Familiengeschichten

Mama und Papa allein zu Hause: Zwischen „jippie“ und „schniefi“

3. August 2016

Mama und Papa allein zu Hause, das ganze Jahr freuen wir uns drauf. Immer im Sommer fahren unsere beiden Kinder für eine Woche mit Kindergarten und Hort an den Wannsee. Luftlinie sind das nur 500 Meter und Constanze und Sebastian sind dann auch immer nur zehn Minuten von unserem Haus entfernt aber das ist immer für beide Seiten total aufregend. Sie fahren behütet und mit vertrauten Personen, aber trotzdem ja ohne uns Eltern weg. Und wir haben einmal im Jahr sturmfreie Bude, aber so richtig!

Und jedes Jahr stellt sich die Frage neu: Was machen wir jetzt eigentlich mit all der kinderfreien Zeit? Endlich mal den Keller aufräumen? Doch mal über Altersvorsorge und Rente nachdenken? Sex vormittags um 11 Uhr (aber im Gästezimmer, wohooo!), einfach mal wieder eine Zigarette paffen und sich an den Frankreich-Urlaub von 1994 erinnern? (Wir hatten aber nur Kaugummi-Zigaretten der Kinder im Haus, mhh..) So viel Freiheit ist man ja wirklich gar nicht mehr gewohnt. Eine Woche mal kein Vorbild sein müssen?

Haben wir noch genug Gin im Haus, Schatz?

„Double Income No Kids“ für drei Tage: Mama und Papa lassen es krachen

Die Woche fing ganz vielversprechend an. Montag ging es nach dem Abgeben der Kinder („Wasch Dir auch ruhig mal in der Woche die Hände, okay?“)  total „double income no kids-mässig“ los. Wir fuhren an den Ku’damm und haben erstmal eine Stunde im Bilderladen verbracht. Dort haben wir uns einen skandinavischen Blumendruck gekauft und lange über den richtigen Rahmen sinniert. „Ich finde den schwarzen zu urban irgendwie. Mehr den unbehandelten aus Eiche, das spiegelt die Thematik besser wider.“ Oh Mann, waren wir wirklich so, bevor wir Kinder bekamen?

Aber irgendwie macht das ja auch Spaß, mal nicht über Schule und Entwicklung der Kinder zu sprechen und sich SORGEN zu machen, wie an den anderen 360 Tagen…

via GIPHY

Danach bummelten wir ziellos-hedonistisch durch die Stadt. Ich habe mir in einer Boutique marokkanischen Modeschmuck zeigen lassen und einen Armreif gekauft, dann ging es noch in eine Kunst-Galerie, danach zur Kaffee-Verkostung ins KaDeWe.
„Ich möchte gerne mal einen „Lungo mit Schokolade im Abgang probieren, bitte.“ Aber gerne doch.

„Wir haben ZEIT, Nina. Willst Du noch bei den Lippenstiften vorbei schauen? Ich gehe mal in die Haushaltsabteilung“, sagte Benedikt und verschwand in die 5. Etage des Lieblings-Kaufhauses.

Nach 45 Minuten bei Lippenstiften und Nagellacken mit witzig-schlüpfrigen Bezeichnungen trafen wir uns wieder. Mein Mann liebt Haushaltsgeräte über alles (obwohl: Staubsauger und Feudel eigentlich gar nicht so) und strich liebevoll über einen Servierlöffel einer Firma aus der Region Ostwestfalen-Lippe, der in limitierter Auflage nur alle Schaltjahre hergestellt wird.

„Kauf Dir doch Schatz, wenn Dein Herz daran hängt“, flötete ich wie zu Anfang unserer Ehe. Unglaublich, wie verliebt man sich als „DINK-Paar“ so fühlt.

„Hast Du einen schönen, neuen Lippenstift gefunden? Wollen wir uns die Handtaschen zusammen ansehen?“  Aber jaaa, wir haben ja ZEIT…….

„Wann reparierst Du endlich das Gartentor?“
„Ja, aber ICH hatte doch gesagt, dass ich an dem Tag weg muss.“
„Muss ich hier an alles denken?“

Schön, wenn solche Sätze auch mal auf Reisen sind…..

via GIPHY

Ohne Kinder sein ist schön, aber…..

Am zweiten Tag abends wurde uns dann ein wenig mulmig. Ist ja toll, wenn der Kellner drei verschiedene Riesling-Sorten zum Kosten reicht, aber wer schmeißt denn nun mein Weinglas bitte um? Ich unterhalte mich gerne mal mit meinem Mann ungestört, aber eine Stunde ohne „Mama, ich will jetzt mal was sagen!“ im Restaurant ist irgendwie schwer geworden.

