Familiengeschichten

„Du bist schön“: Warum ich das meinen Kindern oft und gerne sage

17. Mai 2017

„Du bist schön!“ Das ist so ein wichtiger Satz und doch auch eigentlich ein Geschenk. Ich sage ihn gerne und oft zu meinen Kindern. Jede Mutter findet ihr Kinder überirdisch schön, süß, charmant und ganz einfach- einzigartig. Warum mit Lob geizen? Ich denke nicht, dass man sich oberflächliche Tussis und Tussos (wenn es das Wort gäbe) heranzieht, nur weil man sagt: „Du siehst heute besonders hübsch aus.“

Ist es nicht wunderbar, wenn die eigenen Eltern dem Kind sagen: „Du bist wunderschön, so wie Du bist. Von außen, aber auh von innen!“

Ich kann mich noch sehr gut an eine Situation mit meiner Mutter erinnern, ich war 14 oder 15. Wir fuhren nach einem Einkaufsbummel eine Landstraße entlang und ich fragte sie: „Bin ich eigentlich schön?“

Nicht schön, aber interessant

Sie druckste herum und antwortete: „Ich denke, Du siehst interessant aus.“

Interessant? WTF? Interessant, was soll das denn sein? Interessant kann ein Bild aus dem Museum aussehen oder „Männer in den besten Jahren“ ….Als ob „interessant“ Stefan aus der 11. Klasse und Thomas aus der 10. Klasse beeindrucken würde. Waaaaahhh! In diesem Alter wollte ich einfach hübsch sein und mindestens ein wenig Ähnlichkeit mit den Leuten von „Beverly Hills 90210“. Von „Melrose Place“ ganz zu schweigen. Ich war so enttäuscht. Meine ganze Pubertät über war ich überzeugt, dass ich dann halt „interessant“ aussehen würde. Alle anderen Mädchen waren hübsch, süß, schön.

Es ist schon sehr schwerwiegend, wie eine Aussage oder ein Urteil einer Mutter das eigene Selbstbild beeinflussen kann. Ich denke aber, ich verstehe meine Mutter heute besser. Sie wollte nicht, dass ich mich auf mein Äußeres reduziere. Fand wahrscheinlich „interessant“ ein besseres Attribut. Es war ihre Art mir zu sagen: „Schön sein ist nicht alles. Konzentriere Dich auf Dein Inneres.“

Das hat sie auch durchaus geschafft. Meine Mutter hat immer darauf geachtet, mich für meine geistigen Fähigkeiten oder kreativen Talente zu loben. So kam nie auch nur der Hauch eines Zweifels auf, dass ich als Frau „hauptsächlich“ schön und dünn zu sein hatte.

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Tatsächlich habe ich dann auch ein untrügliches Gespür dafür entwickelt, welche Jungs und später Männer nur mit mir zu tun haben wollten, weil ich ganz „interessant“ aussah. Die sich aber nicht die Bohne für mich als Person interessiert haben. Einige Stefans sind dann somit durchs Raster gefallen. Natürlich ist es gerade in dem Alter auch wichtig, toll gefunden zu werden. Das muss ja auch so sein.

Aber das fest verankerte Wissen, dass man mehr ist als sein Äußeres, hat mich dann auch vor großen Zusammenbrüchen bewahrt, wenn Thomas nun doch nach drei Wochen Kathrin süßer fand. Was ich IMMER noch nicht verstehe, aber egal. Obwohl ich ihm ein Cola-Bier spendiert habe und wir danach geknutscht haben. Das BEDEUTET doch was. Wurscht.

(Auf) sich selbst und andere achten

Ich traue mir und meinem Mann zu, dass wir das auch in unseren Kindern verankern können und ihnen trotzdem sagen dürfen:
„Du hast so schöne Augen.“
„Mir gefallen Deine Sommersprossen.“
„Dein Haar glänzt heute so schön.“

Mein Sohn und meine Tochter dürfen und sollen sich auch schön finden. Man darf Spaß an Mode haben und sich auch Gedanken machen dürfen über Nagellack und Haarfarben. Wichtig finde ich, dass man sich für andere Menschen genauso interessiert wie für sich selbst. Es ist wichtig, sich als Teenager mit sich selbst zu beschäftigen, aber Selbstbezogenheit ohne Empathie ist schwierig.

Beim Heranwachsen und „kritisch im Spiegel beäugen“ ist es wichtig, dass hinter einem die Mutter oder der Vater steht und sagt: „Deine Nase ist genau richtig. Du bist schön, genauso wie Du rausgekommen bist. Und außerdem bist Du ein sehr freundliches Kind, das mag ich an Dir.“

Kürzlich sagte Constanze zu mir:

„Ich glaube, ich bin ein besonderes Mädchen.“

Als ich sie fragte warum, war ihre Antwort: „Weil ich viele Freunde habe.“

Dann haben wir doch vielleicht gar nicht so viel falsch gemacht.

Einen sehr schönen Blogpost zum Thema Schönheitsauffassung von Kindern findet Ihr bei meiner lieben Kollegin Béa.

Würde mich wie immer interessieren, wie Ihr das seht!

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1 Kommentar

  • Reply Jessica 17. Mai 2017 at 7:32 pm

    Wir sagen unserer Tochter (5) auch öfter mal, dass sie hübsch ist oder sich heute mal besonders hübsch gemacht hat oder loben sie auch öfter wenn sie höflich bzw. nett zu anderen war.
    Dies nimmt sie sehr gut an, findet sich selbst schön und gibt solche Komplimente auch gerne mal zurück, wie z.B.: „Mama, ich find deine Haare schön“ oder sie geht auf andere Kinder zu und sagt: „Ich finde dein Kleid sehr schön“ usw.
    Ich finde es sehr wichtig zur Stärkung des Selbstbewusstseins eines Kindes es immer wieder zu loben bzw. ihm Komplimente zu geben.
    Es schadet niemandem

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