Familiengeschichten

Insgesamt tanzt man viel zu wenig oder: Ist die Party vorbei???

8. September 2015

tanzen Collage

Manchmal fühle ich mich so steinalt. Vielleicht bin ich das auch, obwohl…40 geht ja eigentlich noch. Mit zwei Kindern zu Hause, die neun und vier Jahre alt sind, scheint es, als ob die Party für immer vorbei wäre. Alle Tage ist Alltag, Verantwortung und das Abarbeiten der endlosen To-Do-Liste angesagt. Eigentlich auch am Wochenende. Wenn man mal ganz crazy einen Samstagabend bis 1 Uhr oder sogar halb zwei Uhr morgens (WOW!) feiert, rächt sich das gleich am nächsten Tag.

Wir Eltern können doch aber nicht bis die Kinder mit 14, 15 Jahren dann selbst ausgehen, zu Hause bleiben? Oder nur noch gepflegte Abendessen mit anderen Eltern veranstalten.. Weil man dann ja früh anfangen kann und pünktlich um 24 Uhr im Bette liegt. Elternabend oder das Elterncafé im Kindergarten kann ja wohl nicht das soziale Leben für die nächsten zehn Jahre sein, oder? Da kann man sich ja gleich bei der midlife crisis „anmelden“.

Was ich wirklich an meiner Jugend neben 100.000 anderen Dingen vermisse, ist, dass ich überhaupt nicht mehr tanze. Nur noch im Fitness-Studio im Zumba-Kurs bewege ich mich zu Musik und da komme ich eigentlich auch nicht mehr so richtig mit…

Eine Party konnte früher noch so langweilig sein, aber wenn es Musik und eine Tanzfläche gab, war alles für mich gerettet. Beim Tanzen habe ich wirklich alles um mich vergessen und war total im Moment drin und im „flow“. Und da war es auch ziemlich egal, ob da gerade die angesagte Indie-Band spielte oder das neueste Pop-Sternchen trällerte.

Ich gehöre zu den Menschen, die durch das Tanzen total glücklich werden. Irgendwas passiert da mit meinen Endorphinen oder Dopaminen oder was auch immer. Im Grunde werde ich high (ohne Zugabe weiterer Substanzen, was eigentlich ganz praktisch und gesundheitsschonend ist). In meinem aktuellen Leben fehlt mir das Tanzen wirklich. Aber wo soll man schon tanzen?

Soll ich mich als mittelalte Mutter stundenlang vors „Berghain“ stellen, um dann doch vom Türsteher abgelehnt zu werden? Außerdem spielen die da gar nicht Taylor Swift, habe ich mir sagen lassen. Für den Tanztee beim „Café Keese“ fühle ich mich hingegen zu jung. Außerdem will ich mir ja auch keinen 65jährigen Rolf Eden-Doppelgänger anlachen.

Zum Glück gibt es noch Hochzeiten in meinem Freundeskreis! Am letzten Wochenende hat eine Freundin geheiratet und auf der Einladung stand als Wunsch: „Wir wünschen uns, dass hemmungslos getanzt wird.“

tanzen 3

„Diesen Wunsch werde ich Euch erfüllen“, dachte ich. Wahrscheinlich ging es auch noch vielen anderen tanzentwöhnten Eltern so. Kaum hatte das Brautpaar seinen Walzer getanzt, hob der Alleinunterhalter auch schon zu den altbekannten Klängen von „YMCA“ an und los ging es! „Mir doch egal, ob das coole Musik ist oder man es schon zig tausendmal gehört hat“, dachte ich und stolperte auf die Tanzfläche.