Am vierten Tag vermissten wir unsere Kleinen fast körperlich und sehnten uns sooo schlimm nach ihnen. Dann haben wir uns drei Stunden die Fritzchen-Witze unserer Kinder erzählt und noch einmal festgestellt, wie süß und toll sie sind. Nachmittags dann der „erlösende“ Anruf aus der Jugendherberge: Der Sohn hat offenbar zuviel Süßigkeiten gegessen und sich den Magen verdorben. Neuneinhalb Minuten später stand ich vorm Tor der Jugendherberge und nahm mein armes, armes Kind entgegen, der nach zwei Stunden zu Hause wieder zurückgebracht werden wollte. Am nächsten Tag holte ich unter Tränen der Rührung dann beide Kinder ab. Ist mir doch egal, was die anderen denken. Hedonismus schön und gut, aber man ist ja völlig aus der Übung.

„Mama, hattest Du Heimweh nach uns?“
„Jaaaaa, mein Schatzi!“ (heulheulheulheul)

So ist das. So gerne ich manchmal auch ganz alleine ohne Kinder bin, so gar nicht mehr geht es ohne sie. Wie soll das bloß mal werden, wenn sie ausziehen? Bei dem Gedanken kriege ich gerade beim Schreiben wieder feuchte Augen. Was machen Mama und Papa denn dann? An das „empty nest“ will ich noch gar nicht denken. Furchtbar. Dann kommen sie nicht mehr nach einer Woche zurück. Aber bis dahin ist der Servierlöffel vielleicht kaputt und wir können dann wieder shoppen gehen. Waaahhhh!

Wie geht es Euch damit, wenn Eure Kinder mal weg sind?

Das könnte auch interessant sein…

4 Kommentare

  • Reply Kerstin 3. August 2016 at 7:19 pm

    Unsere beiden Kids werden am Samstag für eine Woche bei Oma und Opa inner Pfalz Urlaub machen – ohne uns. Ich bin auch nicht sicher, ob mir das gefallen wird. Mal ein Wochenende ist ja ganz schön, aber eine ganze Woche wird schon sehr ruhig. Ich bin gespannt!

    LG ❤️

  • Reply Yangın Kapısı 3. August 2016 at 8:07 pm

    Es ist das Allerschwerste auf dieser Welt sich vielleicht auch nur für kurze Zeit von den Kleinen zu trennen, auch wenn es manchmal zu schwer sein kann mit denen zusammen. Man will einerseits seine Ruhe haben, aber andererseits ist es total schlimm ohne die Kleinen. Das Beste ist immer Alles zusammen..

  • Reply Sabrina 4. August 2016 at 5:54 am

    Sehr schöner Text! Zum alleine wegfahren ist unsere Kleine (16 Monate) noch zu jung, aber etwas graußen und freuen, so würde ich es Beschreiben, kenne ich auch schon. Bisher sind wir zwar nur ab drei halbe Tagen im Monat wenn ich Arbeite, aber jeder fängt mal klein an. Hier ein kleiner Erfahrungsbericht meiner Mutter zu Thema: Es wird wohl von Mal zu mal leichter, während der Pupertät ist es die Erlösung und Sicherung der „Unversehrtheit“ des Nachwuchses beim Auszug des ersten Kindes war es hart das zweite ist irgendwie so durch den Zaun geschlüpft und das letzte wird es doch nicht wirklich auch noch tun, oder? Dann sind wir ja kinderlos nach fast 30 Jahren, was redet man denn da so miteinander? Aber andererseits werden die Sorgen schlagartig kleiner, kein nächtliches gewarte mehr, von brenzlichen Situationen und Abenteuerlichen Plänen erfährt man meist erst hinterher wenn schon alles gut überstanden ist. Nun ja und das erste Enkelkind kommt ja Gott sei dank regelmäßig zu Besuch. Langweilig wirds ja nie.

  • Reply Carmen 4. August 2016 at 12:20 pm

    Am Anfang fand ich das auch echt schwer und loszulassen ,aber schlimmer ist es wenn das erste Auszieht…da flossen bei mir abends dicke Tränen . Nun wir haben 4Kids zwei davon studieren in München und Mainz .Da sieht man sich nicht so oft ,und wenn sie im Lernstress melden sie sich kaum .. Aber da wächst man rein ein Glück ☺️Zwei Kids gehen noch zur Schule .Da wir aber Bereitschaftspflegeeltern fürs JA sind ,sind unsere KinderfreieZeiten weniger geworden .Und wenn dann genießen wir es oft ,in dem wir wie früher uns einfach auf den Roller setzen und losdüsen

  • Kommentieren