Baby und Kleinkind

Hilfe, meine Kinder sind bald aus dem Gröbsten raus!

12. März 2014

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„Geniess‘ die Zeit“. „Die werden so schnell gross“. Besonders als mein erstes Kind, mein heute 7jähriger Sohn Sebastian, klein war, habe ich die Leute nie verstanden. „Das hoffe ich, dass er bald gross ist“, habe ich dann oft im Spass gesagt. Wann schläft er endlich durch? Wann ist er trocken? Wann ist er endlich selbständiger? Diese Fragen habe ich mir sehr oft gestellt. Dabei habe ich ein bisschen vergessen, seine Baby- und Kleinkindzeit zu geniessen. Weil ich mich zu oft damit beschäftigt habe, was alles anstrengend ist. Und anstrengend ist es ja auch. Ich habe zwei sehr aktive und emotionale Kinder. Ich bin auch nicht unbedingt ein stiller, ruhender See. Bei uns herrscht jeden Nachmittag grosses Kino. Nach Hausaufgaben, Mathe üben, Nachmittagsaktivitäten und den üblichen Streitereien zwischen den Geschwistern bin ich abends einfach platt.

Meine Tochter, die gerade drei ist, lehrt mich aber gerade öfters einmal inne zu halten und die schöne Kleinkindzeit mit ihr zu geniessen. Das ist ein echter Lerneffekt für mich als Mutter eines Kleinkindes. Wenn Sebastian draussen mit seinen Kumpels spielt und schon mehr oder weniger alleine zurecht kommt, hüte ich das Haus mit Constanze. Und geniesse auch mal den Augenblick!

„Mama, wir kuscheln jetzt. Habe Dir eine Höhle gebaut.“ (=alle Handtücher aus dem Wäscheschrank sind in der Kaminecke drapiert.) Früher wäre ich schnell ungehalten geworden. „Macht nicht so viel Unordnung!“ „Ich muss immer hinter Euch herräumen“ Die alte Leier einer Mutter halt.

Heute gelingt es mir sogar manchmal in einer solchen Situation, nicht sofort wieder aufzuräumen und an die nächste Wäscheladung zu denken. Ich lege mich in die „Höhle“, lasse mich zudecken und werde zusammen mit den Teddies mit Knete gefüttert. Legga!

Ich kann als üblicherweie To-Do-Listen abarbeitende Mutter wirklich inne halten und den Moment geniessen. Durch meinen Sohn weiss ich, dass die „Zeit wirklich nie zurück kommt“, so wie die Omas immer sagen.

Manchmal werde ich richtig traurig wenn mir klar wird, dass diese Momente irgendwann aufhören:

Beim Abholen vom Kindergarten fliegt mir Constanze in die Arme und küsst meinen Oberschenkel. „Habe Dir Kuss gegibt, Mama!“

Tochter kommt um drei Uhr morgens in unser Bett und erklärt: „So jetzt bin ich da und jetzt schlafen wir schön, Mama, Papa und isch.“

Nachmittags, wenn ich noch „schnell kurz Mails checke“ und meine Tochter zwecks Ablenkung einen Film auf dem Tablet schaut: „Mama, hör auf zu arbeiten, Du darfst jetzt „Lauras Stern“ mit mir gucken.“

Und überhaupt all‘ die Liebe und Zärtlichkeit.

In zehn Jahren werde ich sie doch nicht mehr durchkitzeln dürfen oder einfach so ihren Nacken küssen. Das macht dann schon vielleicht ihr Freund. Gott bewahre! Dann kann ich doch bestimmt froh sein, wenn meine Kinder noch einen Satz mit mir wechseln wollen. Dieses Loslassen und auch „immer- weniger- wichtig -sein“ muss doch schrecklich für Eltern von Pubertierenden sein, oder? Wie kommen die klar, frage ich mich? Die Liebe, die man für seine Kinder hat, wird doch nicht weniger und man möchte doch immer noch kuscheln, oder nicht?

Ich wünschte, ich könnte all diese schönen Momente von heute irgendwo konservieren und sie dann in zehn Jahren wieder herausholen und sie nochmal erleben. Aber das geht wohl nicht.

Vielleicht gründe ich jetzt schon mal eine Selbsthilfegruppe. „Die anonymen Kuschler“

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10 Kommentare

  • Reply dani 12. März 2014 at 8:11 am

    Mit Kindern im Alter von 7 und 12 kann ich dir folgendes sagen: Mit dem Alter der Kinder fühlt sich das immer weniger schlimm an. Sie lassen uns ja – theoretisch – genug Zeit, uns von ihnen abzunabeln. Ich fand bisher jede Altersstufe toll, finde es zum Teil total krass, was für Sprünge sie machen und wie sehr ein Jahr das Aussehen eines Kindes verändern kann. Das passt schon.

    Und hey: Ich freu mich beispielsweise jetzt schon auf die wiederkehrende Zweisamkeit, auf´s reisen allein (weil wir sind ja beide noch so jung, hihi) und auf die ersten Freunde unserer Kinder, auf die ich mit einer Bratpfanne hinter meinem Rücken warte ;).

  • Reply Pia 12. März 2014 at 8:19 am

    Oh man , das spricht mir aus der Seele. Ich musste mir doch glatt ein Tränchen weg wischen. Meine große ist 8 und meine kleine bald 3. Baby nummer 3 ist unterwegs und dann darf ich alles ein letztes mal fühlen und genießen. 😉

  • Reply Frau Mutter 12. März 2014 at 8:53 am

    Dani, danke fürs Aufmuntern! Und die Bratpfanne….ich hätte von Dir auch nichts anderes erwartet;)

    Pia: Gute Idee mit Nr. drei, Du hast noch länger die Kleinkindzeit!

