Familiengeschichten

Breaking News: Mutter wird von anderer Mutter gelobt

16. Februar 2016

Eine Mutter wird von einer anderen Mutter gelobt. Dieses seltene Naturschauspiel zwischen zwei Frauen ereignete sich in unserem letzten Urlaub. Experten gehen davon aus, dass sich das Ereignis, auch bekannt unter der Bezeichnung „The Mother-Sisterhood-Ritual“, nur alle Schaltjahre wiederholen wird. Hier eine kurzer Abriss der Begebenheit.

Sichtung von Sternschnuppen, eine Sonnenfinsternis oder ein Lottogewinn. Das alles sind sehr seltene Begebenheiten, die wir nur alle paar Jahre zu Gesicht bekommen. So verhält es sich auch mit spontanen und ehrlich gemeinten Bezeugungen von Lob und Anerkennung zwischen Müttern. Mir ist das vor drei Monaten passiert und ich bin immer noch so baff, dass ich das mal aufschreiben muss. Oft ist es ja eher anders herum. Man wird als Mutter von anderen Müttern schnell be- oder abgeurteilt, gerne auch in Abwesenheit, aber durchaus auch direkt. Ich denke noch mit Schrecken an die „Was Du stillst nicht-Kommentare?!“ im Pekip-Kurs mit meiner Tochter. Ich muss sagen, dass mich das SCHRECKLICH nervt. Ist wie Schulhof, nur mit erwachsenen Frauen. Aber nun habe ich eine ganz andere Erfahrung gemacht. Obwohl schon einige Monate her, bin ich noch ganz erfüllt davon.

Es begab sich auf „neutralem Boden“, also nicht im Revier der einer oder der anderen Mutter und auch nicht im Warteraum der Musik- oder Ballettschule, wo Gefechte dieser Art sonst gerne ausgetragen werden. Meine Familie und ich verbrachten einen wunderschönen Urlaub im Schwarzwald. Während die Kinder im Hotel betreut wurden, gingen mein Mann und ich mit anderen Erwachsenen, die ansonsten auch Eltern sind, wandern.

Breaking News: Anerkennung zwischen Müttern ist schon vorgekommen

Zwischen Mutter eins und Mutter zwei ergab sich während der Wanderung das eine oder andere Gespräch. Bei der Nahrungsaufnahme zu Mittag nahm Mutter eins dann zu Mutter zwei (ich) Kontakt auf:

„Hatten Sie heute morgen nicht eine Brille auf? Sie sitzen doch beim Frühstück ganz in der Nähe von uns. Haben Sie nicht ein kleines blondes Mädchen und einen braunhaarigen Sohn?“

Mutter zwei nahm sofort Hab-Acht-Stellung ein. Man kennt das ja aus Hotel-Revieren. Die unterschiedlichen Arten von Menschen beäugen sich misstrauisch. Man bleibt gerne in seinem Rudel und der Tisch am Fenster wird unter allen Umständen bis aufs Blut verteidigt.

„Ja, wiesooooo?“. Mir schwante nichts Gutes. Waren meine Kinder in einer unbeobachteten Minute in einen Ober mit vollem Tablett gerannt? Hatten sie das Rührei auf der Obstplatte verteilt? Man ist ja sofort immer auf eine Beschwerde-Tirade gefasst….

„Wie haben Sie beobachtet, meine Mutter und ich.“ Ich wurde noch unruhiger. Au weia.

„Ich habe zu meiner Mutter gesagt: Schau mal, Mama, das sind Menschen, die ihre Kinder noch erziehen.“ Dabei lächelte sie offen, freundlich und in keiner Weise ironisch.

Ich war einfach nur konsterniert. Hatte diese Mutter mich gerade einfach so gelobt? Von Mutter zu Mutter? Mir Anerkennung gezollt für meine (teilweise sicher sinnlosen) Erziehungsmaßnahmen? Wo gibt’s denn sowas? Was war denn diese Dame für eine seltene Mütter-Gattung? Hoffentlich keine aussterbende Art, denn mir gefiel dieser Austausch prächtig.

Ich, die Gelobte, eigentlich auf Angriff und Verteidigung gepolt, verlor alle Hemmungen.
„Das freut mich aber, dass Sie das sagen….also wirklich jetzt.“ Mehr bekam ich nicht heraus, denn ich bekam feuchte Augen.

„Ich finde das wirklich schön, zu sehen, dass Sie sich Mühe machen mit ihren Kindern. Meine Schwester zum Beispiel, da dürfen die Kinder ja ALLES. FURCHTBAR IST DAS. Da will man gar nicht zu Besuch hinfahren.“

Ah, ein Glück. Mutter eins war doch irgendwie menschlich. Ich hatte schon fast angenommen, sie sei eine Erscheinung, irgendetwas Surreales. Aber mich hat sie gelobt. Tatsächlich, ganz ohne Ironie. YEAY.

Als Mutter Anerkennung zu bekommen ist etwas sehr Schönes, wenn es auch viel zu wenig vorkommt. Wenn eine Mutter eine andere Mutter lobt, kommt das wirklich einem seltenen Naturereignis nahe.

Wir sollten das viel öfters tun, oder? Weniger Gift, mehr Anerkennung. Das wärs.

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2 Kommentare

  • Reply Suse 18. Februar 2016 at 12:23 pm

    Ja. Eigentlich sollte man das zum Rutual werden lassen. So, wie bei meiner Tochter in der Schule: Am Geburtstag bekommt das Geburtstagskind keine Glückwünsche, sondern das „Füllhorn“ wird über ihm ausgeschüttet: jedes Kind in der Klasse sagt etwas, was es am Geburtstagskind toll findet.
    Wie wäre es, wenn sich Mütter begegnen sich erst mal ein -ernst gemeintes- „Toll wie Du das machst“ entgegenschmettern?

  • Reply Jale 27. Juni 2017 at 10:49 am

    Zählt es wenn die Tochter ihrer Mutter Komplimente macht?

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