Familiengeschichten

Freundschaften im Eltern-Zeitalter: es geht doch!

5. Juli 2016
Freundschaften

Früher war es so einfach mit Freundschaften. Es hat gereicht, dass die Klassenkameradin auch so gerne wie „Laura“ aus „Unsere kleinen Farm“ sein wollte und die Mitternachts-Starlight-Barbie schon hatte oder wie das Ding damals hiess. Wenn sie dann noch in der Nähe gewohnt hat, war alles paletti. Je älter man wird, desto anspruchsvoller wurde man auch mit Freundschaften. In den 90ern fühlte ich mich Mädchen mit ähnlichen Palladium-Sneakers und henna-gefärbten in Haaren in tizianrot verbunden. Es hat eigentlich wenig gebraucht, um befreundet zu sein. Keiner konnte den Songtext zu „Smells like Teen spirit“ so richtig, aber wir alle haben ihn mitgesungen. Ein paar Ähnlichkeiten und Sympathie brauchte man schon, klar. Obwohl man ja als Teenager auch mal mit dem Mädchen mit den allertollsten Palladium Sneakers befreundet sein will. Genau- der Schuhe wegen.

Freundschaften als Mutter

Für mich gab es schon eine Zäsur beim Thema Freundschaften, als ich Mutter wurde. Es war mir sehr wichtig, Vertraute bei dieser „Unternehmung“ zu finden und habe lange gebraucht, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Nur befreundet sein, weil beide Mütter sind, in der Nähe wohnen und das Kind auch noch nicht durchschläft? Hallo, Palladium Sneakers! Ich wollte auch nicht irgendein Thema wichtig finden, nur weil das alle anderen Mütter um mich herum wichtig fanden und darüber reden wollten. Da lernte ich doch lieber endlich mal den Text zu „Smells like teen spirit“, das gefiel meinem Sohn auch. Besser alleine als zusammen und doch nicht zugehörig.

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Kinderlose Freunde und „mit in die Ehe gebrachte“ Freundschaften

Ich bin froh, immer noch (eine geringe) Zahl an Freunden und guten Bekannten zu haben, die ich „von früher“ habe. Meine Freunde aus der Schul- und Studienzeit, die mich so kennen wie ich bin und auch immer sein werde. Egal, ob mit Kindern, Darlehen oder jetzt schon den drei grauen Haaren, die ich habe. Ähem. Vier sind’s vielleicht auch schon. Kinderlose Freunde finde ich wichtig, denn mit ihnen kann man auch mal „nur ich“ sein, denn sie wollen ganz einfach nicht so gerne das letzte Diktat des Sohnes en detail beim Cocktail durchsprechen. Schwierig wird es, wenn kinderlose Freunde einfach gar kein Interesse an den eigenen Kindern haben. Das geht auch nicht, sie gehören zu mir und ich möchte auch mal drei Sätze über sie reden dürfen.

Wenn zwei Menschen ein Paar werden, bringen sie oft Freunde mit in die Beziehung und nicht immer klappt die Durchmischung gut.
„Was um Himmel willen findet sie an der Tante?“ Partner tun gut daran, diese Freundschaft nicht kleinzureden. Wie das mit „getrennten Freundschaften“ gut klappen kann, hat meine Kollegin Rike vom Nieselprim Blog kürzlich beschrieben.

Mama, Papa, Kind- Freundschaften

Sehr selten, aber unglaublich einfach für alle Beteiligten und auch glückbringend sind Familien-Freundschaften. Zunächst ist es oft so, dass sich die Kinder anfreunden. „Ich gebe Dir Schweinsteiger in Glitzer fürs Panini-Heft, den habe ich doppelt“. Reicht schon, wie wir wissen. Mütter sind über Kinder schnell miteinander bekannt, echte Sympathie und Vertrauen dauert trotzdem etwas länger. Nun ist es ja nicht so, dass wenn man eine Frau sympathisch findet, der Mann dann auch zwangsweise der Knaller ist. „Was um Hillens willen findet diese tolle Frau denn an dem Heini?“, habe ich durchaus auch schon mal gedacht. Aber gar nicht so selten passen die Männer dann zu den tollen Mütter-Freundinnen-Frauen. Dann kommt der Sprung ins kalte Wasser. „Wollen wir uns mal alle treffen, Schatz? Der Mann von Lisa ist auch Journalist und interessiert sich auch total für Hipster-Kaffee-Zubereitung, doll oder?“ Im Idealfall spielen alle schön zusammen und man kann die wunderbarsten Sonntage und Urlaube zusammen verbringen. Oft scheitert es aber am total anstrengenden Goldhamster der anderen Familie, der sich nicht für „Nirvana“ erwärmen kann. Dann muss man sich wieder neue Freunde suchen.