Sogar mein Mann hat mir getanzt und der hört normalerweise immer nur verkopften Jazz und verweigert komplett jegliche tänzerische Bewegungen. Plötzlich wurde ich übers Knie gelegt oder wie heisst das, wenn man als Frau sich so nach hinten biegt, fast auf dem Boden landet, der Tanzpartner einen aber im Arm hält? Riesenspaß! Irgendwelche Schrittabfolgen wie früher in der Tanzschule waren auch egal, denn „Schieber“ oder der immer allgemeingültige und anwendbare „Disco-Fox“ geht ja immer. „Mama, was macht Ihr da?“, war die verwunderte Frage meiner Tochter, als sie ihre Eltern bei ihren Verrenkungen beobachtete.

Da die Hochzeit mit vielen Kinder gefeiert wurde, war sowieso alles nicht so formell. Ein Junge hatte wirklich tolle breakdance moves drauf, die sich mein Sohn im Laufe des Abends abgeschaut hat. Es war schön zu beobachten, wie viel Freude Sebastian beim Tanzen entwickelte, da schlagen wohl die Gene durch. Nur „antanzen“ von seiner Mama liess er sich nicht, das war dann wohl doch zuviel des Guten.

Als ich mit meiner Freundin grölend und kreischend (und komplett müchtern, in echt, jetzt!) auf der Tanzfläche stand und mit einem sechsjährigen Mädchen „headbangte“ war wieder dieses Glückgsgefühl da. So wie vor 20 Jahren. Der totale Genuß von Musik und der Bewegung. Alles vergisst man um sich herum, nichts ist peinlich (außer meinem Sohn die Mutter). Der Flow, das Jetzt. Ach, wie schön.

Jetzt muss ich nur noch wieder lernen, auf high heels einen Abend zu überstehen, aber: Wo kann man denn noch als ewige Enddreißigerin gesellschaftlich akzeptiert und tweilweise hemmungslos tanzen? Im Keller zu Hause, wo es nur die Waschmaschine sieht? Auf dem Lidl – Parkplatz? Oder wäre Aldi besser? Habt Ihr einen Tipp?

Wann habt Ihr das letzte Mal so richtig gefeiert?

Das könnte auch interessant sein…

4 Kommentare

  • Reply Andrea 9. September 2015 at 5:32 am

    Geht mir genauso mit dem Tanzen! Ich geh dafür immer ins 5 Rhythmen Tanzen.

  • Reply dieverlorenenschuhe 11. September 2015 at 10:43 am

    Mir fehlt das Tanzen auch so unheimlich, egal ob zu zweit (mein Mann ist leider recht unbegabt) oder das Zappeln alleine in der Disse. Wobei ich da die Mucke von früher bevorzugen würde. Ich bin jetzt auch 40, meine Kinder 4 und 2. Nichts geht mehr! Ganz selten, wenn ich mal alleine zu Hause bin oder mit den Kindern alleine, lege ich was auf und tanze. Wie schön das doch gewesen ist…

  • Reply Nicole 12. September 2015 at 4:56 pm

    Puh ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal so richtig gefeiert habe…

    Liebe Grüße
    Nicole

  • Reply Sandra 24. September 2015 at 10:08 am

    Ja, das Tanzen ist das Gegengift zum ernüchternden Alltag. Ich schleich mich auf Ü30 Partys, da spielen sie nicht nur Helene Fischer und ich geh immer noch für Ende dreißig durch – steigert das Selbstbewusstsein ;-).

    Wer das nicht will, kann in der Tat zuhause mit Kopfhörern und MP3 ausgerüstet abrocken (Vorteil: das aufdonnern entfällt, was für mich allerdings zu einem richtigen Discoabend dazugehört ;-).).

    Da das aber mit zwei Kindern eher unregelmäßig stattfindet, habe ich mich jetzt zum Bollywood-Dance angemeldet und Mädels: das macht wirklich glücklich!
    Und als kleiner Nebeneffekt steigert es das positive Körpergefühl (durch die Hüftbewegungen :-P). Wer noch mehr in die Freude kommen will, kann auch Massala Bhangra machen, da hüpft man viel und wird unsagbar fit.

    Also Mädels, let´s Bollywood :-)!

    Namaste
    Eure Sandra

  • Kommentieren