Familie

Briefe aus Bayern: Das Fohlen ist da!

9. Juli 2015

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Meine Kolumnistin Heidi aus dem Chiemgau stellt Euch heute ein neues Familienmitglied vor: das Fohlen! Das nennt man auf bayerisch übrigens „Heissal“, das wusste ich auch noch nicht. Offenbar gibt es zwischen Pferden und ihren Nachkommen auch große Ähnlichkeiten, ganz wie bei den Menschen. Heidi und ihre Familie lieben ihre Pferde über alles und freuen sich so sehr über den Nachwuchs wie die Stute. Die sog. „Körung“ hat mittlerweile Tradition auf ihrem Hof, es kommen ja auch so süsse Fohlen dabei heraus….

Im Frühjahr wartet meine ganze Familie immer gespannt auf den Anruf: „As Heissal is da!!!“ Heuer wurde der Satz mit „…und es ist ein Hengst!!“ ergänzt. Wouhuuuu, unser Bene ist wieder mal Papa geworden! Ja, Ihr seit sicher schon darauf gekommen, ein Heissal ist nichts anderes als ein Fohlen. Na, da müssen wir natürlich hin, eine Stallhoabe auf den neuen Erdenbürger trinken! Also fahren wir los! Dann stehen wir da, vor der Box und stellen fest: Mensch, ganz der Papa!!!

Stolz stoßen wir zusammen mit den Besitzern an. Auf das Wohl der Mutter und auf ihren Junior und auf das beide gesund bleiben. Glück im Stall! Immer wieder erstaunlich, was die Natur so alles fertig bringt! Ein vollständiges Pferdchen im Miniformat steht da vor uns! Auf wackeligen, ewig langen Beinchen, und oh Gott – ich bin wieder mal schwer verliebt!!! Munter hüpft der kleine Kerl um seine Mutter herum, um dann auf einmal unter ihrem Bauch zu verschwinden. Schon hört man das Schmatzen, ja trink nur kleiner Mann, damit du groß und stark wirst!

Und meine Kinder?? Die strahlen über beide Ohren als sie den kleinen Hengst endlich streicheln dürfen. Wow – das Fohlen ist nicht viel größer als meine fünfjährige Tochter. Kaum zu glauben, dass aus dem Vierbeiner in nur knapp drei Jahren ein ausgewachsenes Pferd mit guten 800kg werden wird.

Der Deckhengst Bene

Wir haben einen Deckhengst zu Hause. Das war so nicht geplant, das hat sich so ergeben! Ich denke sowas nennt man Liebe auf den ersten Blick! Mein Göttergatte sah das Pferd, seine Kinnlade viel runter und es kam so ein Gestammel raus, das übersetzt wohl soviel wie: „Boa, den muss ich haben!!!“ heißen sollte.
Ein Jahr verging und dann schon zog Bene bei uns ein. „Hmmm, ein DECKHENGST, jetzt spinnt a, mei Alter“, habe ich gedacht. Leichte Panik brach aus, als sich dann auch wirklich die erste Stute ankündigte!
Naja, zwei Kinder haben wir selber schon zustande gebracht, ergo: sooooo schwer kann es dann doch wohl eigentlich gar nicht sein. Und was soll ich sagen? War es auch nicht.

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Das alles ist jetzt ein paar Jährchen her, wir sind inzwischen (vielleicht) ein bisschen routinierter.Heuer haben wir sogar zum ersten Mal eine Stute samt Fohlen, zur Decksaison stationär aufgenommen.
Eine Woche lang wohnte ein kleiner langbeiniger „Hugo“ samt Mutter bei uns im Stall! Ein absolutes Highlight, nicht nur für unsere Kinder! Komischerweise viel mir immer wieder irgendetwas ein, was noch im Stall gaaaaanz dringend erledigt werden musste.Und nebenbei nur ein klitzekleiner Blick in die Box…..Ein kleines bockendes Fohlen, in frischer Einstreu, etwas Süßeres und Witzigeres kann man sich kaum vorstellen.

Das gibt mir, Mama von zwei Kindern und bekennende Glucke, wieder mal Zeit zum Nachdenken. Puhh, wie lange meine Kinder brauchten um zu laufen, oder bis sie endlich mal was anderes wollten als nur die Brust. Das sie zum Teil noch immer am Rockzipfel hängen und wohl noch 15 Jahre brauchen, um, sagen wir mal einigermaßen „selbstständig“ durchs Leben zu gehen. Dann kommt so ein kleines zehn Tage altes Fohlen daher, inklusive einem bereits sehr großen Dickschädel und „kann“ eigentlich schon fast alles und wird bereits in ein paar Monaten komplett auf eigenen Füßen stehen…. puhhhh ein ganz schönes Tempo!!!

Ein Fohlen zum Geburtstag

Das gleiche schnelle Tempo legt auch mein eigener vierbeiniger Nachwuchs an den Tag. Ich darf Euch hiermit stolz verkünden, dass ich selber Besitzerin eines inzwischen einjährigen kleinen, großen Pferdchens bin!
Zu meinem 40. Geburtstag hat mir mein Mann meinen Herzenswunsch erfüllt und mir ein kleines sechs Monate altes Heissal geschenkt.

Mit drei weiteren, gleichaltrigen Pferden wächst er in einem netten Herdenverbund auf und ich werde Euch sicher noch viel über ihn berichten. Es ist inzwischen das vierte Fohlen, das ich groß ziehen darf, und wenn ich den verklärten Gesichtsausdruck meines Mannes richtig deute, wird es wohl auch vorerst nicht das letzte bleiben!

Seitdem ich meinen Simai habe, ist für mich inzwischen das Ziel der Körung und das daraus folgende Fohlen sehr gut vorstellbar! Ob es so kommen wird, das wird die Zeit dann zeigen. Aber in Gedanken höre ich meinen Mann schon sagen: „Hmmm, einen Deckhengst, jetzt spinnt’s, mei Alte!!!“

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Heidi lebt mit Mann, zwei Kindern, den Großeltern und vielen Pferden inmitten schönster Natur im Chiemgau. Traditionen und Bräuche werden gepflegt, veganen Latte Macciato gibt es eher nicht. Sie lässt uns in ihrer Kolumne “Briefe aus Bayern” regelmässig an ihrem Leben teilhaben.

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