Wie ist das bei Euch? Habt Ihr mehr „eigene“ Freunde oder Familien-Freundschaften?

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8 Kommentare

  • Reply Sari 5. Juli 2016 at 10:05 am

    Interessanter Weise habe ich mir früher immer eher Jungs als Freunde gesucht. Mädchen waren mir immer zu zickig und anstrengend. Ähnlich ist es eigentlich heute, nur dass sich die Themen etwas geändert haben. Aber wie du beschreibst: Man lernt durch die Kinder neue Eltern kennen und so sind wir inzwischen mit 2-3 netten Familien befreundet.

    Einziges Problem ist, wenn man dann mal Geburtstag feiern möchte oder so. Also seinen eigenen Läd man nun die Freunde einen, kommen sie alle im Großpaket. Früher saß man eben mit seinen 5-8 Freunden beisammen. Heute kommt auf jeden noch ein Partner und im Durchschnitt 2 Kinder, so dass man direkt ne große Lovation und Kinderbespaßung mieten sollte.

    Hat alles seine Vor- und Nachteile ^^

  • Reply Frau Mutter 5. Juli 2016 at 11:38 am

    Hallo Sari, interessant. Ich habe Jungs erst später „entdeckt“ Aber bei meiner Tochter ist es auch so und das tut ihr sehr gut.
    lg Nina

  • Reply Simone 5. Juli 2016 at 8:16 pm

    Durch 14 Umzüge weiß ich wie schwer es ist echte Freunde zu finden. Und nach dem Umzug stellt sich auch schnell raus wer Freunde bleibt. In Dresden nun musste ich aber die gewonnenen Freunde während der Flüchtlingskrise leider neu kennenlernen und habe seit dem wiederum ganz neue Freunde!

    • Reply Frau Mutter 6. Juli 2016 at 7:24 am

      Huhu Simone, Du sprichst ein interessantes Thema an. Politische „Verwerfungen“ sind oft nicht im Alltag zu erkennen, aber dann weiß man wenigstens woran man ist, oder? LG Nina

  • Reply Bettie vom Frühen Vogerl 5. Juli 2016 at 8:18 pm

    Die Idee mit den Familienfreundschaften finde ich total toll, aber allzu oft denke ich mir dann tatsächlich, was findet die bloß an dem „Heini“. Und das klappt dann nicht so gut. 😉

    Lieben Gruß
    Bettie

    • Reply Jeannine 5. Juli 2016 at 9:16 pm

      Ich bin auch oft überrascht und hege ähnliche Gedanken, den Männern gegenüber. Das will dann nicht so recht klappen, mit der Familienfreundschaft. Aber gar nicht so, weil der eigene Mann sich nicht arrangieren könnte… da hackt’s dann schon bei mir. 😉 Bin gespannt, wie das wird, wenn sie in den Kindergarten kommt im Herbst. Freu mich schon, haha! 😀

    • Reply Frau Mutter 6. Juli 2016 at 7:24 am

      Bettie, ja immer wieder seltsam, wie wenig man manchmal Beziehungen anderer verstehen kann, oder? Gruß Nina

  • Reply Sabine 7. Juli 2016 at 7:40 am

    In der Regel kommen gemeinsame Freundschaften über mich zustande (sind Frauen doch kommunikativer?) Hihi. Doch es ist mit Kind nicht zwingend leichter geworden. Eher im Gegenteil. Die kinderlosen wollen entweder von Kindern nichts wissen oder es fehlt die gemeinsame Basis, die einst bestand. Das Leben hat sich halt verändert. Der Urlaub wird anders verbracht, der Tagesablauf ist verändert und die Mode ist auch nicht mehr ganz so konform. Aber auch Eltern mit Kindern kennen zu lernen, ist nicht unbedingt einfacher. Wie du sagst, muss Männlein nicht zu Weiblein passen und man ist nicht automatisch seelenverwandt, nur weil beide Seiten Kinder haben. Ich bin auch dankbar, für die Freunde, die ich habe und freue mich einfach über neue. Doch ich habe von dem Gedanken verabschiedet, dass nur aus der Elternschaft heraus, es leichter wird, Kontakte zu knüpfen. LG, Sabine

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