Familiengeschichten

U2 in Berlin und wie ich mich sehr jung und sehr alt gefühlt habe

17. Juli 2017
U2 in Berlin Frau Mutter Blog

U2 in Berlin und ich war da! Letzte Woche war ich mit gefühlt 1 Millionen Menschen im Olympiastadion, bei Dauerregen und Wind. Wie bestimmt bei vielen von Euch verbinde ich mit dieser Band viele Erinnerungen an meine Jugend. Als es hieß, die Dubliner Jungs kämen nach Berlin habe ich es fast nicht glauben können. Das war meine Chance!

U2 in Berlin für das Kind der 90er

Ich hatte schon mal die Chance gehabt, U2 live zu sehen. Das war 1992 in der Frankfurter Festhalle. Da hatte ich gerade mit meinem Freund Schluß gemacht und er wollte glaube ich „Freunde bleiben“ und mit mir aufs Konzert. Er hatte die Karten besorgt und ich habe abgesagt. Weil…warum eigentlich?

Geht’s noch blöder? Thorsten, wenn Du das liest: I’m officially super blöd. Ein U2-Konzert abzusagen, um nicht in irgendwelche Liebes-Wirren zu geraten, die sich wahrscheinlich eh so oder so gelöst hätten, darüber habe ich mich noch lange geärgert. Keine Ahnung, was ich an diesem Abend dann gemacht habe. U2 auf meinem Kassetten-Recorder gehört oder „Beverly Hills 90210“ geschaut, wo die Kids auch dauernd saucoole Sachen erlebt haben. Mmmpf.

I wanna run,

I want to hide,

I want to tear down the walls

that hold me inside…..

Das sollte mir nicht nochmal passieren. Bono, The Edge, Larry, Adam: Ich habe aus meinen Fehlern gelernt! Kurz bevor das Olympiastadion völlig ausverkauft war, konnte ich noch eine recht teure Karte ergattern. Egal. Bei manchen Dingen schaut man nicht auf den Preis. Letzte Woche war es dann soweit. Leider gar nicht als Rock’n Roll- Chick verkleidet sondern mit praktischer Regenjacke ging es los.

Zunächst spielte Noel Gallagher, der wieder eine Band hat, deren Namen ich aber vergessen habe. Noel fluchte viel, aber schnappte sich irgendwann endlich die Accoustic Guitar und spielte „die alten Sachen“ von Oasis.  Ich grölte aus voller Kehle mit. War es nicht erst vorgestern, dass ich „Don’t look back in anger“ auf einer Studenten-Party in Marburg aus voller Kehle mitsang und nebenbei  Chilli con Carne à la Maggi löffelte?

Ich bin wieder 17. Nicht.

Dann endlich: die Titanen betraten die Bühne. Und alles war wie in den 90ern. Die Männer auf der Bühne etwas angegraut, aber immer noch sooo gut, soo virtuos, sooo stimmgewaltig und so mega charismatisch. Als Bono auf die Bühne kam, kreischte ich los wie mein 17jähriges Ich. Oder eben nicht, ich war ja damals nicht da. Aber heute und es galt, was gut zu machen.

Zwei Stunden war ich dann im Dauer-High. Regen? Egal! Kälte? Egal? Meine Regenjacke spannt über den Hüften? Voll egal!

I want to reach out and touch the flame

I want to feel sunlight on my face
I see the dust-cloud disappear without a trace
I want to take shelter from the poison rain
Where the streets have no name……

Alle Song-Texte kamen wieder hervor und konnten problemlos mitgesungen werden, schon Wahnsinn was man sich alles aus den 90ern noch merken kann. Binomische Formeln leider nicht.

Spätestens als Bono über Berlin sprach, verdrückte ich Tränchen. Als er sich dann später für Deutschlands Engagement in der Flüchtlingskrise bedankte, heulte ich in meine Insta-Story. Hach, watt schön.

Hier für Euch das wohl beste Riff aller Zeiten (für mich):

Nostalgie – bittersweet

Es ist ja unglaublich, wie Musik einen sofort emotional packt und in eine Emotion aus dem vorigen Jahrtausend zurück katapultiert. Und man sich dann GENAUSO wieder fühlt. Als wäre die Zeit nie weiter gegangen. Als wäre man immer noch Schülerin, Abiturientin oder Studentin. Das Gefühl ist schön, euphorisierend, aber auch traurig. Bitter sweet.

We’re still building and burning down love
Burning down love
And when I go there
I go there with you
It’s all I can do

Ich bin schließlich bei den letzten Takten aus dem Stadion, um als eine der ersten Fans wieder an der S-Bahn zu sein. Man will ja nicht zu lange warten müssen (Asche auf mein Haupt). Ja, es ist eben nicht mehr 1992 in der Frankfurter Festhalle.

Am nächsten Tag kam unsere Babysitterin vorbei, die gerade ihr Abitur gemacht hat.

„Ich war gestern bei U2,  berichtete ich ihr, noch völlig verzaubert.

„U2, was ist das denn?“

1992 ist wohl wirklich endgültig vorbei.

 

 

 

 

 

 

 

 

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1 Kommentar

  • Reply Sandra 26. Juli 2017 at 11:41 am

    OH nein! Sie wusste das echt nicht?! Liebe Nina, daran ist aber nicht unser Alter schuld, sondern ihre Eltern – ist es nicht unsere Pflicht den Kindern auch Musikgeschichte beizubringen? Genauso wie Filmgeschichte??? Wir in Hause tomatenstulle nehmen das sehr ernst! 😉 Ich mochte deine story sehr!!!

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