich bin mittlerweile, die Lebenserfahrene, der Anker an dem sich alle festhalten, nicht mehr die Anderen. Ich muss mich nicht mehr nach Aussen als etwas darstellen was ich nicht bin, einfach weil ich das Selbstbewußtsein habe ICH selbst zu sein. Ich muss nicht mehr Jedem gefallen; es reicht wenn ich mir gefalle. Alles Dinge die vor 20 Jahren völlig undenkbar waren. Und wenn der Preis dafür ein paar Falten ( hoffentlich Lachfalten ) mehr im Gesicht sind , dann zahl ich den Preis gerne. Wenn ich dann doch mal wieder eine Falte mehr entdecke tröste ich mich mit dem Gedanken , dass ich im Alter dann wohl sicherlich interessanter bin als Andere. Viele Grüße
    Heike

  • Reply Tanja 6. November 2016 at 3:30 pm

    Herrlich, ich bin auch seit diesem Jahr 24! Fand ich sehr amüsant deinen Artikel und ich finde mich da sehr wieder. Ich mag mich auch heute mehr als früher und akzeptiere mich samt meiner Ecken und Kanten besser. Und Humor ist auch was, was im Alter wachsen kann und einem den Alltag versüßt, indem man die Falten einfach weg lacht. Natürlich sehe ich im Spiegel, dass mein Po nicht mehr so knackig ist, die Taille auch nicht mehr so wie früher und es hier und da was zu optimieren gäbe. Aber andererseits ist es auch wirklich nicht mehr so wichtig, wenn man bei sich angekommen ist. Da geht echt viel Ballast weg und es bleibt wieder mehr Energie für neue Dinge. Eine weitere super Sache an der 24: Gerade unter Frauen ist die „Nachkinderphase“ echt was tolles, diese ewige Vergleicheritis, unter der ich schon hin und wieder gelitten habe, ist endgültig geheilt, ich bin zufrieden so wie es ist. Also ich bin zufrieden mit der 24. Auch trotz zunehmender Fältchen. Mal schauen, wie es so mit 25 wird, bis dahin tut sich ja noch einiges!

  • Reply Sabine Omarow 9. November 2016 at 1:23 pm

    Ich bin 53 Jahre alt und finde, dass Frauen mit 24 Jahren echt noch super jung sind. Ich schmunzele gerade ein wenig über euch. Mit 53 Jahren fühle ich mich nicht alt und werde oft auch jünger eingeschätzt. Vielleicht kommt das daher, dass ich mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen arbeite, ich einen Beruf habe, der mir sehr viel Spaß macht und auch zwei Kinder habe, die inzwischen erwachsen sind. Ich spiele sehr viel und gerne mit meinen Schülern. Und mein Selbstbewusstsein ist heute sehr viel besser als damals, als ich jung war. Ich habe immer noch viele Träume und mag auch noch eine Weile auf der Erde verweilen. Nein, ich denke fast nie daran, wie alt ich bin. Ich genieße jeden Tag, die kleinen Dinge des Lebens. Zufriedenheit ist das, was mich heute ausmacht.

  • Reply Dani 10. November 2016 at 8:31 am

    Wenn ich uns nebeneinander stelle, dann finde ich, dass du immer viel viel jünger und viel viel schöner aussiehst als ich. Das ist überhaupt nicht schlimm, ich finde mich auch (noch) so (einigermaßen) schön (wenn man von den vielen Falten absieht), aber du, du siehst einfach toll aus. Jedes Mal denke ich, ach, hätte ich doch ein bisschen was von ihr. Wie Frauen eben wohl manchmal so sind 😉
    Und zu deinem guten Aussehen kommt die Ausstrahlung, das Leuchten (das wohl deine Zufriedenheit, dein Glück ist) und auch deine Ruhe. Neben dir zu stehen beruhigt ungemein. Und ich bin sehr froh, dich zu kennen! Mal so als Miniliebeserklärung.

    Sonst denke ich, dass ich schon zu viele Botoxgeschichten hab schief gehen sehen, dass ich davor eine wahnsinnige Angst hätte, auch so auszusehen. Frau ohne Falten mit unbeweglichem Gesicht. Ich gehe dann mal joggen…. 😉

  • Reply Frau Mutter 10. November 2016 at 8:43 am

    Liebste Dani, ich bin sprachlos. danke für diese wunderbaren Worte. Ich gehe dann mal heulen….lg nina

  • Kommentieren