Familienalltag mit Humor

Kinder abholen: Ein Drama in 5 Akten

8. Juni 2016

Na, habt Ihr heute auch wieder Eure Kinder irgendwo abgeholt und das hat dann doch mindestes eine halbe Stunde länger gedauert? Okeeee, ich übertreibe mal wieder…aber so ist es doch. Bevor ich Mutter wurde, habe ich mir gar keinen Begriff davon gemacht, wie lange das Abholen der Kleinen dauern kann. „Oh, Mama ist da, dann ziehe ich mir mal hurtig Schuhe und Jacke selbständig, freiwillig und zügig an.“ So ist das ja eher nicht, oder?

Je nach Witterung (die Kinder in Schneeanzüge zwängen) oder wo man gerade ist (Kindergeburtstag, und die „Mitgebsel-Tüten“ wurden noch nicht verteilt) wird das Abholen der Kinder zum Drama.

Da „Kindergeburtstag abholen“ bei uns besonders schwierig und langweilig ist, bin ich mal kurzzeitig für Euch unter die Dramatiker gegangen.

1. Akt

Früher Abend, Haus von Mia, der Kindergartenfreundin, die gerade ihren Geburtstag gefeiert hat. Es klingelt, die Antagonistin steht vor der Tür (ich) und will die eigenen Kinder abholen. Die Protagonistin (meine Tochter) will aber nicht. Es entwickelt sich ein lautstark ausgetragener Konflikt. In einer Nebenrolle, die Mutter von Mia, die leicht zwanghaft lächelt und im Laufe der Handlung immer wieder auf die Uhr blickt. Sie will gleich noch eine Folge von „The Good Wife“ sehen.

2. Akt

Constanze, die Tochter: „Ich will nicht gehen, ich hab mein Würstchen noch nicht aufgegessen.“ (wendet sich ab und geht zurück zum Esstisch, um das Würstchen in Zeitlupe zu verspeisen)
Die Mutter, ich, wird ungeduldig.
Mias Mutter kommt zur Hilfe: „Aber jetzt gibt es ja die Tüten!“
Ich: „Oh toll, dann kriegst DU jetzt Deine Tüte und dann gehen wir.“
(Constanze schnappt sich eine Tüte und geht zurück zu ihrem Würstchen)
Constanze: “ Oh toll, „Elsa“-Brause!“
Ben, ein weiterer Gast kommt hinzu: „Zeig mal!“
Es entwickelt sich ein Handgemenge, bei der die Brause zu Boden fällt.
Constanze rauft sich die Haare: “ OH nein, was hast Du gemacht!“
Ich: “ Wir GEHEN.“
Constanze: „Neiinn, meine Brause, ich brauch neue Brause!“
Währenddessen schaut Mias Mutter erneut auf die Uhr. Mit der „good wife“ wird es wohl heute nichts mehr.

Kinder WOLLEN einfach nirgendwo abgeholt werden

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3. Akt

Ich: „Wir gehen jetzt, ich besorge dir morgen eine neue Brause.“
Constanze: „Aber das ist keine Elsa-Brause und ich will noch mein Würstchen……“
Ich: „Hier ist Deine Jacke, zieh jetzt Deine Schuhe an!“
Constanze: “ Ich will „Elsa“-Schuhe und „Elsa“-Brause!!!!
Ich bin verzweifelt, was soll ich machen, wie das Kind noch vor der Tagesschau nach Hause bekommen?
Auch Mias Mutter weiß nicht weiter. Vielleicht kann sie am Wochenende ihre Serie schauen…..

Plötzlich erscheint Mias Vater auf der Bühne, der Deus ex Machina! Er hatte sich bisher im Gartencenter aufgehalten, um dem Kindergeburtstag auszuweichen. Nun hat er wohl ein schlechtes Gewissen gehabt und beim Supermarkt noch ein paar Süßigkeiten gekauft.

Der Chor der Kinder tritt auf: „Schleckmuscheln! Schleckmuscheln! Oh, wir wollen Schleckmuscheln!“

4. Akt

Constanzes Aufmerksamkeit ist nun bei den Schleckmuscheln. Ich ziehe ihr derweil die Jacke an, die Schuhe spare ich mir, es ist Frühsommer und außerdem geht es dann schneller. Hinter der Bühne hört man Korken knallen, offenbar sind Mias Eltern in Feierstimmung, jetzt wo das Drama fast vorüber ist.

5. Akt
Im Auto.
Constanze: „Darf ich noch etwas aus der Mitgebsel-Tüte essen?“
Ich: „Ja, okay, aber nur EINE Süßigkeit.“
Rascheln auf der Rückbank, Constanze durchwühlt den Müll in unserem Auto.
„Mama, wir haben die Tüte bei Mia vergessen!“
(Brausen, Toben, Weinen, Hände zum Himmel recken)
Ich stelle Radio Teddy ein, es bringt nichts. Wir fahren zurück und klingeln wieder bei Mia. Constanze geht ins Haus und isst noch ihr Würstchen auf. Kurz vo 19 Uhr sind wir zu Hause.

Ich bin sicher bald gibt es auch für dieses Drama eine „Klett Lektürenhilfe“, oder was meint Ihr?

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4 Kommentare

  • Reply Mama Maus 8. Juni 2016 at 9:50 am

    Hallo Nina,

    Einfach wunderbar geschrieben. Vielen Dank dafür.

    Hinterher ist es meistens lustig, in der Situation selber komme ich meistens gehörig ins Schwitzen. So auch vor 1,5 Jahren mit Baby im Kinderwagen als ich die beiden Großen (damals 3 und 5 Jahre) aus dem Kindergarten abholen wollte. http://kinder-kueche-kaufrausch.blogspot.com/2014/12/warum-ich-fur-15-km-fuweg-eine-stunde.html

    Vielleicht haben ja noch mehr Mütter solche Geschichten auf Lager. Dann fühlt man sich wenigstens nicht so allein mit den kleinen (Qu)engelchen. Die wir natürlich trotzdem über alles lieben.

    Viele Grüße
    Mama Maus

  • Reply Einer schreit immer 8. Juni 2016 at 8:22 pm

    Chapeau meine Liebe! Genialer Text – habe sehr gelacht! Das ganze sollte verfilmt werden! 🙂

  • Reply maike 10. Juni 2016 at 11:32 am

    ja so in etwa ist es schon. Ich gehe mittlerweile immer etwas eher los, so 10 minuten. Und ich nerve auch nicht mit dem gehen. Denn wer hetzt und stresst kriegt es 10 mal doller zurück 😉
    Teilweise essen die Eltern dann noch die Reste des Essens auf, Pizza, Pommes etc. da spart man sich das eigene Essen zu Hause. Manchmal gibt es auch noch Sekt dazu. Ich habe gelernt mir dieses blöde Abholen so gut wie möglich zu machen.
    Vielleicht probiert ihr es mal aus, und bei mir dürfen die Kinder dann auch ihre ganze Tüte essen, war doch Geburtstag 😉
    aber Zähne putzen hinterher nicht vergessen 🙂

  • Reply Sandra 29. Juni 2016 at 11:44 am

    Herrlich! *Lachtränen aus den Augen wisch*

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