  • Reply Giks 12. März 2014 at 9:30 am

    Wenn Deine Kleine erst 3 ist, hast Du ja hoffentlich noch einige Jahre des Kuschelns vor Dir…!

    Aber die Gedanken kenne ich gut. Meine Kinder sind 6 und 9, und jedes Mal, wenn ich meinen Großen in den Arm nehme, frage ich mich schon wehmütig, wie lange ich das wohl noch darf. Zum Glück ist er bislang noch recht kuschelig, und die Kleine scheint oft vor Liebe und Zärtlichkeit regelrecht überzulaufen…

    Aber ja, ich genieße diese Momente sehr bewusst, und würde sie auch sooo gerne einfrieren und bei Bedarf (in Zeiten pubertierender Gleichgültigkeit) wieder auftauen, um mich für immer an der kindlichen Zuneigung zu wärmen…

  • Reply Linda 12. März 2014 at 9:40 am

    Ja kenn ich…meine Kids sind 2,5, 5 und 6,5 also und gestern waren die zwei großen allein auf dem Spieli und ich war mit dem kleinen hier…auch das León ab und an allein zu Schule und zurück geht use…übel übel…die zeit rast…Leon wir dieses Jahr 7 und kommt in die erste klasse, Amy kommt in die Vorschule und Jan in den kindergarten!! Glaub hab die babyzeit auch net so gut genutzt! Aber Ich glaub das sagt jede mutter!

  • Reply Rike 12. März 2014 at 10:56 am

    Ach ja, woher kenne ich das bloß … Wolltest du einen Ratschlag? Immer wenn eins groß wird, ein neues bekommen! Nein?! Dann mach einfach so weiter wie bisher: genieße deine Kinder und sei dir der Kostbarkeit und Flüchtigkeit (leider) solcher Momente bewusst. Ich wünsch euch einen schönen Tag in der Kaminkuschelhöle! Und schick mal die Anmeldung für die Selbsthilfegruppe, ich bin eine vereinsamte Mami…

  • Reply Schrön 12. März 2014 at 1:43 pm

    Der Artikel ist klasse geschrieben!
    Die Jahre sind so schnell vergangen. Wenn ich mir Bilder anschaue von vor Jahren und jetzt.
    Ich bin froh das es anderen Mamas genauso geht. Meine Tochter wird bald 9. Es ist ein so schwerer Weg für mich loszulassen.

  • Reply Silke 12. März 2014 at 1:47 pm

    Ach du hast so recht. Mein großer ist jetzt 6 geworden und kommt dieses Jahr in die Schule und mein kleiner wird 3 und ist schon im Kindergarten.
    Man freut sich über jeden Entwicklungsschritt der Kinder, denkt aber trotzdem oft genug daran, wie sie noch kleiner und jünger waren. Man freut sich, wenn sie immer weniger Mama brauchen und selbstständiger werden, wird aber auch wehmütig darüber und merkt, man wird nicht mehr so oft gebraucht.
    Ich freuen mich über die Zeit, die noch kommt und über die Zeit die wir schon zusammen hatten. Und ich hoffe, meine zwei kommen auch noch in zehn Jahren zu mir, um mich in den Arm zu nehmen und sagen: Mama, wir haben dich lieb.

  • Reply Tanja 12. März 2014 at 8:30 pm

    Ach , das kenne ich nur zu gut.
    Meine Kinder sind jetzt 13, 10, und 10 und dreimal darfst du raten, warum es noch Nummer vier ( fünf Jahre) und Nummer fünf ( knapp drei Jahre) gibt.
    Naaa ….? KUSCHELN 😉
    Erst mit den beiden Kleinen könnte ich das so richtig genießen . Denn wenn man Zwillinge bekommt und ein Kleinkind dabei zu versorgen hat, ist man erstmal froh, dass man überlebt…;)
    Und die ganzen Omi Sprüche könnte ich nicht mehr hören, „genießen „und so. Ich habe es genossen, alleine zur Toilette zu gehen. In der Zeit habe ich mich ertappt, wie ich einen leeren Einksufswagen bei Aldi geschokkelt habe .
    Jetzt genieße ich jeden Augenblick ( zumindest bemühe ich mich drum 😉
    und kann sämtliche Omi Sprüche besser verstehen.
    Manchmal muss man eben erst fünf Kinder bekommen ! :))
    Liebe Grüße

  • Reply Rosalie 14. März 2014 at 10:08 am

    Oh danke! Was für ein schöner und wahrer Text!
    Aus genau diesem Grund habe ich mich geweigert ein Kinderschlafzimmer einzurichten. Ein riesiges Familienbett in dem alle Kinder bleiben, bis sie wirklich nach einem eigenem Zimmer verlangen. Nachts kuschelt es sich nämlich am besten. Und weil die Große bereits mit 2 meinte, ich dürfe sie zum Abschied in der Kita nimmer küssen, muss jetzt das Baby herhalten. Ich hab sie den ganzen Tag im Tragetuch und geb sie auch nicht her… Bei uns herrscht sowieso Chaos – warum also die Zeit mit Haushalt verschwenden? Spielen und Kraulen und Kitzeln macht doch viel mehr Spaß!

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